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KDE-Debatte um LLM-Regeln geht in die nächste Runde

Die Diskussion um den Einsatz generativer KI bei KDE hat sich innerhalb weniger Tage deutlich zugespitzt. Erst gestern berichteten wir über den von KDE-Entwickler Nate Graham vorgelegten Entwurf für LLM-Richtlinien und die deutlich restriktivere Gegenposition des GNOME-Entwicklers Jordan Petridis. Mittlerweile hat Graham seinen ursprünglichen Vorschlag zurückgezogen und in einem ausführlichen Blogbeitrag den bisherigen Verlauf der Debatte eingeordnet. Gleichzeitig fordert die neu gegründete Initiative KDE for People ein vollständiges Verbot generativer KI innerhalb des KDE-Projekts.

Human in the Loop

Ausgangspunkt für Grahams Vorschlag waren nach seinen Angaben zunehmend von LLMs erzeugte Merge Requests, die den Maintainern zusätzliche Arbeit verursachen. Innerhalb von KDE habe grundsätzlich Einigkeit darüber bestanden, dass solche ungeprüften Beiträge unerwünscht seien. Weniger klar sei dagegen gewesen, mit welchen Regeln das Projekt darauf reagieren sollte. Grahams Entwurf setzte deshalb auf einen »Human in the Loop«-Ansatz: LLMs sollten als Werkzeug erlaubt bleiben, sofern Entwickler die erzeugten Ergebnisse verstehen, überprüfen und dafür selbst die Verantwortung übernehmen.

Diskussion gerät außer Kontrolle

Die Diskussion um den Vorschlag entwickelte sich jedoch schnell über dessen eigentlichen Gegenstand hinaus. Graham zufolge beteiligten sich schließlich auch Personen ohne erkennbare Verbindung zum KDE-Projekt und stritten über grundsätzliche ethische Fragen rund um KI. Nach persönlichen Angriffen wurden einzelne Teilnehmer gesperrt und die Diskussion zunächst auf KDE-Entwickler beschränkt. Schließlich wurde der gesamte Entwurf zurückgezogen beziehungsweise für die Öffentlichkeit gesperrt. Graham entschuldigt sich in seinem neuen Beitrag dafür, dass sein Versuch, restriktivere Regeln für LLM-Nutzung zu schaffen, letztlich eine derart heftige öffentliche Auseinandersetzung ausgelöst habe. Gleichzeitig zeigte er sich besorgt und sagte, er teile die Sorge anderer Menschen, was die Entwicklung von KI im Allgemeinen und die Handhabung im KDE-Projekt angehe.

Keine strategische Ausrichtung auf KI im Projekt

Dabei stellt er nochmals klar, dass der ursprüngliche Vorschlag gerade dazu gedacht gewesen sei, Maintainer vor massenhaft eingereichten, weitgehend automatisch erzeugten Änderungen zu schützen. Von einer strategischen Ausrichtung KDEs auf KI könne keine Rede sein. Auch die auf der Akademy in einem Vortrag vorgestellte Idee eines lovable, sovereign, AI-native KDE repräsentiert nach Grahams Einschätzung weder die allgemeine Richtung von KDE noch die von Plasma. Der entsprechende Vortrag und ein anschließender Workshop seien innerhalb der KDE-Community eher kühl aufgenommen worden.

Kein generelles Verbot

Graham macht gleichzeitig deutlich, dass er viele Kritikpunkte an LLMs teilt. Dazu zählt er neben der Belastung von Open-Source-Maintainern unter anderem ungeklärte Lizenzfragen bei generiertem Code, problematische Trainingsdaten sowie den hohen Ressourcenverbrauch der dafür benötigten Infrastruktur. Dennoch hält er LLMs grundsätzlich für Werkzeuge, die insbesondere erfahrenen Anwendern bei bestimmten Aufgaben Nutzen bringen könnten. Ein generelles Verbot lehnt er damit weiterhin ab.

Neuer Anlauf nicht ausgeschlossen

Einen neuen Richtlinienentwurf enthält Grahams Beitrag nicht. Er kündigt allerdings an, bei einem weiteren Versuch vorsichtiger vorgehen zu wollen. Sollte er selbst oder ein anderer KDE-Entwickler erneut Regeln vorschlagen, sollen diese vor allem unerfahrene und ungeprüfte LLM-Nutzung einschränken und Maintainern eine klare Grundlage geben, entsprechende Beiträge abzulehnen. Graham fordert gleichzeitig dazu auf, eine solche Diskussion nicht erneut zu einer allgemeinen Grundsatzdebatte über KI auszuweiten.

Sollte innerhalb von KDE kein Konsens zustande kommen, könnte letztlich auch eine Abstimmung folgen. In den Kommentaren zu seinem Beitrag bezeichnet Graham dies als möglichen Weg, sofern sich dabei eine deutliche Mehrheit abzeichne. Eine knappe Entscheidung würde er dagegen als Zeichen dafür betrachten, dass ein Vorschlag noch nicht ausreichend konsensfähig sei.

»KDE for People« fordert vollständiges Verbot

Parallel dazu hat sich mit »KDE for People« eine Initiative gebildet, die wesentlich weitergehende Konsequenzen fordert. Die Gruppe bezeichnet sich als Zusammenschluss von KDE-Anwendern und -Mitwirkenden und verlangt eine No-AI Policy für Plasma und andere KDE-Projekte. Generative KI soll demnach nicht nur bei Programmcode, sondern auch bei anderen Bestandteilen wie Grafiken, Dokumentation, Merge-Request-Beschreibungen, Fehlerberichten und Übersetzungen ausgeschlossen werden. Auch die weitere Normalisierung von Vibe Coding und KI-Themen innerhalb von KDE-Veranstaltungen und Community-Plattformen wird kritisch gesehen.

Die Initiatoren begründen ihre Forderung nicht nur mit der Qualität automatisch erzeugter Beiträge. Sie führen auch ethische und ökologische Probleme sowie den Umgang mit den Werken anderer Entwickler und Autoren als Argumente gegen generative KI an. Damit geht die Initiative deutlich über Grahams ursprüngliche Zielsetzung hinaus, vor allem qualitativ schlechte und ungeprüfte LLM-Beiträge aus KDE-Projekten herauszuhalten.

Kritisch bewertet

Graham bewertet die Initiative kritisch. Nach seiner Darstellung stammen fast alle bisherigen Unterstützer nicht aus dem Kreis der ihm bekannten Beitragenden zu KDE. In seinem ursprünglichen Blogtext bezeichnete er die Aktion zunächst als Versuch, KDE durch eine Kampagne zu einem Verbot von LLMs zu bewegen. Er betont dabei, dass die Interessen der Anwender für KDE wichtig seien, letztlich aber diejenigen, die die Entwicklungsarbeit leisten, über praktikable Regeln entscheiden müssten.

Keine Klärung in Sicht

Damit ist die Frage nach dem Umgang mit generativer KI bei KDE weiterhin offen. Der ursprüngliche Richtlinienentwurf ist vorerst vom Tisch, ein neuer Anlauf für Regeln zur LLM-Nutzung aber ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig wächst außerhalb des eigentlichen Entwicklerkreises der Druck auf KDE, deutlich weiterzugehen und generative KI grundsätzlich aus dem Projekt auszuschließen. Eine offizielle KDE-Position gibt es bislang weder in die eine noch in die andere Richtung.

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