Bei Jellyfin steht ein größerer Führungswechsel an: Gründer und Projektleiter Joshua Boniface und das langjährige Kernteam-Mitglied Anthony Lavado verlassen das Projekt. Beide Rückzüge wurden mit Wirkung zum 19. Juli 2026 bekannt gegeben, und damit nur zwei Tage, nachdem bereits Andrew Rabert, einer der ursprünglichen Mitgründer, dem Projekt den Rücken gekehrt hatte.
Gewaltiger Aderlass
Boniface leitete Jellyfin seit der Gründung Ende 2018, als das Projekt als quelloffener Fork von Emby startete. Als Hauptgrund für seinen Rückzug nennt er einen schleichenden Burn-out: Er könne dem Aufwand, den die Rolle verlange, weder zeitlich noch mental länger gerecht werden. Hinter dem Projekt liegen zwei sehr fordernde Entwicklungszyklen. Hinzu kommt der Exodus von Plex-Usern, die wegen der neuen Preispolitik Plex in Richtung Jellyfin verlassen. Boniface betont, der Übergang verlaufe einvernehmlich, der Kontakt zum Team bestehe weiter, und für die nahe Zukunft von Jellyfin bestehe kaum Risiko.
Lavado, der fast acht Jahre dabei war und sich zuletzt vor allem um App-Store-Angelegenheiten, Öffentlichkeitsarbeit, Releases und Finanzen kümmerte, begründet seinen Schritt mit privaten Veränderungen, die nun Vorrang hätten. Er will das Team beim Übergang unterstützen, notfalls auch über ein Jahr hinweg.
Differenzen über den Einsatz von KI
Zweifel an Bonifaces Darstellung eines einvernehmlichen Übergangs können aufkommen, wenn man die Differenzen in Betracht zieht, die zum Abgang von Andrew Rabert führten. Rabert verließ das Projekt zwei Tage vor den beiden Kern-Entwicklern, da sich zunehmend Widerstand gegen seinen Einsatz von KI bei der Entwicklung formierte. Jellyfin als Projekt hat klare Richtlinien für den Einsatz von KI. Als unterstützendes Werkzeug ist KI erlaubt, nicht jedoch als alleinige Quelle von Code oder Text. Die Verantwortung und das Verständnis müssen beim Menschen bleiben. Ob es diesbezüglich einen Zusammenhang mit den Abgängen von Boniface und Lavado gibt, ist nicht bekannt, liegt aber wegen der zeitlichen Nähe der Abgänge nahe. Andererseits sind Generationswechsel bei Open-Source-Projekten nichts Außergewöhnliches.
Unsere besten Wünsche für das Projekt
Trotz der Häufung der Abgänge in wichtigen Positionen soll Jellyfin nicht führungslos dastehen: Ein breiteres Team erfahrener Mitwirkender soll laut Boniface die Arbeit fortführen, Server, Apps und Repositories sollen weiter gepflegt werden. Noch ist nicht bekannt, in wessen Händen die Weiterentwicklung des äußerst beliebten Media-Servers künftig liegen wird. Wir sind gespannt, wie es für das Projekt weitergeht, und hoffen auf eine nahtlose Fortführung der Entwicklung.

Sehr gut zusammengefasst! Nach all den spekulativen und teilweise ziemlich clickbaitigen Artikeln zu dem Thema ist das hier echt schön geschrieben!
Zumal es mit Jellyfin ja auch weiterzugehen scheint ;’)
https://github.com/jellyfin/jellyfin-meta/blob/master/jellyfin-team.md
Ich finde es schön zu sehen, wie viel positives Feedback über Jellyfin hierdurch wieder nach oben kommt. Das ist bei Open-Source-Projekten ja leider immer seltener geworden. Darüber freuen sich bestimmt auch die verbliebenen Teammitglieder von Jellyfin.
Super Projekt, wenn sie halt nur endlich mal den folder-view umsetzen würden…..
Offen seit 2019: https://features.jellyfin.org/posts/224/add-a-folder-view-to-libraries
Moin,
ich finde Jellyfin auch klasse. Es wäre sehr schade, wenn das Projekt darunter leiden würde.
Ich nutze Jellyfin mit OpenMediaVault zusammen als “Musik-Server”. So greife ich über ein WireGuard-VPN mit meinem Handy auf meinen privaten Musikserver zu und es funktioniert ziemlich gut.
VG
Welche App verwendest du als Frontend auf PC/Smartphone? Suche schon länger nach einer halbwegs brauchbaren Lösung für meine Musiksammlung. Nextcloud+Powerampache war nicht das Wahre. Und die ganze Sammlung aufs Smartphone kopieren ist wegen Speicherplatzmangel auch nicht möglich…
Ist zwar nicht Jellyfin aber ich hab mir für meine Musiksammlung Navidrome auf den Homeserver installiert. Ich selbst benutze Symphonium als Client aber da gibt es eine ganze Liste an möglichen Alternativen auf ihrer Webseite. Bin bisher sehr zufrieden damit.
Werd’ ich mir mal anschauen. Danke!
Moin,
Basis bei mir ist OpenMediaVault 8.5.x. Darin läuft Jellyfin 10.11.x in einem Container.
Mittels OMV stelle ich meine Musikddatenbank (ca. 10.000 Titel im Flac-Format) als SMB-Freigaben für Kodi (in LibreElec) auf einen Intel-Nuc zur Verfügung. Der Intel-Nuc hängt an meiner “Hifi-Anlage” im Wohnzimmer.
Auf einem Notebook nutze ich den Webclient von Jellyfin. Teilweise nutzte ich auch die Desktop-App von Jellyfin auf dem Notebook. Im Prinzip habe ich aber noch keinen Unterschied zwischen der Desktop-App und dem Webclient bemerkt.
Auf einem Android-Tablet nutze ich Symfonium.
Auf einem iPhone nutze ich die App Manet. Manet nutzt ich, weil es ziemlich gut über Apple CarPlay mit dem “Autoradio” harmoniert.
VG
Für Jellyfin kann ich Finamp (Mobile) / Feishin (PC) sehr als Musik-Player empfehlen!
Moin,
Jellyfinn ist ein tolles Stück Software, ich hoffe die Entwicklung geht so weiter. Alles Gute für das Projekt!
Gruß
Definitiv! Ich hoffe auch, dass das alles so einvernehmlich und geordnet stattfindet, wie es dargestellt wird 🙂