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Neuer NTFS-Treiber im Kernel gefährdet

Erst dauerte es ewig, bis der NTFS3-Treiber der Firma Paragon Software für die Aufnahme in den Mainline-Kernel bereit war, jetzt ist er nach etwas über einem Jahr unter Umständen schon wieder auf dem Weg nach draußen.

26 Revisionen

Dass es lange dauerte, lag zum Teil daran, dass der erste, von den Paragon-Entwicklern eingereichte Patch den gesamten Treiber mit 27.000 Zeilen umfasste und das Review somit abgelehnt wurde. Danach brauchte es nochmals 26 Revisionen, bis an eine Aufnahme gedacht werden konnte. Diese fand schließlich mit Linux 5.15 statt, nachdem sich die Entwickler bereit erklärt hatten, den Code auch in Zukunft zu pflegen.

Hi Linus! Great to hear your feedback and clarifications on our ntfs3 code. Greatly appreciated. From our side, we can confirm that we will be maintaining this implementation.

Konstantin Komarov, Paragon

Abgetaucht

Das ist bisher offensichtlich nicht passiert, sodass sich Linus Torvalds nun in eine Diskussion über den vernachlässigten Treiber einbrachte. Konstantin Komarov reagiert seit Ende letzten Jahres nicht auf Anfragen und Angebote, bei der Betreuung des Treibers zu helfen. Kernel-Dev Kari Argillander, der dieses Angebot machte, würde die Betreuung auch übernehmen, wenn sich Komarov nicht mehr meldet. Die Erwägung, dass das Schweigen mit dem Krieg in der Ukraine zu tun haben könnte, wurde wieder verworfen, da Komarov bereits lange vor dem Beginn des Kriegs nicht mehr erreichbar war.

Übernahme oder raus

Torvalds sieht nun zwei mögliche Szenarien: Er erlaubt die Pflege des Treibers ohne Komarovs Zustimmung durch andere Kernel-Entwickler, wozu er offenbar bereit ist. Sollte das nicht gelingen, plädiert er für die Entfernung des Treibers aus dem Kernel. Das wäre ein Rückschritt für Anwender, die auf NTFS zugreifen müssen und endlich einen performanten Treiber im Kernel haben, der besser als der alte ungepflegte NTFS-Treiber von 2001 oder die FUSE-Variante NTFS-3G ist.

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31 Kommentare

  1. Was ich nicht verstehe:
    Warum gibt es nur eine freie FUSE-Implementierung? Hätte man nicht direkt einen für den Kernel schreiben können bzw. kann man den für FUSE nicht mit etwas Codeanpassung auf den Kernel übertragen?
    Mit Programmieren kennen ich mich aber auch nicht aus. Für Antworten wäre ich dankbar.

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    1. Der NTFS-Code war evtl Patent-behaftet und man hatte auch Bedenken das Microsoft noch andere Probleme macht. (Erst seit zwei, drei Jahren hat MS sein offizielles Okay für NTFS im Linux-Kernel gegeben.)
      Siehe auch: https://heise.de/-6183326

      Warum NTFS-3G aber okay trotz Patente war, habe ich nie verstanden, vermutlich war der Code nicht direkt im Kernel.

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  2. Das sinnvollste dürfte sein, einfach mal bei Paragon Software anzufragen, was mit dem entsprechenden Mitarbeiter los ist oder ob es einen anderen Mitarbeiter von Paragon gibt, der sich dem NTFS Treiber annehmen will.Immerhin wurde das Versprechen den Treiber zu pflegen ja von einer Paragon E-Mail aus gegeben.

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      1. Dann scheint das wohl nur eine sehr kleine Bude zu sein, anders als die Unternehmensform GmBH und der Name suggeriert, wenn der betreffende Mitarbeiter der CEO ist und nIemand dort erreichbar ist.

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        1. Wieso suggeriert eine GmBH eine gewisse Größe?
          In einer GmBH in der ich gearbeitet habe waren es vier Mitarbeiter, das ist ganz normal.

          Ansonsten laut Wikipedia 20 MA (Stand 2018), alles ganz normal.

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    1. Was für ein Dunnfug. Diu scheinst nicht zu wissen, wie viele Filesysteme im Kernel supported sind, die nach Deiner Meinung da auch nix zu suchen hätten. Und NTFS ist ein robustes Filesystem und für den Transfer großer Files zwischen beiden OS Welten gibts fas nichts besseres.

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            1. Möchtest du vielleicht einmal eine Suchmaschine bemühen, dann geht dir hoffentlich auf, wem du hier etwas absprechen möchtest. Und warum fühlst du dich eigentlich von allen, die nicht deine Positionen teilen, angegriffen und beleidigt?

              Und außerdem wieder diese böse Smartphone-Autokorrektur, Schenkelklopfer.

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  3. Der geringen Rest-Reputation von Russen wird dieses Verhalten sicherlich nicht zuträglich sein.

    Interessant ist auch die angegebene E-Mail-Adresse des nicht mehr erreichbaren Entwicklers:

    Konstantin Komarov <almaz.alexandrovich@paragon-software.com>

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    1. Was soll das? Plötzlich einen schlechteren Ruf (oder überhaupt einen schlechten Ruf) können Russen (im Allgemeinen) doch nur bei geistigen Tieffliegern haben. Und im speziellen Fall haben wir doch absolut keine Ahnung, woran die Funkstille liegt, oder? Also täte ein bisschen Zurückhaltung doch ganz gut!

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      1. Vorallem hat die Firma ihren Sitz in Deutschland.

        Paragon Technologie GmbH
        Systemprogrammierung
        Leo-Wohleb-Straße 8
        79098 Freiburg, Germany
        Geschäftsführer: Konstantin Komarov
        Registergericht: Amtsgericht Freiburg
        Registernummer: HRB 300575
        Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
        gemäß § 27 a Umsatzsteuergesetz: DE-193384581

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      2. Bitte dämpfe deine (vermutlich propagandagesteuerte) Russo-Phobie!

        Ich habe mit Paragon nichts zu schaffen, aber ich beobachte und verwende Software dieser Firma, habe die Ankündigung dieses Treibers von Paragon gelesen und mir bereits damals gedacht, dass es so kommt und beabsichtigt ist. Und zwar aus Folgendem:

        • Einen NTFS-Treiber für Linux von Paragon gibt es schon ganz, ganz lange als kommezielles Produkt. Paragon hat nie Anstalten gemacht, das irgendwie Open Source zu machen oder in den Kernel zu bringen. Es wurden regelmäßig neue Versionen veröffentlicht. Was darauf hindeutet, dass es sich gelohnt haben muss, das zu machen.
        • Paragon hat ausdrücklich betont, dass der veröffentlichte Treiber nichts mit ihrem Produkt zu tun hat, eine Neuentwicklung ist, sich davon sich grundsätzlich unterscheidet, und dass sie ihren Treiber weiterhin kommerziell anbieten werden.

        Meiner Meinung bedeutet das folgendes:
        Es gibt einen unbekannten Auftraggeber, der Paragon damit beauftragt hat, einen solchen Treiber zu entwickeln und den Kernel zu bringen. Der hat ein Angebot gemacht, weil Paragon offensichtlich bereits Erfahrung mit NTFS-Treibern in Linux hat. Das Angebot muss so gut gewesen sein, dass Paragon trotz der Desavouierung ihres Geschäftsmodells es nicht ablehnen konnte. Aber es war nicht auf Dauer angelegt, daher hat Paragon sein Produkt beibehalten und macht, jetzt da kein Geld mehr fließt, vermutlich das weiter, was sie schon immer gemacht haben.

        Das der CEO sich nun tot stellt, ist nun wirklich nicht die feine Art. Aber offensichtlich möchte er Nachfragen vermeiden.

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  4. das “lustige” ist wohl, dass die paragon entwickler angeblich in russland sitzen und grad evtl geflohen sind oder eingezogen und deshalb keiner maintained.. gerüchtet es auf reddit.

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