Wayland

Wayland: »Every Frame is (not) Perfect«

Der Wayland-Protokollsammlung gehört zweifelsohne die Zukunft – X11 tritt in den nächsten Jahren mehr und mehr in den Hintergrund. Aber noch immer bildet Wayland nicht die gesamte Funktionalität von X11 ab. Dabei ist von Anfang an das Motto »Every Frame is Perfect« das Credo der Wayland-Entwickler gewesen. Jedes Pixel ist genau das, was es sein soll, wo es sein soll und wann es da sein soll – so wie es der Client diktiert.

In der vergangenen Woche konnte Wayland aber an zwei Stellen aufholen, die für viele Anwender essenziell sind. Die Rede ist von Screen Tearing und Fractional Scaling. Ersteres ist fürs Gaming wichtig, Letzteres besonders für die Skalierung auf HiDPI-Displays unerlässlich.

Etwas Tearing erlaubt

Wayland Protocols v1.30 weicht nun ein wenig vom Streben nach Perfektion ab und erlaubt Screen Tearing in einigen Anwendungsfällen. Dazu gehören Spiele und Zeichentablets, da mit etwas Tearing die Latenz zwischen Input und Darstellung vermindert werden kann. Das tearing control protocol v1 ermöglicht den Clients, anzugeben, ob ihre Inhalte für diese Art der Darstellung geeignet sind, wie KDE Entwickler Xaver Hugl schreibt. Eine tiefergehende technische Erläuterung lieferte er beim Einreichen des Protokolls.

Fractional Scaling

Auch Fractional Scaling erhält nach sieben Monaten in der Merge Queue sein eigenes Protokoll fractional-scale-v1. Das neue Protokoll dient Compositoren dazu, in Zusammenarbeit mit dem Protokoll wp-viewport fraktionale Skalen an Oberflächen zu übermitteln, um dort Skalierungsfaktoren wie etwa 125 %, 150 % und 175 % zu ermöglichen.

Code zur Unterstützung des neuen Protokolls liegt bereits für GNOME Mutter, KDE KWin, wlroots und andere Fenstermanager vor. Das Protokoll soll in den kommenden Tagen übernommen werden, wie Release Manager Simon Ser verlauten ließ.


Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

42 Kommentare

  1. Ich bin tatsächlich von vor 2 Monaten cinnamon (Kein Wayland) auf KDE umgestiegen (Welches ich eben mit Wayland nutze und nicht mit X11) und hatte ebenfalls den Eindruck das die Gamingleistung bei gleichbleibender Hardware deutlich besser ist unter Wayland als unter X11. Könnte jetzt nicht den Finger drauflegen, aber es fühlt sich alles irgendwie etwas flüssiger an.

    0
  2. Da streiten sich offensichtlich die Geister, mal auf ein ganz einfaches Lavel heruntergehoben, was oder warum sollte man darauf achten, ob die eigene Distribution mit Wayland oder alternativ auf den alten Standart x11 setzt. Zumal es ja auch Abspaltungen, oder Forks von bekannten Distributionen gibt wegen Wayland, mal als ganz einfachen Linux-Anwender gesehen?

    1
    1. Fedora und Ubuntu setzen standardmäßig auf Wayland. Das kannst du aber leicht umschalten. Letztlich sind es die Desktop-Umgebungen, die mehr oder weniger an Wayland angepasst sind. Bei GNOME und KDE (LXQt) ist das weit fortgeschritten, andere fangen gerade erst an (Xfce) oder haben noch nicht angefangen (Cinnamon). Dass es wegen Wayland Forks von Distributionen gibt, ist mir nicht bekannt. Lediglich der Fenstermanager i3 hat mit Sway eine Version explizit für Wayland. Wenn du keine Gründe hast, warum du Wayland bevorzugst, ist die Wahl zu diesem Zeitpunkt nebensächlich.

      1
    2. Ich glaube auch, das es Forks geben wird, denn nicht jeder will sich von Konzernen abhaenig machen. Da Wayland genau wie systemd zuviel in das system eingereift, bin ich sicher das es Distributionen ohne dem geben wird.

      0
        1. Tuxedo ist nunmal ein professionelles Unternehmen. Die Software muß da einfach laufen. Die bieten nicht ohne Grund kein Debilian mehr an. Wenn die Basis ein Betriebssystem von irgendwelchen langhaarigen Hobbyfricklern wäre, welches schon beim erscheinen hoffnungslos veraltet ist, wäre das ein Desaster. Ubuntu ist ein von Canonical, unter der Aufsicht von Mark professionell entwickeltes Betriebssystem, welches international anerkannte Standards setzt. Daher ist es auch zurecht besser und verbreiteter als Debilian.

          Aber es ist natürlich nicht alles schlecht. Debilian ist positiv anzurechnen, dass die mitlerweile den Paketmanager apt und das Paketformal deb von Ubuntu übernommen haben.

          0
              1. Das ist auch wichtig gut auszusehen!
                Ist wie mit manchen Sänger(in): Hauptsache sie sehen gut aus. Singen ist nicht so wichtig!
                Dafür gibt es ein tolles Format (ohne Werbung machen zu wollen): TVOG
                Da sehenbdie Juroren nicht wie die Talente aussehen. Es geht nur um das was sie können.
                Sorry für den OT Exkurs!

                0
  3. Ja es kristallisiert sich langsam heraus, das Wayland eher fuer spezielle Anwendungsfaelle da sein wird. Als “normaler” Nutzer im Business und im privaten Bereich ist das vollkommen uninteressant.
    Wayland ist da zu vollgestopft mit Sachen die man da eh nie benutzt.

    Das ist nat. meine persönl. Meinung dazu. Die Gamer wirds freuen. 🙂

    Ich hoffe das beide X11 und Wayland schön nebeneinander existieren können.

    0
    1. Das wird ganz sicher nicht passieren das die beiden eine friedliche Co. Existenz haben werden (wobei die sich ja nicht bekriegen). Das bindet zu viel Ressource und wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind Entwickler zu Wayland über gegangen und bei X.Org sind das zu wenige um die ganzen Missstände und Sicherheitslücken stopfen zu können.
      Ein vernünftiges Protokoll und gut ist. Alles andere macht keinen Sinn.
      Spieler sind für mich keine spezielle Anwendung. Ich sehe das nicht mit Wayland nur für spezielle Augaben …aber das ist auch nur meine persönliche Meinung.

      0
      1. Naja, man könnte X11 einschrumpfen und von dem Balast befreien, den man eben für spezielle Anwendungen (Gaming, Film, spez. Grafik) benötigt. Wer das braucht kann ja Wayland nehmen.
        So hat der Normalnutzer ein schönes kleines schnelles X11 und wer mehr braucht nimmt Wayland.
        Denn welcher Normalnutzer braucht NB an Fernseher anschliessen, oder Gaming Sachen, das ist unnötiger Balast.

        Natürlich wird dies nicht passieren, da Wayland ja von den Konzernen kommt und die werden es durchdrücken, egal wie. Haben sie ja schon ein paar mal gemacht.

        Das ist schade aber was solls.

        0
          1. Ja wahrscheinlich bin ich zu alt für den Scheiss. 😉 (Habe damals mit “LST Power Linux 1.8” angefangen. bin jetzt 59)
            Für mich gehören Gamer und Grafiker nicht zu den Normalnutzern.

            Für was braucht man bitte NB an TV anschliessen? Sehe da keinen wirklichen Sinn darin.
            Ebenso Geld ausgeben fürn ein Game, was ich nicht mal physisch als DVD besitze.
            Ergibt für mich keinen Sinn.

            Klar von Seiten der Hersteller isses die Goldgrube schlechthin. 🙂
            Und ne clevere Art Geld zu machen.

            0
            1. Wir sind nicht so weit auseinander (Alters technisch). Die Welt dreht sich weiter und vieles hat sich geändert und noch viel mehr ändert sich gerade. Gut und nicht gut, aber so ist es. Ich habe auch anders angefangen. Wird für UNS Zeit den Fortschritt zu akzeptieren 😂.

              0
            2. Mal ganz unabhängig möchte ich dich mal zur Selbstreflektion anregen. Vom Alter bist du zwar eher im Bereich meines Vaters, aber auch ihn konnte ich davon überzeugen, dass Computerspiele etwas Bereicherndes sind.

              Ich sehe dich ein bisschen auf einem Stand stehen bleiben, der nicht mehr den Tatsachen im Jahr 2022 entspricht.

              Und mit einem “gewaltsamen” Festhalten am X-Server tust du dir keinen Gefallen. Im besten Fall legst du dir nur selbst Steine in den Weg, im schlimmsten Fall fangen andere Leute an deiner Kompetenz als Softwareentwickler zu zweifeln.

              1
              1. Nee, ich sage ja nur, das man nicht auf das 20igste Rad was neu erfunden wurde sofort aufspringen muss und das ein abgepecktes schnelles X11 eine super Lösung wäre. Ich habe lange zu Zeiten der Codeoptimierung/minimalisierung gearbeitet. Ich fand es super, das man alles was für die Aufgabe unsinnig ist auch entfernt aus dem System. Leider macht das heute Keiner mehr, lieber erfindet er das Rad neu im 24sten Framework.

                Aber natürlich habt ihr Recht, nur mit dem Wort “Fortschritt” wäre ich etwas vorsichtiger.

                Ich denke nur, das man wieder ein globalgalaktisches Dingens baut, was die user anhaeniger macht. Linux stand mal für “Freiheit” aber scheinbar legt auch heute Keiner mehr wert darauf.

                schönen 1. Advent wünsche ich.

                0
                1. @uralrabo
                  “Ich fand es super, dass man alles was für die Aufgabe unsinnig ist auch entfernt aus dem System.”
                  Wayland ist zu zentral um bestimmte use-cases auszuschließen.
                  Eine Technik für die Darstellung auf dem Bildschirm muss auch alle Einsatz-Szenarien für den Bildschirm abdecken können.
                  In diesem Anspruch unterscheidet sich X11 auch wenig von Wayland.
                  Wahrscheinlich ist Hardware aber auch einfach zu erschwinglich und leistungsfähig geworden um die Software speziell auf ein spezielles Einsatzszenario herunter brechen zu müssen.

                  Auch einen schönen 1. Advent

                  1
            3. Spiele gehören zu der Königsdiziplin in Sachen Softwareentwicklung und einen besseren Benchmark für ein Betriebsystem wirst du wohl kaum finden. Also freu dich doch einfach mit, das Linux immer mehr Nutzer findet. Am Ende des Tages profitieren wir alle davon.

              0
        1. Von welchen Konzernen kommt denn Wayland? Und sind an der Entwicklung von X11 nicht auch Konzerne beteiligt?

          Ob man X11 jetzt so einfach von dem “Ballast” befreien kann, sei mal dahingestellt. Vielleicht finden sich ja ein paar Leute, die ebenfalls so ein abgespecktes X11 wollen und es dementsprechend entwickeln.
          Persönlich ist mir egal, ob bei mir Wayland oder X11 läuft (es ist X11), solange meine Graphik funktioniert, ich Videos gucken kann und auch mal zocken – wobei ich, denke ich, nicht in die Kategorie Gamer gehöre – also so halbprofessionell/ professionell betreibe ich das nicht und ich kann auch mit weniger als 120fps leben.

          Und weil du anderswo die Freiheit angesprochen hast… die gibt es in Linux ja weiterhin. Nimm doch X11, wenn du Wayland nicht magst.
          Ich habe mich auch gegen systemd entschieden (auf dem Laptop mit Mint läuft aber auch das) – steht mir ja frei, und wenn eine Distribution das nicht anbietet, gibt es genug andere.

          Und ich stimme zu, dass man das Rad nicht immer neu erfinden muss. Aber manchmal lohnt es sich, das Rad zu überdenken. Holzräder am Auto bringen’s ja auch nicht mehr.

          0
          1. Entscheidend von Google und Microsoft, ohne die waere es nicht der Rede wert. Damit geht Microsofts neue Strategie gegeüber Konkurenten immer mehr auf.

            Dadurch haengte sich dann IBM mit suse und Redhat massiv rein. … Desweiteren gab und gibt es auch Projekte die einen anderen Weg gehen. Mal sehen was passiert.

            0
        2. Die Wayland-Entwickler haben sich bewusst gegen das Herumbasteln am X11-Protokoll entschieden. Wer Altlasten, Designschwächen und Sicherheitslücken haben möchte, kann einfach bei X11 bleiben. Alle anderen nehmen das von Grund auf neu entwickelte Wayland-Protokoll.

          2

Kommentar hinterlassen