Das Xfce-Team hat gerade bekannt gegeben, dass es den langjährigen Xfce-Entwickler Brian Tarricone aus Spendengeldern finanzieren werde, damit er einen neuen Wayland Compositor eigens für Xfce entwickelt, der auf den Namen Xfwl4 hört.
Eigener Wayland Compositor
Das Ziel ist, dass Xfwl4 so weit wie möglich und unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen X11 und Wayland, die gleiche Funktionalität wie Xfwm4, der Standard-Fenstermanager von XFCE, bieten soll. Die Verwendung von xfwl4 soll sich unter X11 genauso anfühlen wie die von xfwm4. Weiterhin sollen die bestehenden Konfigurationsdialoge und xfconf-Einstellungen von xfwm4 wiederverwendet werden, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
Rust und Smithay
Xfwl4 wird nicht auf dem bestehenden xfwm4-Code basieren. Stattdessen wird es von Grund auf in Rust unter Verwendung der Smithay-Bausteine geschrieben. Smithay ist eine in Rust geschriebene Bibliothek, die Bausteine zur Entwicklung eigener Wayland-Compositoren bereitstellt. Damit können Grundfunktionen von Wayland und den zugrundeliegenden Systembibliotheken ohne großen Aufwand erstellt werden. Die Compositoren von COSMIC und des Scrolling-Tiling-Compositors Niri wurden ebenfalls mit Smithey erstellt.
Warum keine Überarbeitung von xfwm4?
Es gab einen Versuch, den Code von xfwm4 so zu modifizieren, dass er sowohl X11 als auch Wayland unterstützt. Dies erwies sich jedoch aus mehreren Gründen als der falsche Weg.
- Xfwm4 ist so konzipiert, dass es sehr schwierig ist, das Fensterverwaltungsverhalten hinter generischen Schnittstellen zu platzieren, die keine X11-Besonderheiten enthalten.
- Das Refactoring von Xfwm4 ist riskant, da es neue Fehler in X11 einführen könnte. Zwei parallele Codebasen ermöglichen eine schnelle Entwicklung und das Experimentieren mit dem Wayland-Compositor, ohne das Risiko, xfwm4 zu beeinträchtigen.
- Einige X11-Fensterverwaltungskonzepte sind von den Wayland-Protokollen derzeit einfach nicht verfügbar oder werden nicht unterstützt, und der Umgang mit diesen Unterschieden kann in einer X11-zentrierten Codebasis schwierig sein.
- Die Verwendung der bestehenden Codebasis würde uns zwingen, C und wlroots zu verwenden, auch wenn eine bessere Alternative verfügbar wäre.
Weitere Aufgaben
Neben dem Ziel der Funktionsgleichheit mit xfwm4 umfasst der Projektumfang von xfwl4 auch einige weitere damit verbundene Aufgaben:
- Da unter Wayland der Compositor anstelle von xfce4-session das Stammverzeichnis der Sitzung sein muss, sind größere Änderungen am Sitzungsstart erforderlich.
- Die Unterstützung des xdg-session-management-Protokolls ist ein weiteres Ziel.
- Auch die Unterstützung für XWayland ist Teil des Entwicklungsplans.
- Das Build-System des Xfce CI-Containers muss aktualisiert werden, um das Kompilieren von Rust-Code über Meson zu unterstützen.
Erste Entwicklungsversionen von xfwl4 sollen bis Mitte des Jahres bereitstehen. Die Entwicklung kann auf GitLab verfolgt werden.

Niri ist aber ein Scrolling Window Manager und kein Tiling WM.
Ansonsten bin ich durchaus interessiert an dem Projekt. Rust und Smithay werden noch zu einer beliebten Grundlage. 👍
Ganz korrekt wäre »scrollable-tiling« WM.
Jetzt wäre nur noch interessant wann der verfügbar ist. 😉
Alpha-Zustand vermutlich im Sommer.
“XForms Common Environment” ohne X?
Muss das wirklich sein?
Vom Namen her würde ich sagen, bleibt mit Xfce bei X und fangt bei Wayland etwas Neues an.
Wassen Quatsch. Es ist ja auch schon ewig nicht mehr XForms sondern GTK.