Linus Torvalds hat am gestrigen Sonntagabend Linux 7.2 freigegeben. Trotz einer erneut ungewöhnlich umfangreichen letzten Entwicklungswoche erschien der Kernel damit nach sieben Release Candidates planmäßig. Torvalds bezeichnete die hohe Zahl kurzfristig eingehender Änderungen bis zum letzten RC als »new normal«. Ein Grund dafür ist der zunehmende Einsatz von KI-Werkzeugen, die Fehler im Kernel-Code aufspüren und dadurch für zusätzliche Bugreports und Patches sorgen. Eine weitere Verzögerung des Release aus diesen Gründen würde laut Torvalds dazu führen, dass »vermutlich überhaupt keine Veröffentlichung zustande käme«.
Was bringt Linux 7.2?
Zu den wichtigsten Neuerungen zählt ein erweitertes Cache Aware Scheduling. Der Scheduler kann dabei die Cache-Topologie moderner Prozessoren stärker berücksichtigen und Tasks bevorzugt dort platzieren, wo sich benötigte Daten bereits in einem gemeinsam genutzten Cache befinden. Davon sollen insbesondere Prozessoren mit vielen Kernen wie AMD Epyc und Intel Xeon profitieren.
Hardware-Unterstützung
Auch bei der Hardware-Unterstützung legt Linux 7.2 deutlich zu. Der AMDGPU-Treiber erhält erste Unterstützung für HDMI 2.1 Fixed Rate Link (FRL). Intel hat hierzu gleich 44 Patches aus der Schublade gezogen. Hinzu kommen weitere Verbesserungen für aktuelle und kommende Prozessoren und GPUs von AMD und Intel. Der Intel-Xe-Treiber erhält erste Unterstützung für CRI-Plattformen, während Optimierungen unter anderem die Grafikleistung von Intel Arc B390 verbessern. Außerdem hält das von Intel entwickelte USB4STREAM-Protokoll Einzug in den Kernel.
Dateisysteme
Fortschritte gibt es ebenfalls bei Dateisystemen und I/O. Btrfs verwendet nun standardmäßig Large Folios, was insbesondere bei größeren sequenziellen Zugriffen die Performance verbessern kann. Daneben bringt Kernel 7.2 verschiedene I/O-Optimierungen für AMD- und Intel-Systeme. Auch die Rust-Unterstützung wächst weiter: Neu sind unter anderem die Bibliothek zerocopy für speichereffiziente Datenkonvertierungen sowie Rust-Unterstützung für die IBM-Architektur S/390.
Bei ARM-Systemen erweitert Linux 7.2 die Unterstützung für aktuelle AArch64-Erweiterungen. Für Besitzer neuerer Macs besonders interessant ist die fortschreitende Unterstützung von Apple M3: Mit Kernel 7.2 lassen sich entsprechende Systeme erstmals mit einem Mainline-Kernel booten.
Fair-Scheduling-Policy zurückgezogen
Nicht alles, was während des Entwicklungszyklus vorgesehen war, hat es in die finale Version geschafft. Kurz vor der Veröffentlichung nahm Torvalds mehrere Änderungen wieder zurück. Besonders auffällig ist die Rückkehr zum bisherigen FIFO-Scheduler im DRM-Subsystem, nachdem die neue „fair“-Scheduling-Policy Regressionen verursacht hatte. Torvalds bezeichnete solche späten Reverts als unschön, aber als richtigen Umgang mit Code, der sich noch nicht als ausreichend stabil erwiesen habe.
Weiteren Legacy-Code entfernt
Gleichzeitig geht die Bereinigung historischer Altlasten weiter. Unter anderem entfällt die Unterstützung für AppleTalk sowie für alte ISA- und PCMCIA-Adapter für ARCNet. Linux 7.2 setzt damit die bereits mit Kernel 7.1 verstärkte Entfernung kaum noch verwendeter Hardware-Unterstützung fort.
Mit der Veröffentlichung von Linux 7.2 öffnet sich zugleich das Merge-Window für Linux 7.3. Nach Angaben von Torvalds lagen zum Zeitpunkt der Freigabe bereits rund 40 Pull Requests für den nächsten Entwicklungszyklus vor.
