Debian 13 ist seit einigen Wochen verfügbar. Viele Anwender nutzen die Backports und manche zusätzlich das Testing-Repository, um ohne Umstände an aktuelle Pakete zu kommen. Aber wie aktiviert man diese zusätzlichen Ressourcen konform mit dem neuen deb822-Format?
Wozu dienen Backports und das Testing-Repository?
Wie wir alle wissen, sind viele Pakete in Debian Stable bereits bei der Veröffentlichung einer neuen Debian-Version leicht veraltet. Um dem entgegenzuwirken, werden manche Pakete aus dem Testing-Repository neu paketiert, um kompatibel mit dem aktuellen Debian Stable zu sein. Diese landen dann in den Backports.
Wer die Entwicklung einer neuen Debian-Version hautnah mitverfolgen möchte, kann seine Installation gänzlich auf das Testing-Repository umstellen, das am Tag der Veröffentlichung einer neuen Debian-Version als Entwicklungszweig geöffnet wird. Das derzeitige Testing hört auf den Namen »Forky«, dem Codenamen von Debian 14. Die Backports bieten also neuere Pakete bestimmter Anwendungen aus Testing, ohne dass man komplett auf Testing umstellen muss. Man kann aber auch gezielt einzelne Pakete aus Testing installieren, was aber explizite Kenntnisse voraussetzt.
Wie aktiviere ich Backports?
Um Backports in der Sources-List regelkonform mit dem deb822-Format zu aktivieren, erstellen wir zunächst eine Quelldatei, die im Gegensatz zu früher nicht die Endung .list trägt, sondern auf .sources endet. Mit dem Editor Nano sieht die Zeile zum Erstellen dieser Datei so aus:
sudo nano /etc/apt/sources.list.d/debian-backports.sources
Die so erstellte Datei füllen wir mit den folgenden Zeilen:
Types: deb
URIs: http://deb.debian.org/debian
Suites: trixie-backports
Components: main contrib non-free non-free-firmware
Signed-By: /usr/share/keyrings/debian-archive-keyring.gpg
Enabled: yes
Wer nur freie Software bevorzugt, lässt die Komponenten contrib,non-free und non-free-firmware weg. Nach einem sudo apt update ist das Repository zur Nutzung bereit. Allerdings hat Backports eine andere Priorisierung für die Pakete. Anstatt der Priorität 500 von Paketen in den Repositories Stable, Security und Updates erhält Backports eine Priorität 100, womit die Pakete nicht automatisch installiert werden, sondern ein spezielles Tag benötigen.
Die Priorität in Debian APT ist ein Mechanismus zur Steuerung, welche Paketversionen aus welchen Paketquellen installiert werden. Sie wird oft als Pinning bezeichnet und ermöglicht es, Paketquellen wie Debian Stable, Testing oder Backports zu priorisieren, um etwa neuere Versionen aus einer anderen Quelle zu nutzen. Pinning funktioniert im Übrigen auch für einzelne Pakete. Die Priorität aller Quellen im eigenen System zeigt der Befehl apt-cache policy. Mehr über die Apt-Priorisierung weiß das Debian-Handbuch.
Was ist in Backports?
Wenn jetzt ein Paket aus den Backports installiert werden soll, so kann man sich vorab auf Debians Webseite informieren, welche Pakete als Backports verfügbar sind. Falls ihr ein bestimmtes Paket sucht, so gibt der Befehl apt policy [Paketname] Auskunft darüber, ob das Paket in den Backports verfügbar ist. Zum Installieren benötigt man, wie bereits erwähnt, ein spezielles Tag:
sudo apt update && sudo apt install -t trixie-backports [Paketname]
Testing einbinden
Ein etwas flexiblerer, aber auch riskanterer Weg, Pakete aus Testing einzubinden, ist es, Testing in der Quellenliste einzutragen, aber nicht standardmäßig zu aktivieren. Der Eintrag sieht dann so aus:
Types: deb
URIs: http://deb.debian.org/debian
Suites: testing
Components: main contrib non-free non-free-firmware
Signed-By: /usr/share/keyrings/debian-archive-keyring.gpg
Enabled: no
Auch hier gilt es zu entscheiden, ob ganz oder teils unfreie Pakete installiert werden sollen oder nicht. Soll ein Paket aus Testing installiert werden, muss zunächst Enabled auf Yes gesetzt werden. Der Befehl zur Installation lautet dann:
sudo apt update && sudo apt install [Paketname]/testing
Verwendet man testing als Suite in der Quellenliste, kommen bei Erscheinen einer neuen Debian-Ausgabe die Pakete dann automatisch aus dieser Suite. Um das zu verhindern, kann man den jeweiligen Codenamen verwenden. Dazu tauscht man in der .sources-Datei derzeittesting gegen forky aus. Die Installation eines Pakets läuft dann wieder über das -t Flag:
sudo apt update && sudo apt install -t forky [Paketname]
Vorsicht bei Testing
Auch wenn die Testing-Quelle alle Pakete des Testing-Repository zur Installation bereitstellt, ist es sicherer, nur Pakete aus den Backports zu installieren. Bei denen ist sichergestellt, dass die Pakete für Stable angepasst wurden. Testing als Paketquelle sollte also nur nutzen, wer sich sicher ist, dass keine Inkompatibilitäten bei den genutzten Bibliotheken oder nicht passende Abhängigkeiten zu erwarten sind. Diese Probleme kann man durch Recherche im Vorfeld verhindern, das setzt aber gute Kenntnisse von Apt und dem Paketsystem voraus.

Ich hatte Debian 13 Gnome (die Live ISO) installiert und etwas damit rumgespielt. Zu meiner Überraschung war es gar nicht nötig Backports einzubinden, da es schon direkt eingebunden war als Quelle. Und es war auch aktiviert. Ist das je nach Desktopumgebung eventuell nicht vorhanden?
Das überrascht mich jetzt, da das früher nicht so war. Ich habe gerade meine VM mit Trixie KDE überprüft. Die hat eine einfache sources.list ohne Backports, aber auch ohne deb822. Ich weiß leider nicht mehr, wann ich die installiert habe. Auf alle Fälle aber einige Zeit vor dem Release. Ich habe jetzt mal ein Upgrade gemacht und mit
apt modernize-sourcesauf deb822 umgestellt. Immer noch keine Backports. Da ich schon immer auf Unstable setzte, bin ich bei Stable auch nicht immer so gut informiert. Aber ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Debian Backports automatisch einträgt und auch noch aktiviert.Bei Debian 12 war das auch nicht so. Ich hätte das ehrlich gesagt auch nicht erwartet, aber es war da. Da es in Debian 13 Gnome keinen Software Updater mehr gibt, läuft das über Gnome Software. Ich schaute da in die Quellen und da waren die Backports aktiviert; der Schalter war eingeschaltet. Ich habe erstmal etwas ungläubig dreingeschaut, hahaha!
Dann habe ich auch die sources.list Datei gesucht und da reingeschaut und da war tatsächlich der trixie-backports Eintrag. Ich dachte etwas stumpf nur ”Hä? Is’ ja toll! Dann muss ich das nicht machen.”
Vielleicht ist das ja auch ein Fehler und gar nicht so vorgesehen? Ich habe das erst nach dem Release runtergeladen – also es ist die finale Version, keine Beta oder so.
Das das automatisch aktiviert ist komich. Aber das man die Backports in Gnome aktivieren kann ist neu in Debian.
Das ist neu, ja. Ich habe auch Screenshots davon gemacht – also von der sources.list Datei und der Übersicht von Gnome Software. Aber hier kann man ja keine Bilder zeigen.
Hallo
Es ist zwar schon Jahre her, meine letzte (und immer noch laufende) Debianinstallation.
Wenn ich das noch richtig auf dem Schirm habe? Bei der netinstall-Version wurde bei der Einrichtung der Paketquellen damals angeboten die Backports mit einzurichten.
Aber wie gesagt – lange her.
War neugierig und habe mir das Gnome Live ISO gezogen und in VB installiert. Im Gegensatz zur “normalen” Installation ist sudo und die backports eingerichtet. Ob das mit Callamares zu tun hat, oder nur von den Entwicklern bevorzugt wird weiß ich nicht.