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Linux-Kernel: Kennzeichnungspflicht für KI-generierten Code soll entfallen

Die Linux-Kernel-Entwickler wollen die verpflichtende Kennzeichnung von Code, der mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurde, wieder abschaffen. Darauf verständigten sich die Teilnehmer des diesjährigen Maintainers Summit. Ein entsprechender Patch liegt bereits in einer überarbeiteten Fassung vor. Die Verantwortung für eingereichten Code bleibt aber weiterhin bei den Entwicklern.

Kennzeichnungspflicht

Erst vor wenigen Monaten hatten die Entwickler mit dem sogenannten Assisted-by-Tag eine Kennzeichnung für Beiträge eingeführt, die unter Beteiligung von KI-Werkzeugen entstanden sind. Ein entsprechender Eintrag in der Commit-Nachricht sollte transparent machen, wenn Large Language Models (LLMs) bei der Entwicklung zum Einsatz kamen. Zuletzt genügte dafür die Angabe Assisted-by: LLM.

Damit könnte nun wieder Schluss sein. Am 9. Oktober reichte Kernel-Entwickler Sasha Levin einen Patch ein, der die entsprechenden Vorgaben aus der Kernel-Dokumentation entfernt. Auch die Prüfung des Tags durch das Skript checkpatch.pl soll entfallen.

Kennzeichnung hat ihren Zweck verfehlt

Die Begründung lieferte Levin am 13. Oktober in einer überarbeiteten Fassung des Patches nach. Von 18.533 regulären Commits in Linux 7.3 bis einschließlich -rc7 tragen demnach lediglich rund zehn Prozent einen Assisted-by-Tag. Tatsächlich sei die Nutzung von KI-Werkzeugen aber wesentlich weiter verbreitet.

Einige Entwickler kennen die Kennzeichnungspflicht nicht, andere ignorieren sie bewusst. Gleichzeitig fragen Maintainer nur selten nach, wenn der entsprechende Hinweis fehlt. Damit hat der Tag seinen ursprünglichen Zweck verfehlt: Aus seinem Fehlen kann nicht geschlossen werden, dass ein Beitrag ohne KI-Unterstützung entstanden ist.

Die Teilnehmer des Maintainers Summit standen deshalb vor der Wahl, die Kennzeichnung konsequenter durchzusetzen oder ganz darauf zu verzichten. Eine deutliche, wenn auch nicht einstimmige Mehrheit sprach sich für die Abschaffung aus. Auch Greg Kroah-Hartman, der sich noch im Juli für die Beibehaltung eingesetzt hatte, unterstützt mittlerweile diesen Schritt.

Transparenz weiterhin erwünscht

Ein Freibrief für ungeprüften KI-Code ist die Entscheidung allerdings nicht. Die Kernel-Dokumentation fordert weiterhin einen transparenten Umgang mit KI‑Werkzeugen. Informationen darüber, wie diese bei der Entwicklung eingesetzt wurden, sollen künftig gegebenenfalls im Begleitschreiben eines Patches erläutert werden. Dort lassen sich die verwendeten Werkzeuge und ihr Beitrag wesentlich genauer beschreiben als mit einem standardisierten Tag.

Unverändert gelten außerdem die Regeln des Developer Certificate of Origin (DCO). Wer einen Patch mit seinem Signed-off-by-Tag versieht, übernimmt die Verantwortung für den eingereichten Code, unabhängig davon, ob dieser von Hand geschrieben oder mithilfe eines Sprachmodells erstellt wurde.

Auch Linus Torvalds steht zusätzlichen Vorschriften für KI-generierten Code skeptisch gegenüber. Entscheidend sei, dass Entwickler verstehen, was sie zum Kernel beitragen. Ähnlich äußerte sich Greg Kroah-Hartman, der LLMs als Werkzeuge zur Mustererkennung betrachtet und deren Einsatz bei der Programmierung grundsätzlich nicht ablehnt.

Wandel im Umgang mit KI

Der Vorstoß von Sasha Levin verdeutlicht einen Wandel im Umgang mit KI innerhalb der Kernel-Entwicklung. Während zunächst die Nachvollziehbarkeit des Werkzeugeinsatzes im Vordergrund stand, rücken nun die Qualität des eingereichten Codes und die persönliche Verantwortung der Entwickler stärker in den Fokus. Ob der Verzicht auf die Kennzeichnung die Transparenz verbessert oder weiter reduziert, bleibt allerdings umstritten.

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