Auf der Mailingliste für Ankündigungen haben die Debian-Entwickler mit dem 10. Juni 2023 ein vorläufiges Datum für die stabile Veröffentlichung der nächsten Debian-Ausgabe Debian 12 »Bookworm« bekannt gegeben. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun.
Was bisher geschah
Der Freeze, also die Verlangsamung der Vorgänge im Repository von Debian Testing zur Vorbereitung der Veröffentlichung von Debian 12 »Bookworm« begann am 12. Januar 2023. Es ist eine von vier Stufen, die bis zum Stillstand der Aktivitäten in dem Repository führen, in dem die nächste Version von Debian reift. Stufe zwei und drei folgten jeweils einen Monat später.
Der Eintritt in die letzte Stufe der Vorbereitungen wird erst bekannt gegeben, wenn die weitere Entwicklung bis zum Release absehbar ist. Dieser Punkt ist nun gekommen. Während der letzten Veröffentlichungen wurde zu diesem Zeitpunkt wie auch jetzt ein vorläufiges Datum für die Veröffentlichung bekannt gegeben.
Full Freeze
Die vierte Phase, also der Full Freeze setzt am 24. Mai ein. Das bedeutet, dass von diesem Moment an jedes
Paket eine manuelle Entsperrung durch das Release Team benötigt, wenn es nach »Bookworm« migrieren soll. Eine Freeze-Richtlinie legt die Bedingungen fest, welche Pakete ab diesem Zeitpunkt überhaupt noch akzeptiert werden. In der letzten Woche vor dem Full Freeze wird das Testing-Repository komplett eingefroren und ab dann werden nur noch dringende Fehlerbereinigungen für eine Aufnahme berücksichtigt. Der 28. Mai ist der absolut letzte Zeitpunkt für die Einreichung von Freigabeanträgen solcher Art für Debian 12.
Aktueller als früher
Debian 12 wird aktueller sein als das früher oft der Fall war. Leider trifft das nicht auf den Standard-Desktop GNOME zu, der es wegen der Kürze der Zeit nicht in Version 44 geschafft hat, sondern in Version 43.1 enthalten sein wird. KDE Plasma hingegen wird mit einer sehr aktuellen v5.27.2 vertreten sein. Weitere Desktops im Angebot sind LXDE 11, LXQt 1.2.0, MATE 1.26 und Xfce 4.18.
Beim Kernel setzen die Entwickler auf Linux 6.1 LTS, GCC steht bei v12. Debian 12 »Bookworm« kommt mit viel mehr Software als sein Vorgänger »Bullseye«. Die Distribution enthält über 11.294 neue Pakete, was zu einer Gesamtzahl von über 59.551 Paketen führt. 72 % der Software (42.821 Pakete) in »Bullseye« wurde aktualisiert. 16 % des Paketbestands (9.519 Pakete) wurden aus unterschiedlichen Gründen entfernt.
Unterstützte Architekturen
Seinem Anspruch eines universellen Betriebssystems wird Debian mit der Unterstützung von neun Architekturen gerecht:
- 32-bit PC (i386) und 64-bit PC (amd64)
- 64-bit ARM (arm64)
- ARM EABI (armel)
- ARMv7 (EABI hard-float ABI, armhf)
- little-endian MIPS (mipsel)
- 64-bit little-endian MIPS (mips64el)
- 64-bit little-endian PowerPC (ppc64el)
- IBM System z (s390x)
Die größte Neuerung in Debian 12 ist jedoch die Lockerung der Richtlinien für die Integration unfreier Firmware. Dazu wurde Punkt 5 des Debian Sozialvertrags um einen Satz erweitert:
Die offiziellen Debian-Medien können Firmware enthalten, die sonst nicht Teil des Debian-Systems ist, um die Verwendung von Debian mit Hardware zu ermöglichen, die solche Firmware benötigt.
https://www.debian.org/social_contract.de.html
Freuen wir uns also auf eine Debian-Veröffentlichung, die Hoffnung auf weitere Veränderungen der manchmal etwas verkrusteten Strukturen weckt, während ohne Vernachlässigung der sprichwörtlichen Stabilität weiter an der Aktualität gearbeitet wird.

Das tolle an Bookworm ist, dass es Debian mit dieser Ausgabe gelingt, durch die Aktualität der Pakete und das vereinfachte Installationsprozedere, für all diejenigen die auf unfreie Treiber nicht verzichten können, wieder attraktiv wird, ohne das die bisherigen Qualitäten wie Stabilität und der Wunsch nach freier Software darunter zu leiden hätten.
Ich wage die Prognose, dass hierdurch einige Debian-Derivate an Relevanz verlieren werden und das Original wieder deutlich an Beliebtheit hinzu gewinnen wird.
Meines Erachtens wäre es sinnig zur Halbzeit zum nächsten Debian-Release eine stabil gepflegte Aktualisierung der Main Desktops KDE/Plasma, Gnome, Cinnamon, Mate, XFCE samt Desktop-Applikationen wie Browser als eigenes Repo anzubieten. Gerade im Desktop-Bereich tut sich zwischen den Versionen doch meistens recht viel – und wenns nur Performance und Optische Verbesserungen sind.
Das würde eine Versionsänderung nach sich ziehen.
Das macht in meinen Augen keinen Sinn und ich glaube es ist auch nicht der Anspruch von Debian.
War doch vorher auch schon so, nur das man eben selbst etwas noch vorher tun musste.
Wenn es um neue Nutzer auf dem Desktop geht, dann ist es entscheidend wie lange jemand ohne spezielle Vorkenntnisse dazu braucht sich zu orientieren um ein System installieren zu können. Diese Zeit hat sich bei Debian ganz wesentlich verkürzt.
Ich denke das ist auch ein Ressourcen Thema.
Weiß jemand ob “out-of-box” nach Debian-Way Hardware based Video Dekodierung bei nVidia GPUs für Browser wie Chrome/Firefox unterstützt wird? Unter Debian 11 wollte mir das nicht gelingen.
Der Bug wird hoffentlich schnell gefixt werden. Ansonsten freue ich mich schon auf Bookworm.
Leider kann ich den kernel 6.1 nicht nutzen.. https://bugs.debian.org/cgi-bin/bugreport.cgi?bug=1033637 mit 6.3 ists besser
Der sollte relativ fix per Backports verfügbar sein.
Das sind gute Nachrichten für Nextcloud Nutzer! Aktuell muss man unter Bullseye Repos einbinden um an aktuelles PHP zu kommen, da 7.4 EoL ist und von Nextcloud nicht mehr unterstützt wird. PHP 8.2 in Bookworm hat Support bis 2025, da steht Debian 13 an.
Oder man installiert Nextcloud via Snap…
Vorsicht, da kriegen manche s(ch)nap(p)-Atmung!
oder man lässt es und nutzt echte Software 😉