Minze

Respekt für Linux Mint

Über Linux Mint wird ja viel geschimpft, in vergangenen Jahren wurde des Öfteren die Sicherheitspolitik des Projekts moniert. Dann gab es den Vorfall mit dem kompromittierten ISO-Image. Ich bin auch kein ausdrücklicher Fan von Linux Mint, ich gehöre aber auch nicht zur Zielgruppe. Die Distribution scheint aber viele Anwender zufriedenzustellen.

Respekt für das Hören auf die Anwender

Beim Lesen des aktuellen Monatsberichts von Clement Lefebvre über den Stand der Entwicklung bei Linux Mint fiel mir auf, dass das Projekt abseits aller Kritik auch vieles richtig macht, was Ubuntu, die Eltern-Distribution, schon vor einigen Jahren aufgegeben hat. Dazu zählt vor allem das Hören auf die Community und die vernünftige Abwägung vor der Übernahme von Neuerungen aus Ubuntu, auch wenn dies Mehrarbeit bedeutet.

Keine Snaps bei Linux Mint

Das fiel mir erstmals mit der Entscheidung gegen Ubuntus Paketsystem-Alleingang Snap auf. Bereits früh hat das Projekt gegen Snap in Mint argumentiert und den Worten auch Taten folgen lassen. Linux Mint 20 wurde ohne Snapd ausgeliefert und Ausgabe 21 wird ein Gleiches tun. Im Januar ging das Projekt eine Partnerschaft mit Mozilla ein, um sich von der Mehrarbeit durch die Paketierung von Firefox als DEB zu entlasten. Künftig wird Firefox, wie er von Mozilla bereitgestellt wird, ausgeliefert.

Mit 21 ohne systemd-oom

Auch im aktuellen Monatsbericht zeigt Lefebvre, dass er eigene Wege gehen kann. Anwender hatten sich über das Verhalten von systemd-oom beschwert. Dieses Tool zur Speicherbereinigung bei vollem Arbeitsspeicher hat bei Ubuntu und offensichtlich auch bei Mint Anwendungen zu aggressiv abgeschossen. Obwohl Ubuntu den mit 22.04 erstmals aktivierten Systemd-Dienst mittlerweile etwas gezügelt hat, wird Linux Mint 21 den Dienst nicht mit ausliefern. Wer ihn nutzen möchte, kann ihn händisch nachinstallieren.

Ebenfalls im Sinne der Anwender ist die Übernahme von Timeshift zu sehen, dessen Entwickler die Anwendung aus Zeitmangel bereits seit einiger Zeit nicht mehr ausreichend pflegen kann. Bereits vor zwei Wochen gab es ein erstes von Mint geschnürtes Paket, das auch gleich von Debian als timeshift 22.06.1-0.1 übernommen wurde. Danke dafür.

os_prober weiter aktiv

Ein weiteres Beispiel der Abwägung zwischen Nutzen und Schaden: Bei Ubuntu 22.04 kommt GRUB 2.06 zum Einsatz. Dieser deaktiviert aus Sicherheitsgründen standardmäßig die Funktion os-prober, die weitere auf einem System installierte Distributionen erkennt und diese bisher im GRUB Boot-Menü anbot. Da sich ein Angriffsvektor über os-prober nur bei der Nutzung von Secure Boot ergibt, was zwar in Linux Mint unterstützt wird, aber vermutlich von der Mehrheit nicht genutzt wird, lässt Lefebvre die Erkennung von weiteren Betriebssystemen mit Mint 21 weiterhin aktiv.

Ach ja, und dann stand im Report, dass Linux Mint 21 Beta in der kommenden Woche veröffentlicht wird. Einen Ausblick hatte ich im April geschrieben.

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