Nicht nur das neue TUXEDO OS auf der Basis von Debian Testing sondern auch die mit Spannung erwartete Distribution KDE Linux setzen auf die Systemwiederherstellung mittels Btrfs-Snapshots.
KIO Snapshot
Ein aktueller Blogeintrag von KDE-Entwickler Bharadwaj Raju bringt erfreuliche Nachrichten für Anwender dieser und ähnlicher Distributionen: KDE integriert mit KIO Snapshot Btrfs-Snapshots direkt in seine Anwendungen. Eine erste stabile Version 1.0 wurde gerade veröffentlicht. Damit lassen sich ältere Versionen von Dateien direkt im Dateimanager Dolphin aufrufen, ohne dafür ein separates Werkzeug zur Verwaltung von Btrfs-Snapshots öffnen zu müssen.
Btrfs kann dank Copy-on-Write platzsparend Snapshots von Subvolumes anlegen. Bislang fehlte unter Linux allerdings die Integration dieser Funktion in den Dateimanager, wie sie beispielsweise Windows mit den Previous Versions oder macOS mit Time Machine bietet. Genau diese Lücke soll KIO Snapshot für KDE schließen.
Im Kontextmenü von Dolphin
Nach der Installation können Anwender in Dolphin eine Datei mit der rechten Maustaste auswählen und sich deren in Snapshots vorhandene ältere Versionen anzeigen lassen. Statt eines speziellen Wiederherstellungsdialogs setzt Raju dabei auf einen virtuellen Ordner. Dadurch lassen sich frühere Versionen wie normale Dateien behandeln, beispielsweise öffnen, kopieren oder mit Werkzeugen zum Dateivergleich untersuchen. Daneben können Anwender komplette Verzeichnisbäume eines Subvolumes zu verschiedenen Snapshot-Zeitpunkten durchsuchen.
KIO Snapshot verwaltet keine Snapshots
KIO Snapshot selbst erstellt oder verwaltet allerdings keine Snapshots. Dafür sind weiterhin Werkzeuge wie Snapper zuständig. KIO Snapshot kümmert sich ausschließlich darum, bereits vorhandene Btrfs-Snapshots für KDE-Anwendungen zugänglich zu machen. Damit ersetzt die Erweiterung auch Werkzeuge wie Btrfs Assistant nicht, sondern ergänzt sie um den Zugriff auf einzelne Dateien und Verzeichnisse direkt aus dem gewohnten Arbeitsablauf.
Keine Root-Rechte erforderlich
Technisch greift KIO Snapshot über die Bibliothek libbtrfsutil aus den Btrfs-Progs auf das Dateisystem zu und nutzt zudem das KDE-Framework Solid für Informationen über Dateisysteme und Mountpoints. Dabei kommt die Implementierung ohne einen mit Root-Rechten laufenden Dienst aus. Der neue KIO-Worker stellt das Protokoll snapshot:// bereit, das grundsätzlich mit Anwendungen arbeiten kann, die KDE Frameworks verwenden.
Nicht festgelegt
Die Implementierung ist dabei nicht auf eine bestimmte Anordnung oder ein bestimmtes Verwaltungswerkzeug für Btrfs-Snapshots festgelegt. Über libbtrfsutil ermittelt KIO Snapshot die für den jeweiligen Benutzer zugänglichen Subvolumes und kann daraus deren Snapshots zuordnen. In einer Diskussion auf Reddit wurde deshalb auch bestätigt, dass die Integration grundsätzlich mit unterschiedlich erzeugten Btrfs-Snapshots funktionieren kann. Bei Snapper müssen Benutzer allerdings entsprechend berechtigt sein; Raju nennt dafür die Einträge ALLOW_USERS und SYNC_ACL=yes in der Snapper-Konfiguration.
KDE Linux macht Snapshots zum Standard
Die KDE-eigene Distribution KDE Linux soll Snapper und KIO Snapshot demnächst standardmäßig ausliefern. Dafür wurde auch das Dateisystemlayout angepasst: Die Home-Verzeichnisse der Benutzer werden als eigene Subvolumes angelegt und Snapper automatisch für die Benutzer konfiguriert. Die Arbeiten sind Teil einer größeren, durch eine Spende der Sovereign Tech Agency unterstützten Initiative, Backup und Wiederherstellung in KDE Linux zu verbessern.
