Flathub hat seine erst im Mai eingeführten strengen Regeln für KI-generierte Software deutlich gelockert. Statt Anwendungen mit KI-generiertem oder KI-unterstütztem Code grundsätzlich auszuschließen, setzt das Flatpak-Repository künftig auf Transparenz und Einzelfallentscheidungen. Entwickler müssen den Einsatz generativer KI offenlegen, die Entscheidung über die Aufnahme einer Anwendung liegt jedoch weiterhin im Ermessen von Flathub.
Verbot aufgeweicht
Im Mai 2026 hatte Flathub ein weitreichendes Verbot beschlossen. Anwendungen, die KI-generierten Code, Dokumentation oder andere mithilfe generativer KI erstellte Bestandteile enthielten, sollten nicht mehr aufgenommen werden. Lediglich für etablierte und gut gepflegte Projekte waren Ausnahmen vorgesehen. Jetzt vollzog Flathub in seiner Dokumentation auf GitHub eine Kehrtwende. Entwickler müssen künftig angeben, welche Teile ihrer Anwendung oder ihrer Flatpak-Paketierung mit generativer KI erstellt wurden. Dabei ist auch der ungefähre Umfang der KI-generierten Bestandteile offenzulegen.
Nicht jeder Einsatz von KI muss ab jetzt dokumentiert werden. Wer KI-Werkzeuge beispielsweise für Recherchen, Diskussionen oder die Fehlersuche verwendet, ohne deren generierte Inhalte in die Anwendung oder ihre Paketierung zu übernehmen, ist von der Offenlegungspflicht ausgenommen.
Keine garantierte Aufnahme
Eine solche Erklärung garantiert allerdings keineswegs die Aufnahme in Flathub. Die Prüfer können weiterhin Anwendungen zurückweisen, wenn sie den Umfang oder die Bedeutung des KI-generierten Codes für problematisch halten oder Zweifel an dessen Qualität, Überprüfbarkeit und langfristiger Wartbarkeit bestehen. Eine Ablehnung ist dabei auch ohne weitergehende Prüfung möglich.
Grenzen für KI-Agenten bleiben bestehen
Unverändert streng bleibt Flathub beim eigentlichen Einreichungs- und Prüfprozess. KI-Agenten dürfen keine Pull Requests zur Aufnahme von Anwendungen eröffnen oder automatisieren. Auch Commit-Nachrichten, Beschreibungen, Review-Kommentare und Antworten dürfen nicht von KI generiert werden. Ebenso untersagt bleibt die Anforderung automatischer Reviews durch KI-Agenten.
Wer KI-generierte Bestandteile verschweigt, ihren Umfang wesentlich falsch darstellt oder gegen die Regeln des Einreichungsverfahrens verstößt, riskiert die Ablehnung seiner Anwendung. Wiederholte Verstöße können zum dauerhaften Ausschluss von weiteren Einreichungen führen.
Pragmatischer Kurswechsel
Mit der Neuregelung verabschiedet sich Flathub von einem pauschalen Verbot zugunsten einer differenzierteren Bewertung. Das trägt der zunehmenden Verbreitung KI-gestützter Entwicklungswerkzeuge Rechnung, ohne die Qualitätskontrolle grundsätzlich auszuhebeln.
Allerdings verlagert Flathub damit auch einen Teil der Verantwortung in den Review-Prozess. Hier müssen die Prüfer künftig nicht nur die technische Qualität einer Anwendung beurteilen, sondern gegebenenfalls auch einschätzen, inwieweit KI-generierte Bestandteile deren Sicherheit und Wartbarkeit beeinträchtigen könnten. Inwieweit das bei der erwartbar wachsenden Zahl von Einreichungen leistbar ist, wird sich in der Praxis zeigen müssen.
