Linus Torvalds hat Linux 7.3 freigegeben. Der neue Kernel bringt Verbesserungen für AMD-, Intel- und Nvidia-Grafikkarten, optimiert die Speicherverwaltung bei Spielen und erweitert die Unterstützung für aktuelle Hardware. Auch Btrfs, NTFS und der SMB-Server profitieren von Neuerungen.
Rekordbeteiligung
Am Sonntag, dem 18. Oktober, hat Linus Torvalds Linux 7.3 veröffentlicht. Die Entwicklung verlief weitgehend planmäßig, größere Probleme gab es in der letzten Woche nicht mehr. Für den Entwicklungszyklus von Linux 7.4 kündigte Torvalds bereits einen möglicherweise ungewöhnlichen Zeitplan an, da er sich derzeit im Familienurlaub befindet.
Linux 7.3 stellt gleich mehrere Rekorde auf: Insgesamt flossen 18.765 Commits ohne Merge-Commits von 3.021 Entwicklern ein. Darunter befinden sich 807 Entwickler, die erstmals zum Linux-Kernel beigetragen haben.
Bessere Grafik und Gaming-Performance
Zu den interessantesten Neuerungen zählt eine verbesserte Verwaltung des Grafikspeichers. Die unter anderem von Valve vorangetriebenen Änderungen sollen insbesondere dann helfen, wenn Spiele mehr Videospeicher benötigen, als die Grafikkarte bereitstellen kann. Die neue Speicherverwaltung kann in solchen Situationen effizienter mit GPU-Speicher umgehen und damit Leistungseinbrüche reduzieren. Davon sollen sowohl AMD- als auch Intel-Grafikkarten profitieren.
Der AMDGPU-Treiber unterstützt weitere Grafikkomponenten kommender AMD-Generationen. Auch ältere Radeon-Grafikkarten erhalten Verbesserungen. Bei Intel ist die integrierte Xe3P-Grafik der kommenden Nova-Lake-Prozessoren nun standardmäßig aktiviert. Der freie Nvidia-Treiber Nouveau erhält unter anderem Verbesserungen für aktuelle Blackwell-Grafikkarten sowie bei der Energieverwaltung und der Nutzung von Vulkan Video mit dem quelloffenen, von Grund auf neu entwickelten NVK-Treiber, einem Vulkan-Grafiktreiber für Nvidia-Grafikkarten im Rahmen des Mesa-Projekts.
Neue Hardware und Eingabegeräte
Linux 7.3 erweitert die Unterstützung für kommende AMD-Prozessoren mit Zen-6-Architektur. Auch bei Intel gibt es Optimierungen für Prozessoren mit unterschiedlichen CPU-Typen.
Bei den Eingabegeräten ist die erste Kernel-Unterstützung für Valves neuen Steam Controller hinzugekommen. Weitere Änderungen betreffen unter anderem die Controller der MSI-Claw-Handhelds, zusätzliche WLAN-Chips von Realtek und NXP sowie einzelne Funktionen aktueller Lenovo-ThinkPads.
Auch Apples M3-Pro-, M3-Max- und M3-Ultra-Chips erhalten erste Unterstützung. Bis zu einem vollständig nutzbaren Linux-System auf entsprechender Apple-Hardware sind allerdings noch weitere Arbeiten erforderlich.
Dateisysteme: Verbesserungen für Btrfs, NTFS und SMB
Bei Btrfs haben die Entwickler an der Performance gearbeitet. Gleichzeitig entfällt die bereits seit Längerem veraltete erste Version des Free-Space-Caches. Bestehende Dateisysteme bleiben nutzbar, könnten ohne Umstellung auf die neuere Cache-Version allerdings langsamer arbeiten.
Der NTFS3-Treiber unterstützt jetzt grundlegende Funktionen der unter Windows verwendeten Alternate Data Streams (ADS). Damit verbessert sich die Kompatibilität beim Austausch von Dateien zwischen Windows und Linux.
Auch der im Kernel integrierte SMB-Server ksmbd wurde erweitert. Er unterstützt nun unter anderem Apples Time Machine und ermöglicht eine gezielte SMB3-Verschlüsselung einzelner Freigaben. Damit wird Linux als Dateiserver in gemischten Netzwerken flexibler.
Optimierungen unter der Haube
Der EEVDF-Scheduler (Earliest Eligible Virtual Deadline First) wurde insbesondere für Systeme mit vielen Prozessorkernen überarbeitet. Die Änderungen sollen den Verwaltungsaufwand reduzieren und Latenzen verbessern. Davon könnten vor allem leistungsfähige Workstations und Server profitieren.
Weitere Verbesserungen betreffen die Speicherverwaltung virtueller Maschinen sowie den mit eBPF programmierbaren Scheduler sched_ext. Auch an der Sicherheit wurde gearbeitet: AppArmor kann jetzt komprimierte Sicherheitsrichtlinien laden, während Landlock zusätzliche Möglichkeiten zur Absicherung von Prozessen erhält.
Damit beginnt das zweiwöchige Fenster für Einreichungen zu Linux 7.4, dem letzten Kernel im laufenden Jahr. Mit dessen Veröffentlichung ist bei einem normalen Entwicklungszyklus kurz vor oder nach Weihnachten zu rechnen.
