Linus Torvalds

Linux 6.1 mit initialem Rust-Code freigegeben

Der gestern veröffentlichte Kernel Linux 6.1 ist der letzte Kernel im ausklingenden 2022 und wird vermutlich von Greg Kroah-Hartman zum nächsten LTS-Kernel gekürt. Der neue Kernel wird definiert durch die initiale Einführung der Infrastruktur für den Rust-Code, Multi-Gen LRU, mehr Sicherheit und neue Funktionen für AMD-CPUs.

Ich musste auch erst lernen, was Multi-Gen LRU (MGLRU) ist. Diese jetzt eingeführte Optimierung des Memory-Management-Subsystems ist bereits seit Längerem in der Entwicklung und soll die Nutzung des verfügbaren Speichers durch das System besonders auf Geräten mit wenig RAM optimieren. Ein Artikel auf LWN vom letzten Jahr vermittelt die Einzelheiten.

Sicherheit

Im Hinblick auf die Sicherheit integriert Linux 6.1 Unterstützung für KCFI, ein Forward-Edge-Control-Flow-Integrity-Schema (CFI) in der kommenden Clang 16-Version. Mit CFI führt der Compiler eine Laufzeitprüfung vor jedem indirekten Funktionsaufruf durch, um sicherzustellen, dass das Ziel eine gültige Funktion mit dem richtigen statischen Typ ist. Dies schränkt mögliche Aufrufziele ein und erschwert es einem Angreifer, Fehler auszunutzen, die die Änderung von gespeicherten Funktionszeigern ermöglichen würden.

Ein erster Schritt zur anfänglichen Unterstützung der Programmiersprache Rust als zweite Sprache neben C im Kernel ist mit der Einführung der nötigen Infrastruktur in Linux 6.1 getan. In zukünftigen Kernel-Zyklen werden neue Rust-Treiber und weiterer Code folgen, um die Integration auch sinnvoll nutzbar zu machen.

CPU

Bei den Neuerungen im Bereich der CPUs sticht AMD heraus. Das AMD Platform Management Framework (PMF) wurde integriert und sorgt künftig für einen besseren Umgang mit Energie, Abwärme und Geräuschen bei AMD Ryzen-Geräten. Der AMD PMF-Treiber stellt ein zentralisiertes Framework dar, das auf Sensoreingaben, Hinweisen des Betriebssystems, Plattformstatus und APU-Metriken basiert, um Leistung, Stromverbrauch und Systemthermik dynamisch zu verwalten.

Des Weiteren wurde nach einem Jahr Entwicklung die Unterstützung für IOMMU v2 Seitentabellen komplettiert. Einer der angestrebten Anwendungsfälle ist die Unterstützung verschachtelter IO-Seitentabellen. Diese IOMMU v2 Page Table Patches sind ein Schritt in Richtung Hardware-unterstützte IOMMU-Virtualisierung für AMDs EPYC-Plattform.

Linux 6.1 unterstützt weitere ARM SoCs und Smartphones. Darunter sind die SoCs Mediatek MT8186, TI AM62A, NXP i.MX8DXL und Qualcomm IPQ8064 in mehreren Varianten. Bei den jetzt unterstützten Smartphones sind das PinePhone Pro, das unter anderem einen Treiber für sein Tastaturcover erhält sowie Sony Xperia 1 IV und Samsung Galaxy E5 / E7.

Grafik

Die Updates für Direct Rendering Manager (DRM) und Kernel Mode-Setting (KMS) Treiber wurden hauptsächlich von Intel und AMD bereitgestellt. Bei Intel erhielt die im nächsten Jahr erscheinende Meteor Lake-Prozessorfamilie als Nachfolger von Raptor Lake weitere Patches. Mit einer Überarbeitung der Handhabung seiner GPU-Firmware reagiert Intel auf Vorwürfe vom Sommer, als bekannt wurde, dass Intel Alder Lake P die Grafikunterstützung bricht, weil mit dem Wechsel auf einen neuen Kernel eine neue Firmware erforderlich ist, während die Abwärtskompatibilität mit der bestehenden Intel Firmware für den Graphics Micro-Controller (GuC) nicht erhalten bleibt.

Storage und Dateisysteme

Ein Patchset für Btrfs bringt mit Linux 6.1 unter anderem asynchrone, gepufferte Schreibvorgänge und damit eine mögliche Verbesserung des Datendurchsatzes um das Zweifache oder mehr. Bei EXT4 ging es eher ruhig zu, es wurden Fehler beseitigt und leicht an der Performance-Schraube gedreht. Bei RISC-V erhielt der Kernel Unterstützung für CD-ROM Dateisysteme wie ISO9660, Joliet, and ZISOFS.

Entwicklung zu Linux 6.2 beginnt

Weitere Einzelheiten vermittelt wie immer die Webseite Kernel Newbies, noch ist die Aufarbeitung aber nicht komplett. Mit der Veröffentlichung von Linux 6.1 öffnet sich auch das zweiwöchige Fenster für Einreichungen zu Linux 6.2. Durch die zusätzliche Woche, die Linux 6.1 benötigte, reicht dieses Fenster bis zum 26.12. Deshalb wird Torvalds diesmal besonders strikt sein und nur Patches akzeptieren, die bereits in linux-next waren und von daher eine gewisse Reifezeit hinter sich haben. Er zeigte sich gestern erfreut, dass er bereits zwei Dutzend solcher Einreichungen vorab erhalten habe. Mit der Veröffentlichung von Linux 6.2 ist im Februar 2023 zu rechnen.

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