Mozilla KI

Standortbestimmung: Mozilla und KI

Ich denke, wir sind uns alle einig, dass wir KI weder wegwünschen noch auf lange Sicht komplett ignorieren können. Viele Distributionen und Projekte in Linux und Open Source und auch die Free Software Foundation und die Kernel-Entwickler beschäftigen sich damit, wie man mit KI umgehen soll und wie die positiven Teile produktiv eingesetzt werden können, ohne dabei den Open Source-Gedanken zu verraten. Die entscheidende Frage ist: Was darf KI im Umfeld von Open Source und Freier Software?

Von Beginn an dabei

Mozilla entwickelt bereits seit über zwei Jahren an einem Projekt, das als vertrauenswürdige KI bezeichnet wird. Zunächst wurde das Projekt llamafile vorgestellt, um lokale transparente KI zu fördern, die den Schutz der Privatsphäre obenan stellt. Daraus entwickelte Funktionen flossen in der Folgezeit in Firefox ein. Dabei ging es zunächst um die Übersetzung und Zusammenfassung von Texten oder um Barrierefreiheit, etwa in der Form automatischer Bildbeschreibungen in PDFs.

Chatbots und Perplexity

Seit Firefox-Version 133 ist eine KI-Chatbot-Sidebar zunächst in den Nightly-Versionen verfügbar, die ChatGPT, Gemini, HuggingChat und Mistral als wählbare Assistenten anbietet. Mit Firefox 139 wurde Mitte des Jahres für ausgewählte Nutzer auch in Deutschland die KI-Suchmaschine Perplexity als Suchoption experimentell eingeführt. Alle diese Funktionen sind als Opt-in angelegt und müssen nicht benutzt werden. Es gibt allerdings Stimmen, denen bereits der deaktivierte Code ein Dorn im Auge ist.

AI Window

Kürzlich startete Mozilla die Entwicklung des »AI Window«, das ein KI-Assistenten-Fenster direkt im Browser als Opt-in darstellt. Ein begleitender Blogeintrag beschreibt Mozillas Strategie für KI und wie die Nutzer die KI in Firefox mitgestalten können. Im Gegensatz zu anderen Browsern, die KI erzwingen oder permanent einsetzen, möchte Firefox den unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzer gerecht werden und Kontrolle sowie Privatsphäre bieten. KI soll unterstützend wirken, ohne den Nutzer zu binden oder den Browser zu dominieren. Die Community soll aktiv in die Mitgestaltung der KI-Features eingebunden werden, um Firefox als schnellen, sicheren und privaten Browser weiterzuentwickeln.

Heftige Kritik

Das KI-Fenster soll neben dem gewohnten Browser- und dem Privatmodus eine dritte optionale Ebene bilden, die den Nutzer, falls gewünscht, beim Browsen unterstützt. Die neue Funktionalität soll offen entwickelt werden, erfährt aber bereits zu Beginn heftige Ablehnung aus der Community im bereitgestellten Diskussionsfaden.

Wieder einmal sprintet Mozilla hinter den dümmsten Tech-Trends her und konzentriert sich überhaupt nicht darauf, das Produkt zu verbessern. Ich habe denselben Unsinn von Krypto- und NFT-verrückten Spinnern gehört, und auch von Mozilla, bis sie zu Recht dazu gezwungen wurden, die Unterstützung für Kryptowährungs-Spenden einzustellen.

Hört auf, Unsinn zu verfolgen, und arbeitet lieber daran, dass euer Browser in WIRKLICHEN Bereichen wie Geschwindigkeit und Funktionalität mit Chromium konkurrieren kann, statt in digitalen Halluzinationen.

https://connect.mozilla.org/t5/discussions/building-ai-the-firefox-way-shaping-what-s-next-together/td-p/109922

Eine sinnvolle Forderung ist ein prominent angebrachter Schalter, um jegliche KI abzuschalten, ohne dazu an verschiedenen Stellen die Konfiguration in about:config editieren zu müssen.

Mozilla: Heraushalten ist keine Lösung

Mozilla hält den Kritikern entgegen:

Das Internet verändert sich, und es hilft niemandem, wenn man sich heraushält.

Stillstand in einer sich weiterentwickelnden Technologie ist weder für das Internet noch für die Menschen, die es nutzen, von Vorteil. Deshalb sehen wir es als unsere Verantwortung an, die Integration von KI in das Internet so zu gestalten, dass Offenheit, Transparenz und Wahlmöglichkeiten gefördert werden. Auf diese Weise können Nutzer und Entwickler sie frei nutzen, mitgestalten und wirklich davon profitieren.

https://www.firefox.com/en-US/ai

https://connect.mozilla.org/t5/discussions/building-ai-the-firefox-way-shaping-what-s-next-together/m-p/110127

Mozilla scheint entschlossen, den Weg der Integration von KI in Firefox als Opt-in weiterzugehen. Somit bleibt den Kritikern lediglich Vivaldi als Browser ohne KI. Wie steht ihr zu KI im Browser, zu reinen KI-Browsern wie Atlas oder Comet und insbesondere zu KI in Firefox?

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11 Kommentare

  1. Ich benutze meine eigene KI und wo es auf Grund der Zusammenarbeit mit Kunden usw. erforderlich ist, auch Claude und ChatGPT. Dabei möchte ich selber entscheiden, wo ich nachfrage. Schon darum ist mir Copilot suspekt. Welchen Mehrwert kann eine KI Schnittstelle im Browser bringen?
    – Übersetzung fremdsprachiger Texte. Selbst Chromium will mir – trotz daß ich es anders einstelle immer englische und spanische Texte in Deutsch übersetzen – brauch ich nicht – will ich vielleicht bei anderen Sprachen, aber das kann ich auch selber auslösen.
    – Prompt – OK, macht Sinn – genauso wie das Suchfenster. Aber dann rufen wir einfach nur eine KI im Netz auf. Der Mehrwert ist begrenzt gegenüber direkt duckduckgo.com, Claude, ChatGPT oder meinetwegen meine lokale localAI Instanz aufzurufen.
    – Organisation meiner eigenen Daten – Mails, Chats, Dokumente. Ich will nicht, daß Copilot das ungefragt macht – meiner Nextcloud erlaube ich das, ich konfiguriere das explizit so (wenn es auch immer noch an manchens Stellen klemmt) – aber wo ist hier der Mehrwert den der Browser leisten kann?
    Mozilla braucht kein VC und muß anders als die Silicon Valley TechBubble niemanden mit Buzzwords überreden. Sie wären besser daran, wenn sie dem alten Unix-Motto getreu ein One Trick Pony – Browser der html darstellt – ins Rennen schicken. Es kann ein Kunststück vorführen, das aber perfekt. Alles andere sollen verknüpfte Module und Plug ins realisieren.

    Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Für mich mein Nextcloud Prompt, für meine Kollegin der Prompt zu ChatGPT, für den dritten die automatische Übersetzung aus dem Suaheli.

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  2. Ich benutze inzwischen ganz gerne Dienste wie ChatGPT oder auch den KI-Modus von Google. Aber ob ich das in einen Browser integriert brauche? Ich weiß es (im Moment) noch nicht.

    Ich bin da eigentlich eher bei @rlx und würde mir ein Firefox wünschen, dass sich wieder auf die Kernaufgabe fokussiert, nämlich einfach nur ein Browser zu sein, ohne Schnickschnack, Firlefanz und Gedöns, aber dafür zuverlässig und stabil (denn das ist Firefox nun wahrlich nicht mehr).

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  3. Ich verstehe jetzt nicht weshalb KI in den Browser intrigiert werden muss (außer vielleicht: weil alle anderen das auch machen).
    Ich wünsche mir schon lange, dass Mozilla sich vor allem auf das Wesentliche konzentriert (einen einfach guten, stabilen, schnellen, kompromisslos Datenschutz freundlichen Browser zu entwickeln). Leider habe ich den Eindruck, dass sich das Mozilla Team viel zu oft ablenken lässt.

    KI im Browser-Kontext ausprobieren – von mir aus, wenn es den unbedingt sein muss: dann aber nur als AddOn bitte.

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  4. Ich finde den verantwortungsvollen Umgang von Firefox mit KI auch gut, weil ich denke man kann dem auch nicht komplett aus dem Wege gehen.
    ich nutze z.b öfter die KI im Brave Browser um mir bei Shell-Scripten Hilfe geben zu lassen. Das war oft schon sehr erfolgreich und man kommt da manchmal schneller weiter als über eine Suchmaschine, je nachdem was man braucht oder sucht.
    Manchmal ist allerdings auch die Auskunft in der Suchmaschine besser. Zum Beispiel wenn die KI Befehle vorschlägt oder Befehlsoptionen, die das Programm dann eigentlich gar nicht hat. das hatte ich ja auch schon mal. In solchen Fällen ist es dann doch besser die reine Suchmaschine zu Rate zu ziehen.

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    1. Je mehr Ahnung man vom gesuchten Thema hat, desto eher kann man einschätzen, ob die Antworten korrekt oder halluziniert sind. Bei Themen, von denen ich nur wenig oder keine Ahnung habe, bevorzuge ich die herkömmliche Suchmaschine.

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  5. Ich finde den Weg von Mozilla gewagt, aber richtig. Wir werden in absehbarer Zeit kaum noch Software nutzen, die nicht in irgendeiner Form KI-gestützt ist. Das zu ignorieren birgt die Gefahr, abgehängt zu werden. Und alles was ich bisher mitbekommen habe, wird unter Beteiligung der Community entwickelt, kann deaktiviert werden und ist als opt in angelegt. Ich finde das ist ein verantwortungsvoller und besonnener Umgang mit der Thematik.

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    1. Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen. Ein Unternehmen wie Mozilla kann sich nicht von Entwicklungen abtrennen, denn damit schwinden auch zwangsläufig KundInnen Open Source heisst für mich auch offene Kommunikation. Was macht Mozilla wann und wie? Die community wird eingebunden und kann dann selbst entscheiden, ob und wie sie den Service nutzen will.

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        1. Weil manche nicht in der Lage sind Genus und Sexus zu unterscheiden. Ob bei denen eine Mülltonne auch ein Geschlecht hat.

          Wie auch immer, Kunde ist wirklixh sehr seltsam bei kostenloser Software.

          Und unabhängig davon: Llama bin ich froh drüber, Stichwort automatische Verschlagwortung durch KI bei Paperless NGX durch lokale KI.

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