openSUSE

Bestandsaufnahme: openSUSE Leap

Ein Jahr nach Leap 15.4 haben die openSUSE-Entwickler Leap 15.5 als Wartungsrelease auf der Basis von SUSE Linux Enterprise 15 Service Pack 5 (SLE) veröffentlicht. Die größte Neuerung für Desktop-anwender ist die Auslieferung von KDE Plasma 5.27 LTS. Xfce wird als 4.18 ausgeliefert, GNOME hängt in Version 41 zurück, den Kernel stellt Linux 5.14.21. Leap 15.5 steht im Downloadportal von openSUSE zum Download für x86_64, aarch64, ppc64le und s390x bereit.

Fristverlängerung

Das Interessanteste an Leap 15.5 ist die Nachricht, dass es eine Nachfolgeversion Leap 15.6 geben wird, die im Juni 2024 erscheinen soll und Support bis 2025 erhält. Bisher war geplant, dass 15.5 die letzte Version von Leap ist, bevor mit ALP die neue Architektur an seine Stelle tritt. Das ist eine gute Nachricht für Anwender, die mehr Zeit benötigen, um sich entweder für ALP, Aeon (GNOME), Kalpa (KDE Plasma), Tumbleweed oder eine ganz andere Distribution zu entscheiden.

Dunkle Wolken

Trotzdem ziehen dunkle Wolken über dem Chamäleon namens Geeko auf, denn derzeit scheint nicht gesichert, dass es mit ALP auch eine Desktop-Version geben wird. Die Basis für ALP wird, wie bei Leap auch, von SUSE SLS kommen, den Rest soll die Community beisteuern. Die ist aber zahlenmäßig bereits seit Längerem nicht gut aufgestellt. Tumbleweed hat in den vergangenen Jahren Zuwachs sowohl an Anwendern und Entwicklern erhalten. Der Zuwachs an Entwicklern erfolgte größtenteils durch Abwanderung von Leap, nachdem Tumbleweed 2014 zum offiziellen Rolling Release wurde.

Eindringliche Warnung

Richard Brown, SUSE-Entwickler aus dem Future Technology Team mahnte im Mai auf der openSUSE-Mailingliste zum dritten Mal, dass für einen ALP-Desktop Entwickler für die Desktop-Umgebungen und den Grafik-Stack sowie für Maintenance und QA benötigt werden. Während sich bei den ersten beiden Mails keine Beitragenden fanden, meldeten sich auf die letzte Mail vom Mai immerhin einige Freiwillige.

Brown warnte, wenn es nicht ausreichend Beteiligung gäbe, müsste man als Leap-Nachfolger eventuell mit einer eingeschränkten Lösung wie Grassy Knoll vorliebnehmen. Immerhin gibt es nun mit der Fristverlängerung durch Leap 15.6 mehr Zeit für die Community, sich neu aufzustellen.

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12 Kommentare

  1. Meiner Meinung ist Suse gerade dabei sich selbst abzuschaffen. Sehr traurig. ;-(
    Das ganze mit alp, immutable, MicroOS, aeon, kalpa ist ein einziger Marketing- und HR-Bullshit. Was ist bei denen überhaupt genau der Unterschied? Und kalpa ist praktisch noch Alpha
    Und von wegen und Hilfe.
    Möchte man helfen und fragt nach, wird man arrogant abgkanzelt. Konkrete Aufgaben gibt’s auch keine.
    Ich empfehle Mal den Matrixraum aeon. Da kann man die Arroganz live verfolgen.
    Ich glaub ich schwenke nach Jahrzehnten auf Debian für Server und auf siduction für Desktop um.
    Obwohl es mir schwer fällt.
    Aber ein Windows im Linuxpelz möchte ich nicht.

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    1. Schade um Suse, finde ich auch, aber für ein Desktop System im privaten Bereich ist Debian die richtige Wahl, für einen Server sowieso. Wenn ich ganz aktuelle Software will, nutze ich Debian Sid, Siduction ist nichts anderes.
      Bleibt nur zu hoffen, daß die Debian Entwickler nicht auch auf diesen immutable-Zug aufspringen.

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  2. Ich konnte in den letzten Jahren den Distributionen, die unter dem Einfluss von gewinnorientierten Unternehmen stehen, zunehmend weniger abgewinnen. Früher empfand ich diesen Einfluss mal als Vorteil, so nach dem Motto kein ewig langes Rumgeeiere, sondern Mut zur Entscheidung, so geht Fortschritt und von den viel größeren Ressourcen ganz zu schweigen. Aber wozu führt das? Ob Ubuntus Snap-Strategie, der Zirkus um CentOS, die noch ziemlich nebuloese Strategie bei Suse, alles nicht besonders attraktiv in meinen Augen. Bei Fedora haben die Red- Hat-Strategen letzten Monat Ben Cotton, den allseits respektieren Fedora Program Manager der letzten Jahre, mal einfach so vor die Tür gesetzt. Man müsse eben 4% Mitarbeiter abbauen, hieß es. Und dann wirft man ausgerechnet den Program Manager raus? Wer soll das verstehen? Mir war’s insofern Recht, weil mich dieses Gebahren so angekotzt hat, dass ich dieser Distribution, mit der ich entgegen dem Hype der letzten zwei Jahre ohnehin immer mehr haderte, nach zehn Jahren endgültig den Laufpass gegeben habe. Und bereit stand für mich, als sollte es so sein, eine fantastische neue Ausgabe von Debian :-). Bekanntlich ist da auch nicht alles rosarot, aber ich erspar mir wenigstens diesen ganzen corporate bullshit.

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  3. Ich denke, Suse hat aktuell vielleicht einfach zu viele Produkte im Portfolio?
    SLE, Tumbledweed, Leap, ALP, Kalpa, Aeon, MicroOs

    Klar zum Teil ist es einfach nur Wording, Leap IST SLE (mit etwas Beiwerk) und Kalpa und Aeon SIND MicroOS – aber trotzdem.

    Ich denke, sie sollten sich darauf konzentrieren was sie wirklich brauchen. Sie brauchen ein Produkt mit dem sie Geld Verdienen können = SLE und für die Zukunft wird gelten ALP = SLE. Soweit scheint es gesetzt zu sein.

    Die Community tummelt sich weitestgehend im Tumbledweed Becken. Das wird vermutlich auch so bleiben, denn die brauchen oder wollen keine immutable Distro.

    Also… wer braucht eigentlich Leap? wozu braucht SUSE leap? hab ich echt noch nie verstanden….
    sie sollten sich auf Kalpa und Aeon (MicroOs), Tumbledweed und SLE beschränken…

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    1. Für mich ist opensuse Leap seit 10 Jahren das Nonplusultra unter den Linux Distributionen. Ich schätze die Stabilität, den Komfort (YaSt), die vielen unterschiedlichen Desktopumgebungen und die große Softwareauswahl. Ich will keine topaktuelle Software sondern ein System das einfach läuft. Ich will auch eine Softwareversion über einen längeren Zeitraum nutzen. Mein System wird hauptsächlich für kaufmännische Anwendungen, Streamen (Audio und Video) und ein wenig zum Programmieren genutzt. Meine Frau arbeitet mit opensuse Leap 3x wöchentlich im Homeoffice. Ich werde Leap bis zum Supportende nutzen. Was danach kommt ist noch offen.

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      1. Was ist denn da drin, was man sich nicht selbst installieren könnte? Wer wegen yast zu suse greift, den versteh ich schon aber wg. irgendwelcher Programme eine Distro zu nehmen…versteh ich dann doch nicht. 😉

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      2. Bei mir ganz ähnlich. Meine nicht-Computer-affine Frau nutzt es, weil ich es ihr installiert habe und ist sehr zufrieden. Ich selbst nutze es auch, aber es gibt schon diverse Pakete, die gut abgehangen sind. Keine Ahnung, was nach dem Supportende kommt, immutable ist keine wirkliche Option.

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      3. Worin besteht denn bei diesem Anwendungsfall die Angst vor immutable?

        Ich habe seit 2 Jahren Tumbleweed im Betrieb. Für die Entwicklerkiste ist das ideal und bislang deutlich stabiler als sogenannte LTS-Versionen von Ubuntu.

        Wenn ich aber von vorne herein weiß, dass ich mit den Flathub-Anwendungen nicht an Grenzen kommen werde, finde ich das immutable Konzept praktisch und ich verstehe die Panik derer, die nur 08/15 Anwendungen nutzen, noch nicht.

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        1. Ich habe keine Panik sondern ich will einfach kein immutable System mit Containern auf meinem Desktop. Ich möchte auf meinen PCs eine klassische Linux Distribution betreiben und meine Software aus offiziellen Repos der Distribution beziehen. Außerdem habe ich sehr alte Hardware (meine Frau arbeitet mit einem Intel Core2Quad aus 2008 mit 4GB RAM und einer 250 GB HDD) bzw. Low-End PCs mit passiv gekühlten Celeron Prozessoren im Einsatz (TDP 6W). Unter opensuse leap mit XFCE laufen die Rechner ausreichend performant.

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          1. Die Begründung kann ich nach “Bauchgefühl” nachvollziehen.

            Hinsichtlich des offiziellen Repos habe ich aber eine andere Meinung aufgrund folgender, historischer, Fälle:
            1. Dependency Hell hat mir schon oft Nerven geraubt.
            2. Zu Zeit Jörg Schilling vs. Debian war ich nicht auf der Seite der Paketierer, weil insbesondere in der Anfangszeit der Fork cdrkit total verkorkst war.
            3. Dann war da noch der zerschossene Entropiegenerator, der nur bei Debian(?) versagt und schwache Schlüssel erzeugt hat.
            4. Bei FreeCAD aus den Repos war immer irgendetwas faul. Da habe ich erst über AppImage bzw. Flatpak Frieden gefunden.

            Ein Container lässt sich wahrscheinlich auch besser / reproduzierbar testen. In wie fern das auf Kosten der Effizienz geht, kann ich nicht quantifizieren. Vielleicht hat da jemand eine Information, wie groß der Overhead wirklich ist.
            Dass die Container gegeneinander isoliert werden (können), sehe ich als Vorteil. Klar – ein paar Bibliotheken wird man doppelt und dreifach auf der Platte und ggf. im RAM haben, aber so richtig beeinträchtigt hat mich das trotz ebenfalls nur 220 GB bislang nicht. Von daher bin ich dem neuen Konzept eher aufgeschlossen, finde es aber störend, wenn man dann doch mal was am System ändern muss.

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