Wie in jedem Jahr stand im Frühjahr die Wahl des Debian Projektleiters (DPL) an. Andreas Tille, der in den vergangenen zwei Jahren das Amt innehatte, kandidierte nicht mehr. Als einzige Kandidatin trat die indische Entwicklerin Sruthi Chandran an, die sich bereits 2020, 2021 und 2024 erfolglos zur Wahl gestellt hatte. Sie ist seit 2016 in Debian aktiv und gehört unter anderem dem Outreachy-Team an.
Erste weibliche DPL
Somit hatten in diesem Jahr die Debian-Entwickler die Wahl zwischen Chandran als DPL oder NOTA, also »None of the above«, was dazu führen würde, dass der Prozess von vorn beginnt. Das war aber nicht nötig, denn Chandran erreichte das nötige Quorum mit 289 Stimmen und trat bereits gestern ihren Turnus als erste weibliche DPL an. Fünfzig Entwickler hatten sich für NOTA entschieden. Chandras Wahlplattform legt einen starken Fokus auf die Verbesserung der Diversität in Debian.
Debian vor dem baldigen Ende?
Auf Social Media wird die Tatsache, dass sich bei einem Projekt mit rund tausend Entwicklern nur ein Kandidat zur Wahl stellt, als Niedergang und baldiges Ende von Debian propagiert. Tatsache ist jedoch, dass bereits in den Jahren 2011, 2016, 2018 und 2023 ebenfalls nur ein Kandidat zur Wahl stand. Alle Kandidaten wurden gewählt, NOTA hat noch nie eine Wahl gewonnen. Der Grund für fehlende Kandidaten liegt eher darin, dass der Posten des DPL nicht sonderlich beliebt ist, da es ein reiner Verwaltungsjob ist, der viel Zeit frisst und oft schwierige Entscheidungen erfordert.

Je öfter wir betonen, daß bei xyz erstmals ein Frau etwas macht, umso weiter entfernen wir uns von Geschlechterneutralität. Ob eine Frau oder ein Mann leitet ist so interessant wie der berühmte Sack Reis. Das hervorzuhebn ist genauso diskriminierend wie Genderasprech. Denn statt nicht auf das Geschlecht zu achten, wird besonders darauf geachtet um es dann aber hervorzuheben. Schizophren
Wenn Chandran wirklich ihren “Diversitäts Plan” durchzieht, halte ich eine Abwanderung von Entwicklern*innen für real.
Wir hatten bei uns in der Firma eine Nonbinäre Person zu Gast die ihren Bachelor in “Signs of gender studies” gemacht hat.
Ens Aufgabe bestand darin Firmen zu dem Thema Diversität zu beraten und Mitarbeitende zu sensibilisieren…
Ich wurde für den Unfug immerhin freigestellt und Bezahlt, aber als Ehrenamtlicher Entwickler würde ich das nicht mitmachen.
Also, ich lese aus dem verlinkten Bewerbungsschreiben zu Diversifizierung recht Vernünftiges raus: Zuerst analysieren, wo Geld sinnvoll eingesetzt ist und wo nicht. Außerdem will sie versuchen Debian zu stärken, indem kompetente Menschen mit allen möglichen Hintergründen fürs Projekt gewonnen werden. Das strahlt meiner Meinung nach automatisch auch positiv auf ein breiteres „Ökosystem“ aus (ich mag das Wort nicht, aber mir fällt gerade kein besseres ein). Warum mein Vorkommentator so Bedenken vor Unterschiedlichkeit von Menschen hat, erschließt sich mir nicht. Kommt ja immer darauf an, wie das alles umgesetzt wird.
“indem kompetente Menschen mit allen möglichen Hintergründen fürs Projekt gewonnen werden.”
Das heißt ja implizit, dass das bisher nicht der Fall gewesen wäre und man bestimmte Leute bevorzugt hätte. Das ist ja erst einmal ein Vorwurf der im Raum steht.
“Debian wählt erstmals weibliche Projektleiterin”
Richtig müßte es heißen: weiblichen Projektleiter.
Projektleiter also – wie üblich – als geschlechtsfreier Begriff in diesen Zusammenhang verwendet.
Gendern (- meine nicht Dich, Ferdinand -) verwirrt die Menschen, sie verstehen ihre eigene Sprache und deren Worbedeutungen nicht mehr.
Ansonsten kann man froh sei, daß es keine männliche Projektleiterin geworden ist…
In dem Zusammenhang, fällt mir ein Interview von Jean (Linux Guides) mit Andreas Tille bei den CLT 2026 ein. Es ist ganz interessant, was ein Debian Project Leader alles für Aufgaben hat.
Link dazu: https://youtu.be/NQmKktOAOf0
Da von einem baldigen Ende von Debian zu sprechen, sehe doch ich als weit her geholt. Meine Meinung dazu.
In den Kommentaren auf Phoronix konnte man das dieser Tage mehrmals lesen. Einer ist sogar überzeugt, dass es 2030 kein Debian mehr gibt.
Danke für den Link. Ich gucke mir das sicher die Tage mal an – finde es gut auch ein bisschen zu den (demokratischen und verwaltungstechnischen) Prozessen hinter der genutzten Software Bescheid zu wissen. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass es da reichlich mühsame Aufgaben gibt. Ich war mal ein paar Jahre ehrenamtlich im Vorstand eines europaweiten Netzwerks von Organisationen und weiß, dass solche Aufgaben oft nicht vergnügungssteuerpflichtig sind.
Schoen das sich jemand gefunden hat, der den Job ueberhaupt macht.
Es zeigt allerdings auch, das die Bereitschaft extrem nachgelassen hat, etwas im Bereich Linux fuer Linux zu tun. Man hatte es schon frueher immer befuerchtet, das es mal so kommt aber immer noch gehofft.
Fuer die alten Linuxer der ersten Stunde echt schwer verdaulich.
Glückwunsch an Chandran. Viel Erfolg Debian!
Zitat “Das Debian-Projekt ist eine gemeinnützige Einheit und stellt keine Entwickler an.“
Quelle: https://wiki.debian.org/WhyDebianForDevelopers
Das Debian Projekt verfügt zwar über Spenden, nutzt diese aber für Infrastruktur und nicht zur Entlohnung von Personen. Ich gehe davon aus, dass sich das auch auf den Projektleiter bezieht. In einer Zeit in denen Organisationen wie z.B. Vereine um die Besetzung jeglicher ehrenamtlicher Aufgaben bemühen müssen, sollten wir anerkennen, wenn jemand Zeit und Energie dem Gemeinwohl widmet.