Debian 11

Debian: Wahl des Projektleiters 2022

Wie jedes Jahr im beginnenden Frühling steht auch jetzt wieder die Wahl des Debian Project Leader (DPL) an. Der DPL, der das Projekt verwaltet und in der Öffentlichkeit vertritt, wird jeweils für ein Jahr gewählt, der Amtsinhaber kann für weitere Amtszeiten kandidieren. So geschehen auch in diesem Jahr. Die Kandidaten sind:

  • Jonathan Carter (Amtsinhaber)
  • Felix Lechner
  • Hideki Yamane

Um Sympathisanten um sich zu scharen, stellen die Kandidaten eine Wahlplattform ins Netz, in der sie sich vorstellen, ihre Ziele definieren und Lösungsansätze für bestehende Probleme ausarbeiten. Jonathan Carter strebt eine dritte Amtszeit an, während die beiden anderen Kandidaten erstmals antreten.

Jonathan Carter

Carter will sich in einer dritten Amtszeit vorwiegend um zwei Probleme kümmern. Er möchte Debian einen formalen Rahmen in Form einer Stiftung oder Ähnlichem geben. Damit sollen Schwierigkeiten beim Abschluss von Vereinbarungen mit externen Stellen und Probleme im Hinblick auf die persönliche rechtliche Haftung innerhalb des Projekts beseitigt werden. Sollte dies gelingen, denkt Carter an formelle Vereinbarungen mit den »Trusted Organizations«, also den Organisationen, mit denen Debian zusammenarbeitet.

Sein zweites großes Thema ist die unbefriedigende Situation um die Auslieferung und Aktualisierung von Firmware. Dies ist ein Dauerthema bei Debian, das immer mal wieder in kleinen Schritten angegangen wird. Auf der Agenda des DPL könnten hier größere Fortschritte erzielt werden. Darüber hinaus soll die Buchhaltung verbessert werden, sodass zu jedem Punkt klarer ist, über welche Mittel Debian gerade verfügt.

Felix Lechner

Lechner geht es in seiner Kampagne eher um die menschliche als um die technische Seite. Er hat sich »happiness and well-being« auf seinen Debian-Swirl geschrieben und beruft sich auf Werke des spirituellen Autors Eckhart Tolle. Er will ein stets und ständig ansprechbarer DPL sein und sich zudem um eine Verjüngung in Debians Altersstruktur kümmern. Dabei sollen ihm Erfahrungen aus der Verwaltung seines Heimatorts Fremont in Kalifornien helfen.

Hideki Yamane

Yamane erzählt uns zuerst, was er nicht gut kann: Englisch und Mediation, weshalb er sich, sollte er gewählt werden, wünscht, dass er auf Hilfe und Beistand von seinen Kollegen zählen kann. Seine wichtigsten Punkte sind notwendige infrastrukturelle Änderungen bei Web, Wiki, BTS und Repository. Ein reines Erhalten der Infrastruktur sei nicht genug, so Yamane.

Stressiger Nebenjob

Projektleiter bei Debian ist ein stressiger Job mit vielen Aufgaben und nicht allzu viel Verfügungsgewalt. Man kann den Job ein wenig mit dem unseres Bundespräsidenten vergleichen. Die Aufgaben bewegen sich zwischen Repräsentation nach außen und Verwaltungsaufgaben im Inneren. Hinzu kommt die Mediation bei den nicht seltenen hitzigen Disputen im Projekt. Da der Job meist neben der beruflichen Tätigkeit ausgeübt wird, muss dies mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden, der eine gewisse Freistellung gewähren kann.

Meist nur ein Jahr

Die meisten gewählten Kandidaten treten nach ihrem ersten Turnus nicht zur Wiederwahl an, einige streben eine zweite Amtszeit an und gewinnen die Wahl dann meist auch. Das ein Kandidat drei Amtszeiten absolviert, kam erst einmal vor. Der Italiener Stefano Zacchiroli bekleidete das Amt mit viel Schwung von 2010 bis 2013. Somit wäre Jonathan Carter, wenn er wiedergewählt würde, der zweite DPL, der dem Projekt drei Jahre in dieser Rolle dient. Eine Liste aller bisherigen DPLs findet sich in der Wikipedia.

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