Die Debian-Entwickler-Konferenz DebConf 2022 ist vorbei und einer der für die Zukunft von Debian wichtigen Vorträge drehte sich um das leidige Thema Non-Free-Firmware. Keiner will sie – fast jeder braucht sie. Wie ich bereits im April dargelegt habe, bewegt sich etwas in der jahrelang festgefahrenen Situation. Zu verdanken ist dies hauptsächlich Debian-Urgestein Steve McIntyre, der auch den besagten Vortrag auf der DebConf hielt.
Was ist das Problem?
Die meisten Komponenten eines Computers benötigen Firmware. Dabei handelt es sich um Software, die in den Komponenten grundlegende Funktionen steuert. Sie ist überwiegend proprietärer Art und oft fest in nicht flüchtigen Speichern wie EPROMs oder Flashspeichern verbaut, kommt aber auch, wie etwa im Fall von WLAN oder Grafikkarten, als austauschbares Softwarepaket auf den Rechner. Sie steht zwischen der Hardware und der nach ihr gestarteten Software für das Gerät.
Debian steht gemäß den Richtlinien der Debian Free Software Guidelines (DFSG) felsenfest für freie Software. Alles, wofür Debian steht, wird als Pakete in der Sektion main der Quellenliste ausgeliefert. Das Problem ist, dass sich Debian auf den meisten modernen Notebooks mit den Paketen in main nicht so einfach installieren lässt. Dies betrifft vor allem Neueinsteiger. Es gibt zwar schon lange die standardmäßig nicht unterstützten Sektionen contrib und non-free für die Quellenliste und es gibt Abbilder von Debian, die mit unfreier Firmware ausgeliefert werden. Aber all diese Umwege bieten sich dem Neueinsteiger nicht direkt an und werden zudem als inoffiziell bezeichnet, was eher eine abschreckende Wirkung hat.
Non-Free auf Firmware eingeschränkt
Steve McIntyre geht in seinem Vortrag auf die bisher erreichten Fortschritte ein. Dazu zählt ein neuer Eintrag für die Quellenliste, der non-free-firmware lautet und das bisherige non-free auf die überschaubare Anzahl von Firmware-Paketen eingrenzt. Maintainer von Paketen mit unfreier Firmware müssen nun lediglich die neue Sektion in ihren Paketen eintragen. Mit Debian 12 »Bookworm« könnte der Eintrag theoretisch standardmäßig in der Quellenliste stehen.

Allerdings gibt es noch weitere, weniger einschneidende Vorschläge für die kommenden Abbilder. Die bisherigen non-free Abbilder könnten eingestellt werden oder ihren inoffiziellen Charakter verlieren. Die endgültige Entscheidung müssen die Entwickler in einer Grundsatzentscheidung (GR) treffen. In letzter Zeit sind immer mehr Entwickler dafür, dass der Status quo dem Projekt schadet. Das ist auch der Diskussion auf der Mailingliste zu entnehmen. Bei einer nicht repräsentative Umfrage während des Vortrags war zudem die überwiegende Mehrheit der Anwesenden dafür, Non-Free-Firmware in den offiziellen Abbildern zu integrieren. Also wird es vermutlich Änderungen geben. Bleibt abzuwarten, in welcher Konsequenz dies erfolgt.

Es würde ja schon der ehrliche Umgang mit free und nonfree auf der Startseite reichen. Das wäre doch ein guter und einfacher Start. Das verschweigen von nonfree ist relalitätsfern, besonders für Desktops. Was Server angeht darüber reden wir ja gerade nicht.
Einsteiger sollten zu Linux Mint greifen und nicht zu so Profizeugs wie Debian. Das kann man nach nem Jahr machen, wenn man praktische Erfahrung mit Linux gesammelt hat und weiß wie man Probleme selbst lösen kann. Ich find ja dieses SpiraLinux für Fortgeschrittene ganz nett. Blöd nur das die nix in 32 Bit compilieren….
So das waren meine Gedanken zu dem mist….
Dem ersten Punkt stimme ich absolut zu. Allerdings bin ich als relativer Linux-Neuling vor etwa 20 Jahren sehr schnell bei Debian gelandet und habe es nicht bereut. Allerdings hatte ich auch etwas mehr allgemeine IT-Kenntnisse als der durschnittliche Anwender und kannte die Unix-Philosophie schon ein bisschen von AIX und HP-UX und früheren Gehversuchen mit Linux.
Naja, die meisten kommen halt von Windows und wollen möglichst wenig verwirrt werden. Da hat sich Linux Mint einfach angeboten und wird von den Kunden gut angenommen. Eimal eingerichtet ändern die sowieso nix am System. Außer updates schieben….
Endlich befreit sich Debian so langsam aus dem Mittelalter.
Meine Entscheidung fällt, wenn ich mir das Ergebnis dieser Transition und dessen Umsetzung anschauen kann. Dennoch bedauere ich diesen Schritt. Kommt er doch den Leuten entgegen, die die Philosophie des Debian Projekts noch nie wirklich verstanden haben. Womit ich hier ausdrücklich nicht die DD und DM meine.
Apropos Transition, dann werden wohl einige Systeme beim Upgrade von Debian 11 zu Debian 12 explodieren.
Schaun wir mal, wie das gelöst wird. Noch ist die Integration ja nur eine von mehreren Optionen, auch wenn das Pendel in letzter Zeit mehr in diese Richtung schlägt. Wie Steve im Vortrag sagt, muss dem User verständlich erklärt werden, was für Optionen er hat und für wen welche zu empfehlen ist. Ich finde die Beschränkung von non-free rein auf Firmware mit der neuen Sektion gut.
Du musst aber auch klar unterscheiden zwischen den Leuten, die Dinge nutzen müssen, nutzen können und auf’s Nutzen verzichten können. Vieleicht könnte ich mit meinem Halbwissen auf ClosedSource verzichten, aber meine Bequemlichkeit steht mir im Wege.
Und zu sagen “Du bist ein Verräter am Opensourcegdanken” ist einfach, wenn man verzichten KANN, aber doof, wenn die Herdplatte abends kalt bleibt weil da Closedsource im Herd ist; ich wette dass dann jeder Opensourceschreihals doch die Herdplatte einschaltet.
Wenn Debian irgendwann grundsätzlich alle Closedsourcefirmware verbieten sollte, dann wäre ich traurig, aber würde mich nach einer anderen Distri umsehen; sollte Debian es endlich schaffen dem einfachen Anwender die (freie) Wahl zu lassen (ich fühle mich da auf der Debian-Homepage doch sehr gegängelt), freue ich mich einfach nur 🙂
Ich sehe es als Pragmatismus, nicht als Verrat. Ich will mit meinem Computer arbeiten und Freie Software ist zwar etwas sehr gutes aber für mich kein Selbszweck.
Deine Hardware wird komplett von freier Software im Sinne der DFSG unterstützt? Glückwunsch, dürfte aber doch eher eine seltene Ausnahme sein.
Haha,
gibt bestimmt bald eine Abspaltung die dann “debbie-freed” heißt und deren Versionen dann nach berühmten Freiheitskämpfern benannt werden, ich denke da an “Che 1.0” oder “Mao 2.1”, allerdings laufen die dann nicht mehr auf gar keinen Laptops 😀
Aber es könnte so einfach sein, dass man beim Klick auf Download gefragt wird, welche ISO man ziehen möchte… gab es da mal nicht so eine HomePage auf der man sich sein “Linuxsystem” zusammenklicken kann und dann ne Iso generiert wird zum Download?!
Gruß
Sei doch mal optimistisch 😀.
Meistens trifft dann irgendein Mittelweg ein.
Und als echt großer Debian-Fan habe ich immer Hoffnung 😀
Bei der Gelegenheit wird Systemd mit rausgeworfen. Dass bereits Devuan exstiert interessiert nicht. Denn es kommt auch ein neues libre-wallpaper!!!
Die Änderung ist überfällig. Einem Neueinsteiger wird es mit dem derzeitigen Zustand fast unmöglich gemacht, Debian zu installieren, obwohl der Installer mittlerweile eigentlich recht einfach zu bedienen ist. Debian macht sich damit auch ehrlicher.
Debian ist nicht für Einsteiger gedacht. Jeder der das empfiehlt, hat wohl noch nie Debian benutzt.
Insofern verstehe ich die jahrelangen Bemühungen nicht, es extrem einsteigerfreundlich zu machen. Ich verstehe, Systeme möglichst einfach zu machen, aber einsteigerfreundlich ist nochmal etwas anderes.
Kein Mensch kommt auf die Idee Verkehrsflugzeuge einsteigerfreundlich zu machen, da die die das nutzen, genug Expertise haben. Der Mallorcaurlauber muss sich nicht im Cockpit zurechtfinden.
Einer der wenigen guten Kommentaren hier. So sieht’s nämlich aus.
Jeder war mal Einsteiger, was mich und Debian betrifft war das um das Jahr 2003. Die derzeitige Situation ist jedenfalls fast schizophren, die “Eingeweihten” wissen, dass man für die meiste Hardware das inoffizielle Image braucht, aber es wird fast nirgends erwähnt, fast so, als wäre das was unanständiges.
Ich habe für eine Installation – auch auf nagelneuer Laptop-Hardware – noch nie ein inoffizielles Image benötigt. LAN ging immer und wenn unfreie Firmware benötigt wurde, dann konnte man sie im Nachgang installieren.
Der moderne Laptop-Mensch von heute hat leider oft kein einziges LAN-Kabel mehr (oder hatte noch nie eins), während ich bestimmt mehr als 20 davon in Längen von 30 cm bis 10 Meter vorhalte.
Es gibt für 15€ (USB3) ode 20€ (USB-c) aufwärts RJ-45 auf USB-Adapter.
So was leiegt schon seit mehr als einem Jahrzehnt in der Berietschaftstasche für evtl. Notfälle. Dazu auch noch 5m Patch-Kabel, für den Fall dass gerade keins greifbar sein sollte.
Insofern verstehe ich weder die ganze Diskussion, noch das Problem an sich.
Die Realität ist mittlerweile eine andere.
Viele (junge) Leute haben kein “Festnetz” mehr, brauchen Sie auch nicht. Wenn der Laptop online soll, wird ein Hotspot vom Smartphone genutzt….
Dafür könnte man aber auch gut USB-Tethering nehmen, wofür man keine Firmware braucht.
Mein Laptop hat gar keinen LAN-Anschluss mehr, Kabel hätte ich noch genug. Abgesehen davon, was ist “moralisch” daran besser, die Firmware zu einem soäteren Zeitpunkt dann doch zu installieren?
Der Vergleich mit Verkehrsflugzeugen ist mir zu weit hergeholt. Wenn schon, dann vergleiche es doch bitte mit Autos und keiner (egal ob “Einsteiger” oder “Experte”) würde heute noch ein Fahrzeug kaufen, dass erst 5000 km eingefahren werden muss und für das man Werkzeug braucht, um eine Sicherung zu wechseln.
Aus diesem Grund finde ich die Floskel “ist nicht für Einsteiger gedacht” falsch und kontraproduktiv.
OT
Du musst heute ohne eigenes Auslesegerät lediglich bei jedem leuchtenden Warnlämpchen in die Werkstatt – da wäre mir das Einfahren lieber!
Sehr gut! Hoffen wir mal das es eine schnelle und zufriedenstellende Entscheidung geben wird und nicht eine ewige Diskussion …aber ich bin guter Dinge. Danke Steve!