UGreen NASync

UGreen mischt den Markt für NAS auf

Einen spektakulären Start auf Kickstarter hat der chinesische Hersteller UGreen mit seiner neuen NAS-Serie NASync hingelegt. Innerhalb von 12 Stunden wurden anstatt der veranschlagten 18.455 gut über 2,5 Millionen Euro zugesagt. Die Firma UGreen ist bereits lange mit Kabeln, Netzteilen, Docks, Hubs und Powerbanks im Markt etabliert und hat einen guten Namen. Neu ist lediglich die Hinwendung zu NAS-Systemen.

NASync

Die jetzt über Kickstarter finanzierte NAS-Reihe besteht aus sechs Geräten, die zwischen zwei und acht Einschüben für Festplatten bieten. Hinzu kommt ein 4-Bay NAS, das lediglich NVMe aufnimmt. Die Geräte für herkömmliche Festplatten bieten zusätzlich zwei M.2-Slots für NVMe zum Cachen.

Intel Pentium 8505 Gold

Neben dem reinen NVMe-NAS DXP480 T Plus für 479 Euro, das im Endausbau mit TByte-NVMe derzeit noch zu teuer erscheint, halte ich das NASync DXP4800 Plus für interessant. Es bietet vier Einschübe für Festplatten in den Formaten 2,5″ und 3.5″ und zwei M.2-Slots im Format 2280 für NVMe SSDs. Die SSDs können als Cache oder Storage definiert werden. Dadurch wäre es denkbar, ein System mit lediglich zwei SSDs als Storage aufzubauen.

Als CPU ist der 5-Kern Prozessor Intel Pentium 8505 Gold verbaut, gestützt von einem 8 GByte DDR5 RAM-Riegel mit 4.800 MHz Taktung in einem von zwei Steckplätzen, erweiterbar auf 64 GByte. Eine mitgelieferte 128 GByte NVMe nimmt das Betriebssystem auf.

Anschlüsse satt

Bei den Anschlüssen ist ein voll angebundener 10 Gbit Ethernet-Port für die Netzanbindung zuständig. Daneben gibt es einen zweiten Ethernet-Port mit 2,5 Gbit, 2x USB 3.2, 2x USB 2.0, 1x USB-C, 1x HDMI und einen SD-Kartenleser. Die Variante auf NVMe-Basis bietet nebenbei auch WLAN. Die NASync mit 6 und 8 Einschüben verfügen zudem jeweils über zwei Thunderbolt4-Anschlüsse.

Debian-basiertes Betriebssystem

Das Betriebssystem heißt UGOS (UGreen OS) und basiert auf Debian. Während die Hardware fertig ist, befindet sich die Software derzeit noch in einem nur wenig nutzbaren Zustand und Apps gibt es bisher kaum. Das Paketformat ist an DEB angelehnt, eigene Repositories enthalten die Software. Ein Tester konnte die Repositories gegen die von Debian austauschen. Da sich das Unternehmen noch nie mit der Erstellung eines Betriebssystems beschäftigt hat, ist der Ausgang hier offen. Als RAID-Level werden JBOD, RAID 0, RAID 5, RAID 6 und RAID 10 unterstützt. Die Unterstützung für Docker und VMs fehlt derzeit noch. Ziel ist jedoch ein Betriebssystem, dass sich an die Funktionalität der Konkurrenz anlehnt. Eine funktionierende App für Android und iOS ist bereits verfügbar, eine App für Smart-TVs soll folgen.

Wahl der NAS-Software erschwert

Allerdings kann man die Geräte der NASync-Reihe auch mit einem beliebigen anderen NAS-System wie OpenMediaVault, Unraid oder TrueNAS betreiben. Das scheint der Hersteller allerdings erschweren zu wollen, vermutlich weil er seine Cloud vermarkten möchte. Um an die interne NVMe zu gelangen, muss man ein Siegel brechen, wonach die Garantie erlischt. Auch ins BIOS gelangt man erst nach Entfernung der System-NVMe. An anderer Stelle ist zu lesen, dass UGreen auf Nachfrage eines Reviewers mitteilte, dass die 2-jährige Garantie künftig auch bei Nutzung eines anderen Betriebssystems erhalten bleiben soll.

Die Hardware wird von einigen YouTubern als für den Preis sehr hochwertig eingeschätzt. Vor allem, da laut Kickstarter Versand und Steuern inklusive sind. Die derzeit verlangten 388 Euro liegen um 40 % unter dem später anvisierten Preis von rund 650 Euro. Das einzig zu bemängelnde Detail bei der Hardware ist ein 140 mm Lüfter, der beim Einsatz im Wohnzimmer gegen ein leiseres Modell ausgetauscht werden sollte.

Der Konkurrenz voraus

Vergleicht man etwa das Angebot der DS423+ vom Konkurrenten Synology, die preislich bei etwas über 600 Euro liegt, so erhält man dort weit weniger Leistung bei CPU, RAM und Storage sowie den Anschlussmöglichkeiten. UGreen versucht hier, mit guter Hardware-Qualität und vergleichsweise günstigen Preisen Marktanteile zu erringen. Mich freut es, denn wer jetzt ein NAS sucht, profitiert davon. Meine Order für das DXP480 Plus ging heute Morgen raus, die Lieferung ist für Juni 2024 avisiert. Dann wird das DXP480 Plus ein in die Jahre gekommenes QNAP TS 251A ersetzen. Das Risiko der Schwarmfinanzierung sehe ich bei UGreen als etabliertem Player als relativ gering an.

Wer mehr zu den technischen Details und der Performance der Geräte erfahren möchte, dem empfehle ich die YouTube-Videos von Dennis Schröder zum DXP480 T Plus und zum DXP480 Plus.

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12 Kommentare

  1. Einen ersten Eindruck vermitteln die GeekFreaks auf YouTube. SSH on boot, an welche Nachricht der letzten Tage erinnert mich das nur? Ich bin weder ein ausgemachter QNAP noch ein Synology Fan und freue mich auf gute Alternativen, mal sehen was Stefan und Ferdinand in diesem Punkt feststellen!

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  2. Danke für den Artikel.

    Momentan werden ja die UGREEN NAS Systeme im WWW gehypt, wie sonst was. Erstmal die Idee, sowas per Crowdfunding zu machen, hat schon was. Die Idee dahinter finde ich richtig gut. In wie weit dann die Erwartungen auch dem entsprechen, wird sich zeigen.

    UGREEN als Marke kenne ich und habe von denen auch schon allerhand Sachen gekauft. Bisher hatte ich nichts zu meckern, Preis/Leistung ist nach meiner Einschätzung super.

    Da kann man nur hoffen, das das Cloud Geraffel optional bleibt und man sein eigenes OS drauf pappen kann. Da ist mein Favorit bisher TerraMaster.

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  3. Mit dieser Hardware und der Möglichkeit Debian darauf zu installieren wirken die Dinger schon sehr einladend. Leider kann man bei Kickstarter nur zwischen Germany und United States wählen, was es für mich schwierig macht…

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  4. Interessant, aber es ist mindestens zu gleichen Teilen auch die Software, welche den Erfolg der QNAP & Synology Produkte ausmachen. Auf die weiteren Services verzichte ich, kann daher nicht mitreden. Konkurrenz belebt das Geschäft, attraktiv sind die Ugreen Geräte ja!

    Meiner Erfahrung nach sind viele Produkte einfach in Summe überflüssig, da die Hersteller (z.B. Zyxel oder WD) einfach die nicht genügend Sorgfalt an den Tag legen und über den Preis in den Markt wollen. Über Crowdfunding in diesen Markt einzusteigen spricht ein wenig die gleiche Sprache.

    Ich bin gespannt auf Eure Berichte!

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    1. Ich gehe mal davon aus, dass für das Betriebssystem die Funktionalität der Konkurrenz gespiegelt wird. Sollte eigentlich gelingen. Ich finde hauptsächlich die Hardware bemerkenswert und für mich eine gute Performancesteigerung gegenüber meinem QNAP, was eigentlich nur per Plex den Smart-TV befeuert und dabei des Öfteren mal ins Stottern kommt. Eigentlich wollte ich diese Funktionalität auf meinen Unraid-Server auslagern, aber mit dem UGreen NAS finde ich es praktischer. Auch dort wird Unraid drauf laufen.

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    2. Für mich geht es hier nicht um die UGreen Software. Wie auch schon in einigen Testberichten erwähnt, ist die etwas Alpha. Ich bestelle das Teil hauptsächlich als “fertige Hardware-Schachtel”, anstatt mein NAS selbst zu bauen.

      Auf meiner Softwaretestliste stehen bisher:

      • TrueNAS
      • OpenMediaVault
      • Debian nackt
      • Xpenology (Synology DSM auf anderer Hardware)
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        1. Die Phone Apps sollen bereits richtig gut sein. Am Desktop fehlt wohl noch sehr viel. Ich werde UGOS testen, wenn das Gerät hoffentlich im Juni kommt, da ich einen Artikel für den LinuxUser verfasse. Da muss das eh mit rein. Ich werde dann vermutlich danach für den Test auch Unraid draufmachen. Wichtig wäre, dass die bei UGreen UGOS auch als ISO bereitstellen, sodass man das bei Bedarf wieder drauf bekommt.

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    1. Und wo, bei UGreen auf der seite hab ich’s nicht gefunden.
      Mich wuerden die Preise mal interessieren.

      Ansonsten laufen meine NAS schon unter Debian. Zur Zeit nutze ich noch ein paar Zyxel, die sollen ersetzt werden.

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