Unraid

Unraid Home-Server aufgebaut

Ich hatte kürzlich in einem Artikel darüber nachgedacht, Proxmox teilweise durch Unraid zu ersetzen und kurz die Installation beschrieben. Gestern habe ich Unraid produktiv auf einem neu gebauten Home-Server in Betrieb genommen.

Die Hardware

Den Server habe ich selbst konzipiert und gebaut. Dazu kamen folgende Teile zum Einsatz:

Der Aufbau

Das Gehäuse ist für bis zu 8 × 3,5″ und 4 × 2,5″ Festplatten ausgelegt und kommt bereits mit drei 120 mm Lüftern (1 x vorne, 2 x hinten) ins Haus. Aus Erfahrung hatte ich befürchtet, dass ich die Lüfter gegen leisere Exemplare würde austauschen müssen, war jedoch positiv überrascht, dass das System unhörbar ist, obwohl es ~ 1 m von mir entfernt auf ~ 1 m Höhe steht. Der Zusammenbau war etwas fummelig wegen der reduzierten Größe des Mainboards, trotzdem klappte alles auf Anhieb. Das modulare Kabelmanagement des Netzteils war dabei ein Riesenvorteil.

Installation und Inbetriebnahme

Die Installation habe ich ja bereits beschrieben. Diese ist unspektakulär, wenn auch nicht ganz Linux-like. Zumindest sollten die Informationen, wie man Unraid bootbar auf den USB-Stick bekommt, offiziell in der Dokumentation stehen anstatt versteckt in einem Foren-Thread als Anfrage eines Users. Nach rund drei Wochen Testphase auf einem schwächeren Rechner ist das aber auch schon alles, was ich bisher zu kritisieren habe. Dass das Unternehmen Lime Technology, Inc. in der für mich derzeit ausreichenden Basisvariante 56 US-Dollar für eine lebenslange Lizenz haben möchte, stellt für mich kein Problem dar, auch Entwickler müssen essen und es muss nicht immer alles umsonst sein.

Als eingefleischter Linuxer muss man halt ein wenig Pragmatismus mitbringen, da hier, anders als bei Proxmox, keine Open-Source-Taktik zum Tragen kommt. Positiv dagegen: Unraid ist nicht auf einen Lizenzserver angewiesen. Man kann das Produkt also auch weiterbetreiben, wenn die Firma nicht mehr existieren sollte. Die Anbindung von Produkten an einen Lizenzserver hat sich ja gerade erst bei den Hipster-Bikes von VanMoof als fatal erwiesen.

Das Webinterface

Also habe ich mir nach dem ersten Hochfahren ins Webinterface zunächst eine Lizenz erworben und dann geschaut, wie es mit der Hardware-Erkennung aussieht. Die drei HDDS uns die NVMe waren aufgelistet. Unraid nutzt auf den Datenplatten XFS als Dateisystem und auf der NVME fürs Caching kommt Btrfs zum Einsatz. Die Formatierung für alle Platten wirds über einen Schalter im Main-Tab übernommen. Danach weist man die Platten einem Array zu.

In meinem Fall zwei HDDs für die Daten und eine für die Parity. Damit lässt sich eine der beiden Platten nach einem Ausfall auf einer neuen HDD wieder herstellen. Fallen beide gleichzeitig aus, sieht es schlecht aus. Um das abzusichern, benötigt das System eine zweite Parity-Platte. Diese Platten müssen mindestens so groß sein, wie die größte Platte im Array. Im Gegensatz zu einem üblichen RAID können die bis zu 24 Datenplatten aber völlig unterschiedliche Kapazitäten haben.

Die Daten, die bei der Nutzung zunächst im Cache, also auf der NVMe landen, werden standardmäßig nachts von dort auf die HDDs geschoben. In den nächsten Tagen und Wochen geht es nun an die Installation einiger der annähernd 2.000 Docker-Dienste und über 150 Plug-ins. Docker Compose kann als Plug-in eingebunden werden und erlaubt die Bereitstellung von Diensten über eigene YAML-Dateien.

Die nächsten Schritte

Die Handhabung Virtueller Maschinen werde ich ebenfalls testen, produktiv bleibe ich aber damit vermutlich auf dem kleinen Proxmox-Server. Dann sind noch verschiedene Shares einzubinden, damit ich auch aus dem Dateimanager auf die Daten zugreifen kann. Darüber schreibe ich dann später einen gesonderten Artikel. Mein derzeitiger Eindruck ist der eines sehr vielseitigen und gut gepflegten Systems. Wir werden sehen, ob das so bleibt.

Edit: Wie ich eben sehen durfte, kann man Home-Server auch viel weniger erfolgreich aufbauen als das mir geglückt ist. Dabei hat Kollege Jeff wesentlich mehr Ahnung von Hardware als ich.

Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

20 Kommentare

  1. Ich bin weit weg von Spezialist, frage mich aber, warum OMV noch nicht gefallen ist.
    Ich nutze OMV seit vielen Jahren für mein Familien NAS mit TvH, in Verbindung mit CoreELEC als Client. Wobei der TvH durch einen DD OctopusNET SAT-IP gefüttert wird.
    Was unterscheidet Promox und Unraid von OMV? Container laufen bei OMV genauso (gibt unzählige), RAID ind verschiedenen Facetten (Levels), … WebGUI, …

    0
  2. Aus Deiner Stückliste und dem Screenshot geht hervor, dass Du HDDs mit SMR einsetzt.
    Hast Du dies bewusst gemacht, weil es technisch nicht mehr relevant ist? Ich kenne es noch so, dass man SMR in einem NAS vermeidet – bei Unraid zumindest als Parity Device.
    Oder ist dies für Deinen geplanten Einsatzzweck irrelevant?

    Ich persönlich würde die SSD als Docker Laufwerk verwenden anstatt als Write Cache.

    0
    1. Derzeit nutze ich einen Kingston Data Traveler. Beim Test hatte ich zunächst einen Platinum, der verweigert wurde und habe dann bei Roßmann einen Store.it für ~ 5€ gekauft, der dann ging. Es muss also nicht teuer sein. Das Problem ist, dass manche Sticks nur eine einzige GUID haben anstatt eine andere für jedxen Stick. Wenn also schon jemand einen Stick deiner Marke registriert hat, hast du Pech. Zudem ist noch wichtig, dass der Stick nicht größer als 32 GB ist (8 GB reichen allemal aus) und an einem USB-2-Port betrieben wird.

      1
      1. Vielen Dank für deine Rückmeldung. Das ist natürlich unschön, mit der GUID. Ich will nicht sagen Murks, aber weil du dann probieren musst, welcher USB Stick passend ist. Wenn ich da erst x Sticks durchprobieren muss, bis einer ok ist, dann ist die Sache für mich schon durch.

        Unraid ist sicherlich ein tolles Konzept, aber solche Punkte halten mich vom Einsatz ab. Da bleibe ich lieber bei Proxmox, Truenas Scale und fürn einfachen Storage Server tuts auch ein minimales Debian mit btrfs als Array und als Luxus, cockpit obendrauf.

        Trotzdem werde ich deine unraid Artikel hier weiter lesen, schon mal Danke im voraus.

        1
          1. So im Nachhinein betrachtet, bleibt dann auch Unraid nichts anderes übrig, als so zu verfahren.

            Alles, was irgendwie per Block/Partition/Volumen/Dateisystem vorliegt, lässt sich per dd auf lowlevel Ebene kopieren. Dann bleiben nur noch wenige Möglichkeiten übrig. Man muss ja auch nicht gleich den Weg per speziellen USB Stick aka Dongle gehen.

            Es ist auch alles eine Frage des Aufwandes/Managements. Für den Anwender muss das auch einfach zu händeln sein.

            0
    2. Hier liegt seit gut einem Jahr auch noch ein UnRaid USB Stick mit Lincense rum. Den hüte ich wie meinen Augapfel. Das Betriebssystem des Servers selbst wurde damals zwecks Cluster Erstellung durch Proxmox ersetzt. Nun habe ich den Unraid Stick falls ich mal wieder ein neues Projekt in die Richtung starten möchte. Soweit ich mich erinnern kann kann man seine Lizenz wenn der Stick kaput geht über die Webseite von lime tech auf einen anderen Stick übertragen.

      0
  3. Was vielleicht noch erwähnt werden sollte ist das die Lizenz lebenslang gilt und das es keine Online Aktivierung gibt oder irgend eine Onlinepflicht. Das NAS kann vollständig getrennt vom Internet betrieben werden.

    3
    1. Das mit der Lizenz habe ich reingenommen. Der Satz mit der Onlinepflicht ist so nicht ganz schlüssig, denn ohne Internet gibt es auch keine Updates. auch der erwerb der Lizenz benötigt Internet, den die Lizenz wird ja auf den USB-Stick übertragen. Das Thema muss ich aber für mich selbst noch erforschen, es sei denn, du hast eine schlüssigere Formulierung.

      0
      1. Ich weiß nicht. Ich würde es vielleicht so formulieren das Unraid keinen Lizenzserver benötigt um weiter zu funktionieren so das ein Betrieb auch dann noch gewährleistet ist wenn die Firma hinter Unraid nicht mehr existieren sollte.

        Leider muss man heutzutage sowas dazu sagen da es mehr als genug kommerzielle Software gibt die regelmäßig nach Hause telefoniert um die Lizenz zu überprüfen.

        1

Kommentar hinterlassen