Zurzeit ließe sich LinuxNews problemlos mit Nachrichten über KI im Umfeld von Open Source füllen. Täglich gibt es News über Diskussionen, Absichtserklärungen und neue Richtlinien.
KI in Calibre
Anfang Dezember erschien Calibre 8.16.0 mit der neuen Funktion »Discuss with AI«, was zu kontroversen Diskussionen in der Community der beliebten E-Book-Verwaltungssoftware führte. Die Funktion erlaubt es Nutzern, lokal oder über externe Dienste direkt in Calibre mit einem LLM über Bücher zu »diskutieren« und Übersetzungen, Erklärungen oder Empfehlungen zu erhalten, ohne Calibre verlassen zu müssen. Dabei ist der Begriff »Diskussion« völlig fehl am Platz, da er die KI weiter vermenschlicht.

Der Vorschlag für KI in Calibre kam von einem langjährigen Anwender, der im August eine fertige Ausarbeitung für den Calibre-Viewer einreichte. Die Idee gefiel Kovid Goyal, Entwickler und Betreuer von Calibre, der zu erwartende Bedenken aus der Community beiseitewischte:
Don’t worry too much about the poll results, this feature will be useful to some people in some contexts, as an alternative or even supplement to the existing Lookup feature. And given it is opt in and has zero cost when not used, it wont bother anyone that doesnt want to use it.
Kovid Goyal
Goyal versicherte, Calibre habe nie und werde nie einen Dienst aus dritter Hand ohne Opt-in verwenden.
If you don’t like AI, then by all means, simply don’t opt in, and the existence of this feature will have no impact on you.
Gegenwind aus der Community
Letzteres sieht die Community anders. Anwender verlangten die Entfernung, andere kündigten an, die Anwendung nicht weiter zu verwenden. Hier muss ich sagen, dass man als Nutzer von Open Source nichts verlangen kann, man kann bestenfalls Wünsche äußern. Das hat Goyal dann auch klargestellt.
Jedenfalls war der Widerstand groß genug, dass der Entwickler voraussichtlich Optionen einbauen will, um das Feature in der Benutzeroberfläche auszublenden, wenn ihm jemand einen Patch sendet. Selbst werde er den nicht schreiben, »…da ich nicht die Geduld habe, meine Zeit damit zu verschwenden, mich mit Wahnsinn zu beschäftigen«.
Das Jahr, in dem uns KI aufgedrückt wurde
Wie üblich führen Kontroversen in Open Source oft zu Forks. So auch in diesem Fall, bei dem es nicht lange dauerte, bis clbre ohne den KI-Code bereitgestellt wurde. Insgesamt muss ich feststellen, dass im zu Ende gehenden Jahr KI-Slop immer aufdringlicher wurde und wir als Anwender oft darauf reagieren mussten, wenn uns das nicht gefiel. Ein prominentes Beispiel in der vergangenen Woche war Mozilla. Ich würde es sehr begrüßen, wenn KI in Open-Source-Projekten generell vor deren Einführung diskutiert wird.
Danke für nichts
Natürlich war ich neugierig und musste das neue Feature ausprobieren. Enttäuscht musste ich feststellen, dass das LLM keine Antwort auf meine Frage hatte, die jeder Student der Anglistik im ersten Semester beantworten kann. Der Alkoholismus des Protagonisten und seine Vorliebe für Tequila ziehen sich durch das gesamte Buch. Danke für nichts.

Foto von Immo Wegmann auf Unsplash

Die Aufregung kann ich schon verstehen, weil mittlerweile so viele (halbgare) KI-Assistenten eingebaut werden – und aus den wenigen Erfahrungen, die ich persönlich gesammelt habe, muss man die Ergebnisse hinterher ohnehin nochmal überprüfen, sonst hat man am Ende ggf. Mist.
Der Adobe Reader hat auch so eine KI-Funktion zum Zusammenfassen. Habe letztens auf der Arbeit eine PDF damit geöffnet und versehentlich diese Funktion verwendet und damit evtl. Daten irgendwo hingesendet, die nicht gesendet hätten werden sollen.
Unsere Warenwirtschaft hat auch einen KI-Assistenten, der sich gerne in den Vordergrund drängt. Letztens habe ich ihm mal eine Chance gegeben und nach einer praktischen Funktion gefragt, von der ich nicht wusste, ob sie integriert ist und wenn, wo sie zu finden wäre.
Aber scheinbar ist es der Zeitgeist. Solange es als Opt-In umgesetzt wird, ist es meiner Meinung nach schon in Ordnung. Wer es nutzen will, soll es halt anschalten.
Ich kann die Kritik gut nachvollziehen. Es gibt so viele Gründe. Für mich ist es die katastrophale Umweltbilanz von LLMs. Wer überflüssige LLM frontends in seine Software einbaut, sagt damit doch, dass dieser Aspekt dem Projekt schlicht egal ist. Damit meine ich nicht nur den erhöhten Energiebedarf bei der entsprechenden Nutzung von Calibre. Es geht vielmehr um die Idee an sich, KI wirklich in jede Software ohne Sinn und Verstand einbauen zu müssen, was Nutzern suggeriert, dass sie diese Dinger für wirklich alles verwenden sollten. Eine absolut schädliche Entwicklung. Ein Projekt mit solch einer Einstellung möchte ich dann halt nicht mehr unterstützen.
»…da ich nicht die Geduld habe, meine Zeit damit zu verschwenden, mich mit Wahnsinn zu beschäftigen«
Ich kann dem nur aus ganzem Herzen zustimmen.
Wahnsinn ist, denke ich, die richtige Beschreibung des Verhaltens derjenigen, denen der Hinweis auf opt-in und selbst der Zusatzhinweis der Nichtbeachtung des Features bei genereller Ablehnung immer noch nicht genügt.
KI ist Blasphemie!
Wieder ein Beweis, daß wir das “Zeitalter der Aufklärung” hinter uns gelassen haben, zurück ins finstere Mittelalter…
Soweit ich weiß, wurden beim Training der künstlichen Intelligenz aufgrund von Lizenzbeschränkungen keine literarischen Texte verwendet. Nur Zusammenfassungen. Schade. Ich würde gerne mit der KI über Bücher diskutieren.
Wird Calibre über eine lokale KI verfügen, die lokale Bücher liest? Das wäre eine gute Funktion.
Das Verhältnis der Anglistik zur Alkoholischen Intelligenz (AI) oder weshalb die letzte Frage unbeantwortet bleiben muss.
Geschüttelt oder gerührt, was wäre Bond ohne Martini? Was wäre James Joice ohne Guinness? Wie wäre es weiter gegangen mit Romeo und Julia ohne jenen verhängnisvollen Cocktail? Fragen über Fragen die nun endlich geklärt werden können. Dank AI, besser gesagt, AAI (Anti-Alkoholischen Intelligenz) können all diese Fragen nun endlich dem ungetrübten klaren Blick eines unvernebelten Verstandes zugeführt werden.
Eine Frage wird jedoch unbeantwortet bleiben müssen:
Wie konnte die Menschheit überhaupt so lange ohne KI existieren?
Diese Frage wird uns wohl immer ein Mysterium bleiben müssen.
Letzteres ist ähnlich wie mit dem Schmachtfons. 🙂
Das ist doch eher Meinung als News!
Da ich auf linuxnews.de keine Meinungsartikel lese, da diese zu 95% eher zu Bluthochdruck bei mir führen, war ich doch sehr verwundert, diese News mit reichlich Meinung lesen zu müssen.
Aber weil ich eh am schreiben bin, wo ist denn das Problem? Open Source ist doch kein Wunschkonzert. Wem es nicht gefällt kann forken, einen Fork nutzen oder einfach selbst die störende Stelle rauspatchen. Ich bin dieses “aber ich will das nicht und deshalb ist der Maintainer d..f” echt leid.
Du hast recht, es ist ein Meinungsartikel, ich vergaß, den richtigen Flag zu setzen. Wird jetzt nachgeholt. Sorry wegen deines Blutdrucks 🙂 Und was das Thema betrifft: Findest du es nicht angemessen, so etwas mit deiner Community vorab zu diskutieren, weil das Thema bekanntlich stark polarisiert. Was mich nervt ist nicht mal die KI selbst, die ist teilweise nützlich. Es ist die Art, wie sie mir in zunehmendem Maße überall aufgedrängt wird.
1) Nein. Ehrlich gesagt sogar: ganz und gar nicht. Stell dir vor, es würde jedes Mal wenn … eine neue Schriftart… in LibreOffice eingefügt wird vorher eine Disskussion geben? Oder ob wirklich auch nochmals neue Office 365 Kompatibilitätsoptionen eingebaut werden müssen. Die Entwickler würden nur noch diskutieren und nicht mehr programmieren. Nein es soll keine Diskussion darüber geben, ob Funktion Y eingebaut wird BITTE. Einfach machen! Der Code ist Open Source, man kann Forken (wurde ja auch gemacht), das ist genug Demokratie. Du findest IMMER irgendeinen, dem Funktion Y nicht passt. Du musst sie ja nicht benutzen. Sie ist opt in. Sie wird dir noch nicht mal “Aufs Auge gedrückt” (deine Worte) es ist ein Unterpunkt in einem Menü mit 7 anderen Optionen. Hast du denn alle anderen 6 Optionen schon mal benutz? Na siehst du. Ich hab auch noch nicht alle Funktionen bei Calibre benutzt. Das ist völlig OK. Software ist ein Buffet, nimm dir was du brauchst, den Rest lässt du sein. Aber es kann doch nicht angehen, dass eine Personengruppe die Entfernung einer Funktion fordert, nur weil sie sie nicht benutzen möchte. Andere möchten sie vielleicht benutzen.
Genau so sehe ich es auch! Es macht doch keinen Sinn, alle Befindlichkeiten zu besprechen.
Und die Diskussion um die “böse KI” ist ja schon fast chronisch. Wenn man Online etwas liest, hat man das Gefühl niemand will KI. Wenn ich mir die Nutzerzahlen von ChatGPT anschaue, dann wollen das doch wohl ein paar Leute. Ich kann sehr gut verstehen, dass die Maintainer KI einbauen wollen, denn das ist genau das, was aktuell zählt und in Zukunft eher wichtiger wird.
Zu 1.) Ich glaube, eine neue Schriftart lässt sich nicht wirklich einer KI-Funktion gleichsetzen. KI erzeugt starke Emotionen und Überzeugungen, insofern bleibe ich bei meiner Aussage. Dass bei Open Source nicht jeder was fordern kann, ist klar. Hab ich ja auch betont.
@mawe777:
Der Vergleich mit Nutzerzahlen von ChatGPT hinkt, ich selber bin einer in einer Proversion. Dennoch möchte ich nicht überall KI drin haben. Wenn och es brauche, besuche ich die Seite oder starte die App. Ich mag aber meine Daten lieber mit Gewißheit bei mir wissen. Ist iegendwo KI drin, ist ea eine Vertrauensfrage.
Und anders gesagt: Nur weil man Fleisch ist, heißt es nicht, daß man es jeden Tag tun muß.
Ich entscheide auch wo ich welche KI nutze.
Intetrierte KI-Features stören mich nicht, wenn, dann nutz ich die Software nicht.
Sicher? Der Vergleich wurde sehr bewusst gewählt. Gut ähm.. Können wir darüber reden, welche Schriftart schön ist? Oder optisch ansprechend? Ich behaupte… Comic Sans würde als einzige Schriftart für Dokumente alles Art völlig ausreichend? Ah siehst du: Schriftarten erzeugen sehr starke Emotionen und Überzeugungen. Der Vergleich ist meiner Meinung nach sehr passend.
(Nein ich finde nicht, das Comic Sans als einzige Schriftart für Dokumente aller Art genügen würde, ich wollte nur mein Argument untermauern, das Schriftarten starke Emotionen und Überzeugungen erzeugen)
Sorry, deiner Argumentation kann ich nicht folgen. Dein Beispiel mit Comic Sans als einzige Schriftart ist an den Haaren herbeigezogen, die Polarisierung bei KI aber sehr real.
1) LibreOffice … Was ist aus OpenOffice geworden?
KI ist ja ein ganz anderes Thema als eine neue Schriftart. KI ist heiß diskutiert und polarisiert. Kann ich auch. Ich finde, wer KI nutzt ist zu faul zum selber denken. Aber das ist meine persönliche Meinung und dadurch finde ich es durchaus diskutierbar manche Funktionen nicht einfach so nebenbei einzubauen. OpenOffice bekam das wohl auch nicht gut. Und es kann ja auch nicht zielführend sein 20 Forks eines Projektes zu haben. Was ich nicht als Demokratie empfinde sondern als rumgezicke, weil niemand miteinander reden und diskutieren möchte.
Außerdem ist es für mein Empfinden genau das Gegenteil von Demokratie, wenn man arbeitet ohne Rücksicht auf Verluste. Am Ende sind die Forks erfolgreicher als das Orginal, dass dann keine Rolle mehr spielt.
Ich behaupte hier nicht, dass man alles diskutieren muss, aber solche zweifelhaften Funktionen durchaus. Einfach nur aus dem Grunde, weil sie gesellschaftlich aktuell relevant ist.
Man sieht es hier auch eine meinem Posting, der mit sicherheit einigen nicht gefallen wird.
1) OpenOffice.org wurde vor kurzen aktualisiert und kann auf der Seite heruntergeladen werden.
Leider sind die meisten Entwickler zu LibreOffice abgewandert weil die Dinge die Oracle machen wollte / gemacht hat nicht gut fanden. Als es dann zu Apache als Projekt kam, sind noch mehr weg.
Schade.
2) Es ist ja auch kein Problem, wenn Forks erfolgreiche werden. Open Source hat ja den Vorteil, dass der Maintainer bei seiner Meinung und Linie bleiben kann und die große Masse geht halt wo anders hin. Die Projekte können doch perfekt nebeneinander exisitieren. Friedliche koexistenz quasi.
3) Wieso ist denn KI zweifelhaft? Das nutzen Milliarden Menschen jeden Tag, und vermutlich genau so viele nicht. Lass doch jeden machen was er will.
→ Das nutzen Milliarden Menschen jeden Tag, und vermutlich genau so viele nicht. Lass doch jeden machen was er will. ← Ich finde, du machst es dir sehr einfach. KI hat viele zweifelhafte Nebenerscheinungen. Dazu zählt neben den exorbitanten Energiekosten vor allem der Diebstahl von geistigem Eigentum. Mal ganz abgesehen davon, dass Kinder in der Schule verblöden, weil ChatGPT die Hausaufgaben übernimmt. Ich bin kein Gegner von KI, sie leistet auf einigen Gebieten der Wissenschaft bereits fantastische Arbeit. Aber ich denke, wir sollten die Entwicklung auch in unserem Alltag etwas einbremsen, schließlich haben wir eine eingebaute Intelligenz, die wir nicht verlernen sollten, einzusetzen.
Stimme ich voll zu.
Wenn man gezielt einsetzt, finde ich das eine gute Sache. Wenn ich aber sehe, wie viele Menschen sich von ChatGPT belügen und betrügen lassen, ist das durchaus zu beanstanden. KI ist keine Quelle von verlässlichem Wissen. Punkt und aus. Man kann jeden Tag im Netz von Menschen lesen, die sich über KI monieren, weil es nur Käse von sich gibt.
Also warum soll ich mir von KI was erzählen lassen, wo ich garnicht weiß ob es fake ist oder nicht. Also muss ich es verifizieren und dann kann ichs auch gleich selbst recherchieren. Und wer sich blinbd auf KI verläßt ist, wie schon geschrieben, zu faul zum selber Denken.
Zur Ehrenrettung der KI muss man sagen, dass auch die Art der Fragestellung das Ergebnis verbessern oder verschlechtern kann. Das ändert aber nichts daran, dass man sich nicht blind darauf verlassen darf. Es hilft enorm, etwas vom Recherchthema zu verstehen, um die Ergebnisse einzuordnen.
Alles klar, vielen Dank. Dann wird der fork unterstützt.
Es ist genau wie du sagst, dieser extreme Zwang überall LLMs einzubauen ist unerträglich. Es wird krampfhaft nach einem Zweck und Geschäftsmodell gesucht…
Und die Menschen die aufschreien (zurecht in meinen Augen) werden als “wahnsinnig” abgetan. Heavy…
Ich mache mir dann mal ein fertiges Paket aus dem Fork.
Deb oder rpm?
Haste es hinbekommen?
Fehlen nämlich etliche Dateien in der zur Verfügung gestellten Source.
Weder noch, arch from source ^^
Gestehe aber, dass ich es nach 2h erst mal aufgegeben habe.
Ich habe als Basis das AUR-Git vom OG genommen.
https://aur.archlinux.org/cgit/aur.git/tree/PKGBUILD?h=calibre-git
Aber wie du sagst, beim Fork scheint noch bisschen was zu fehlen :S
Wie gut die Frage beantwortet wird, hängt auch vom LLM Modul ab.
Ich hab sie mal bei ChatGPT gestellt und bekam die Antwort, Mezcal (Tequila ist eine spezielle Variante, keine Ahnung ob es stimmt).
Zuerst dachte, wäre doch toll das in Calibre zu haben, aber dann: man kann das auch einfach extern machen, wozu in Calibre. Das hängt auch davon ab, as man liest. Nutzt man eine gute lokale LLM, gibt man nicht preis was man liest.
Klar hängt das vom LLM ab. Ich habe eine mittlere Größe und ein aktuelles Update von llama3.2 gewählt, in der Erwartung, dass diese einfache Frage beantwortbar ist.