Debian 13 »Trixie« führt eine wichtige Änderung beim temporären Verzeichnis /tmp ein. Der Ordner /tmp dient in Unix-ähnlichen Betriebssystemen wie Linux zur Speicherung von temporären Dateien, die Programme und das Betriebssystem im laufenden Betrieb vorübergehend benötigen. Diese Dateien sind meist nur kurzzeitig relevant und werden oft nach einem Systemneustart automatisch gelöscht.
Wie aus den Release Notes hervorgeht, hängt Debian 13 das Verzeichnis /tmp nun standardmäßig als tmpfs-Dateisystem im RAM ein, anstatt es auf der Festplatte zu speichern. Das bedeutet, dass dort gespeicherte temporäre Dateien im Arbeitsspeicher existieren und beim Neustart oder Aushängen verloren gehen. Zusätzlich wird regelmäßig eine automatische Bereinigung alter Dateien in /tmp und /var/tmp durchgeführt, um Unordnung zu vermeiden und den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Diese Änderung bringt Debian mit vielen anderen Distributionen wie Arch, Fedora und openSUSE in Einklang, die bereits länger /tmp als tmpfs einhängen.
Was musst du wissen?
Das neue Standardverhalten sieht vor, dass Dateien in /tmpautomatisch nach 10 Tagen ab dem Zeitpunkt der letzten Verwendung sowie nach einem Neustart gelöscht werden. Dateien in /var/tmp werden nach 30 Tagen gelöscht, aber nicht nach einem Neustart. Wichtig zu wissen ist zudem, dass für tmpfsmaximal 50 % des vorhandenen RAM bereitstehen. Maximal bedeutet: Wenn sich nichts in /tmp befindet, belegt /tmp auch keinen Speicher. Der vorgegebene Wert kann angepasst werden, indem man explizit einen Wert vorgibt. Das gelingt mit dem Befehl
sudo systemctl edit tmp.mount
Das sieht dann so aus:

Wenn in der letzten Zeile keine Größenbeschränkung steht, sind automatisch 50 % alloziert. Um den Wert zu ändern, kopiert ihr die letzte Zeile und fügt sie über dem Kommentar ### Edits below this comment will be discarded wieder ein. Dann fügt ihr am Ende der Zeile nach einem Komma eine Prozentangabe wie size=25%% (ja, doppeltes Prozentzeichen) oder eine feste Größe wie size=4G ein.
Die Änderung kann auch in /etc/fstab vorgenommen werden. Die Zeile
tmpfs /tmp tmpfs defaults,noatime,mode=1777 0 0
ändert man beispielsweise zu
tmpfs /tmp tmpfs defaults,noatime,mode=1777,size=4G 0 0
Vorsicht vor Schreibfehlern in der fstab, denn die mag Systemd nicht und stoppt den nächsten Reboot!
Auf das zugrunde liegende diskbasierte Verzeichnis /tmp kann nach einem Upgrade auf Trixie mit einem Bind-Mount zugegriffen werden. Wer zum alten /tmp zurückkehren will, maskierttmp.mount und startet den Rechner neu.
systemctl mask tmp.mount
Weitere Einzelheiten verrät die ausführliche Manpage.

Sorry, aber ich muss blöd fragen. Nach einer Neuinstallation sieht das bei mir so aus:
In der fstab habe ich nur den Eintrag
/dev/mapper/desktop–vg-tmp /tmp ext4 defaults 0 2
Diesen gibt es gar nicht, auch nicht auskommentiert
tmpfs /tmp tmpfs defaults,noatime,mode=1777 0 0
Und mit systemctl edit tmp.mount kommt dann das am Ende des Files.
[Mount]
# What=/dev/mapper/desktop–vg-tmp
# Where=/tmp
# Type=ext4
Von tmpfs ist nirgendwo etwas zu sehen.
Schau mal mit
mount | grep tmpfsdrauf, dann solltest du es sehen. Einen Eintrag in derfstabmuss man anscheinend händisch erstellen, wenn man den benötigt (damit z.B. Systeme, die bereits eine separate /tmp-Partition haben, davon ausgenommen werden).OK, da kommen einige Einträge mit “tmpfs on…..”
Danke Dir für den Tipp!
Gute Verbesserung da braucht man es nicht mehr manuell aktivieren. Ich nutze schon länger bei Debian 12 basierenden LMDE6 tmpfs und habe bisher keinerlei Probleme damit gehabt, im Gegensatz zu meinen Versuch bei Windows der kläglich an der Unfähigkeit von Microsoft und Co gescheitert ist.
Hallo!
Ich verwende /tmp täglich um Dateien abzulegen.
Bsp. für so einen Workflow:
Beim anmelden am System wird in /tmp ein Unterverzeichnis angelegt.
Darin werden von Thunderbirs und Firefox alle Downloads abgelegt. Dadurch sammle ich weniger Müll bei PDFs die ich nur 1x lese.
Dateien die ich behalte, benenne ich um und speichere sie dann im Homeverzeichnis.
Das funktioniert für mich schon seit Jahren. 😉 Und zwingt mich nebenbei wichtige Dateien gleich ordentlichzu benennen (falls nötig) und abzulegen.
Hat eine tmpfs Umstellung mehr Risken für meine Dateien? Bzw. was würdet ihr mir vorschlagen um den Prozess “ähnlich” beizubehalten?
Danke!
Das kannst du ja so beibehalten, musst halt nur dafür sorgen, dass genügend Platz vorhanden ist und dir darüber im Klaren sein, dass die Sachen nach 10 Tagen gelöscht werden, sofern nicht vorher ein Reboot erfolgt. Bei wenig RAM (bis zu 4 GB) würde ich wieder zurück auf /tmp gehen.
Danke!
Wird tmpfs auch in eine Art Swap Datei ausgelagert (wenn der Platzbedarf zu groß wird)?
Wenn der Platz knapp wird, was wird dann zuerst gelöscht?
Bei mir ist es ein Desktop, der ohnehin nach der Benutzung heruntergefahren wird (d.h. die 10 Tage kommen nicht zur Anwendung).
Oder wäre es besser mittels Shellscript einen Ordner in /home/user anzulegen und ihn beim Neustart zu löschen?
Du könntest nach dem Upgrade auch “systemctl mask tmp.mount” ausführen. Dann bliebe alles so wie vorher.
Standardmäßig werden bei Firefox temporäre Dateien über „Öffnen“ statt „Speichern“ im /tmp-Verzeichnis abgelegt.
Nachdem ja heutige Rechner meist mehr als genug Arbeitsspeicher haben, finde ich es durchaus sinnvoll mit tmpfs zu arbeiten. Vermutlich ein (kleiner) Geschwindigkeitsvorteil. Bei Rechner mit knappen RAM mag das anders sein.
Das ist auch gut für die SSD. Ich lager zum Beispiel meinen Browser Cache, Thumbnails, Steam-Gedöhns alles nach /tmp. Die Platte hält so paar Jahre länger.
Halte ich für ziemlich unwahrscheinlich, dass heutzutage eine SSD in einem durchscnittlichen Desktoprechner tot geschrieben wird.
Ok du hast recht. Hab das mal ausgerechnet anhand meiner die 600 TBW hat. Bei 4GB pro Tag sind das ~ 411 Jahre und 10 GB ~ 164 Jahre. Ja kann man jetzt vernachlässigen. Ist noch son überbleibsel aus Anfangzeiten. Dennoch sollte man aufpassen, nicht alle Platten sind gleich gut wie Samsung & Co. Platten wo keine Angaben gemacht werden und auch nichts auslesbar ist, sind Müll-Platten.
Was ist denn “mehr als Genug”? Das erinnert mich an eine Computersendung aus den 80ern. Da hat jemand 256kB entsprechend bezeichnet.
Für Desktopsysteme mag das richtig sein. Problematisch könnte es für VPS werden, bei denen RAM sich schon wesentlich im Preis niederschlägt. Wenn da eine VPS viel in /tmp übriglässt und dann auf einmal nur noch 50% RAM für Prozesse verfügbar sind, wird es ungemütlich.