Wie jedes Jahr im beginnenden Frühling steht auch jetzt wieder die Wahl des Debian Project Leader (DPL) an. Der DPL, der das Projekt verwaltet und in der Öffentlichkeit vertritt, wird jeweils für ein Jahr gewählt, der Amtsinhaber kann für weitere Amtszeiten kandidieren. So geschehen auch in diesem Jahr. Die Kandidaten sind:
- Jonathan Carter (Amtsinhaber)
- Felix Lechner
- Hideki Yamane
Um Sympathisanten um sich zu scharen, stellen die Kandidaten eine Wahlplattform ins Netz, in der sie sich vorstellen, ihre Ziele definieren und Lösungsansätze für bestehende Probleme ausarbeiten. Jonathan Carter strebt eine dritte Amtszeit an, während die beiden anderen Kandidaten erstmals antreten.
Jonathan Carter
Carter will sich in einer dritten Amtszeit vorwiegend um zwei Probleme kümmern. Er möchte Debian einen formalen Rahmen in Form einer Stiftung oder Ähnlichem geben. Damit sollen Schwierigkeiten beim Abschluss von Vereinbarungen mit externen Stellen und Probleme im Hinblick auf die persönliche rechtliche Haftung innerhalb des Projekts beseitigt werden. Sollte dies gelingen, denkt Carter an formelle Vereinbarungen mit den »Trusted Organizations«, also den Organisationen, mit denen Debian zusammenarbeitet.
Sein zweites großes Thema ist die unbefriedigende Situation um die Auslieferung und Aktualisierung von Firmware. Dies ist ein Dauerthema bei Debian, das immer mal wieder in kleinen Schritten angegangen wird. Auf der Agenda des DPL könnten hier größere Fortschritte erzielt werden. Darüber hinaus soll die Buchhaltung verbessert werden, sodass zu jedem Punkt klarer ist, über welche Mittel Debian gerade verfügt.
Felix Lechner
Lechner geht es in seiner Kampagne eher um die menschliche als um die technische Seite. Er hat sich »happiness and well-being« auf seinen Debian-Swirl geschrieben und beruft sich auf Werke des spirituellen Autors [wiki title=”Eckhart_Tolle”]Eckhart Tolle[/wiki]. Er will ein stets und ständig ansprechbarer DPL sein und sich zudem um eine Verjüngung in Debians Altersstruktur kümmern. Dabei sollen ihm Erfahrungen aus der Verwaltung seines Heimatorts Fremont in Kalifornien helfen.
Hideki Yamane
Yamane erzählt uns zuerst, was er nicht gut kann: Englisch und Mediation, weshalb er sich, sollte er gewählt werden, wünscht, dass er auf Hilfe und Beistand von seinen Kollegen zählen kann. Seine wichtigsten Punkte sind notwendige infrastrukturelle Änderungen bei Web, Wiki, BTS und Repository. Ein reines Erhalten der Infrastruktur sei nicht genug, so Yamane.
Stressiger Nebenjob
Projektleiter bei Debian ist ein stressiger Job mit vielen Aufgaben und nicht allzu viel Verfügungsgewalt. Man kann den Job ein wenig mit dem unseres Bundespräsidenten vergleichen. Die Aufgaben bewegen sich zwischen Repräsentation nach außen und Verwaltungsaufgaben im Inneren. Hinzu kommt die Mediation bei den nicht seltenen hitzigen Disputen im Projekt. Da der Job meist neben der beruflichen Tätigkeit ausgeübt wird, muss dies mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden, der eine gewisse Freistellung gewähren kann.
Meist nur ein Jahr
Die meisten gewählten Kandidaten treten nach ihrem ersten Turnus nicht zur Wiederwahl an, einige streben eine zweite Amtszeit an und gewinnen die Wahl dann meist auch. Das ein Kandidat drei Amtszeiten absolviert, kam erst einmal vor. Der Italiener Stefano Zacchiroli bekleidete das Amt mit viel Schwung von 2010 bis 2013. Somit wäre Jonathan Carter, wenn er wiedergewählt würde, der zweite DPL, der dem Projekt drei Jahre in dieser Rolle dient. Eine Liste aller bisherigen DPLs findet sich in der Wikipedia.

Ich hoffe doch sehr, dass der Japaner Hideki Yamane die Wahl gewinnt.
Als ich sein Vorstellungsgespräch laß, war ich zwar zuerst skeptisch ob er der richtige Mann ist, aber er will wenigstens bei bei der Infrastruktur etwas bewegen.
“Web, Wiki, BTS, repository, etc”
Ein Bugreportsystem das sich einfach und bequem per Webinterface mit einem Nutzernamen, ohne Zwang die E-Mail Adresse veröffentlichen zu müssen, nutzen lässt, fehlt nämlich schon lange.
Das Kommandozeilentool reportbug schützt die Daten meiner E-Mail Adresse nicht und für Anfänger ist das bestimmt deutlich komplizierter als ein Webinterface, wo man sich registriert und dann seine Bugreports melden kann.
Die anderen Kandidaten wollen in dieser Hinsicht GAR NICHTS verbessern.
Die Agenda von Felix Lechner wo er sagt:
wird nicht funktionieren.
Denn um mehr junge Leute zu bekommen muss so ein Bugreportsystem per Webinterface her. Von der jungen Generation will niemand E-Mails mit alten Kommandozeilentools schreiben, die dann noch die E-Mail Adresse überall öffentlich verteilen.
Und Jonathan Carter will zwar in der Öffentlichkeitsarbeit etwas machen, aber das verbessert das obige Grundproblem nicht.Und das er Geld ausgeben will, um notfalls für Hardware freie Firmware schreiben zu lassen ist Unsinn, der nur einen Haufen Geld kostet und bei dem auch nicht klar ist, welche Hardware denn nun wichtig ist und welche nicht, also den Geldsegen bekommen soll?
An der Infrastruktur will er dagegen auch nichts machen. Dabei wäre da das Geld am besten angelegt, wenn man schon entwickeln lassen will um etwas bewegen zu können.
Ich möchte die Euphorie ja nicht trüben, aber diese alljährliche Wahl erscheint mir recht sinnlos zu sein, wenn so ein Projektleiter unterm Strich genauso wenig zu melden hat wie ein Bundespräsident. Wie will so jemand bei derart ideologisch verkrusteten Strukturen etwas wirksam bewegen? Da ist mehr nötig als ein Wunsch nach Veränderung, bzw. der Community gut zu zureden. Allein solche krankhaften Diskussionen wie unter anderem hinsichtlich systemd, zeigen deutlich das es offenkundig zu viele toxische Individuen im innersten Kreis von Debian gibt, sonst hätte es radikale Tendenzen ala Devuan und weiteres nie gegeben. Darüber hinaus wird deutlich, dass jene Individuen gar nicht wirklich willens sind konstruktiv zu diskutieren, und schlicht ablehnen was bestehendes verändert. Das ist wie mit der deutschen Bürokratie in Deutschland und der Digitalisierung, dass werden die aktuellen Generationen aller Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr erleben, wobei die aktuelle Regierung nach vollmundigen Versprechen, nun ebenfalls in alte Muster verfällt und lieber die bestehende Infrastruktur weiter erhält.
Als langjähriger Debian Nutzer und Anhänger, würde ich mich eigentlich gerne an der Wahl beteiligen. Ich bin auch auf jene Seite gestoßen: https://www.debian.org/vote/
Nur erklär mir das leider noch nicht, wie ich meine Stimme nun genau abgeben kann.
Wäre es möglich, das dies linuxnews.de in einem Betrag oder einer der Hier kommentierenden mir erklären könnte?
Da haben nur die Entwickler eine Stimme (m. W.).
Eine Distribution von Entwicklern für Entwickler? Oder ist der DPL für Außenstehende und die Ausrichtung der Distribution eher nebensächlich?
Bei Debian gibt es den Grundsatz, dass diejenigen die auch aktiv am Projekt mitarbeiten die Entscheidungen treffen.
“KULTUR Meritokratie, die Herrschaft des Wissens
Meritokratie ist eine Regierungsform, bei der die Macht von denen mit den größten Verdiensten ausgeübt wird. Für Debian ist Verdienst ein Maßstab für Kompetenz, die ihrerseits beurteilt wird, indem einer oder mehrere andere im Projekt vorangegangenes Wirken beobachten”
Quelle:
https://debian-handbook.info/
Kapitel 1.3.1
Mein persönlicher Favorite wäre Hideki Yamane:
https://www.debian.org/vote/2022/platforms/henrich
Das ist wenigstens ehrlich, und erfrischend unkompliziert. Blick nach Vorne gerichtet, und lass uns etwas ändern, Attittüde.
Ferdinand, kannst du bitte die Kommentare abschalten? Seit den letzten Artikeln ist es schlimm mit den sinnlosen Kommentaren geworden. Spare dir bitte die Zeit. Dann musst du auch nichts moderieren.
Dem kann ich leider nicht nachkommen, die Kommentare sind ein vitaler Part dieses Blogs. Wenn es nicht besser wird mit dem Trollen werde ich zumindest Kommentare nur noch nach Registrierung/Anmeldung zulassen. Das filtert schon mal.
Das ist so gemeint wie es da oben steht, Wort für Wort. Ironie und Sarkasmus auch nichts davon ist drin.
Das war nicht gegen dich. Deine Antwort hatte Substanz. Ich habe einfach unter dem letzten Post auf “Antworten” getippt.
Wenn dich die Kommentare so hart stören, dann lese sie einfach nicht mehr. Niemand zwingt dich.
Der Rest hier tauscht sich gerne aus, liebe ist raus an euch.
Einfach wegsehen ist die einfache Möglichkeit. Austausch ist wichtig. Ich mag die Ergänzungen und lerne auch viel dadurch. Die letzten Tage, war es aber nicht schön unter den Artikeln mitzulesen. Da tut mir Ferdinand leid, der das wirklich mit viel Herzblut macht. Blöderweise gibt es eine laute Minderheit, die viel kaputt macht und es nicht merkt… oder es vielleicht willentlich macht.
Der Felix ist unser Mann bei Debian.
Vermutlich nutzt er auch Homöopathie.
Es gibt sogar Krankenkassen die das übernehmen. xD
Jo, Grausam
https://netzwerk-homoeopathie.info/
Und das sagt jetzt genau was über seine Arbeit bzw Vorstellungen zu dem Posten aus?
Wäre doch schön, wenn man einfach mal beim Thema bleiben würde, anstatt sich in unwürdigen Anfeindungen zu ergehen! Es scheint, daß heutzutage des Deutschen liebstes Hobby das Trollen ist… Furchtbar!
Hi, Du hast recht. Ist mir auch klar geworden, dass der Kommentar nicht klug war.
Ich fand Deinen Kommentar durchaus angebracht, denn mir geht diese unwissentschaftliche, esoterisch-homöopathische Szene ziemlich auf den Zeiger.
Jammern? Früher hieß das mal kritisieren…