Vor zwei Tagen berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass der schwedische Finanzinvestor EQT Partners einen möglichen Verkauf des Open-Source-Unternehmens SUSE S.A. prüft. Laut Bericht hat EQT die Investmentbank Arma Partners beauftragt, bei Private-Equity-Investoren das Interesse an einer Übernahme auszuloten. Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen erklärten, der Wert eines möglichen Deals könne bis zu sechs Mrd. US-Dollar betragen. Die Gespräche befänden sich jedoch noch in einem sehr frühen Stadium; ob es tatsächlich zu einem Verkauf kommt, sei völlig offen.
Der mögliche Verkauf würde eine weitere Station in der bewegten Eigentümergeschichte des Linux-Unternehmens markieren.
Spekulationsobjekt
In den letzten rund 20 Jahren hat SUSE mehrfach den Besitzer gewechselt. Gegründet wurde das Unternehmen 1992 in Nürnberg als Gesellschaft für Software und Systementwicklung mbH (S.u.S.E.) von vier Linux-Enthusiasten. 1998 wurde der Name zu SuSE verkürzt, seit 2006 tritt das Unternehmen unter der Schreibweise SUSE auf. Die erste eigene Distribution, SuSE Linux, erschien 1996 und basierte auf Jurix Linux.
Ende 2003 gab Novell die Übernahme der SuSE LINUX AG für rund 210 Mio. US-Dollar bekannt. In der Folge wurde der Unternehmenssitz in die USA verlegt. Als Novell im Jahr 2011 von der Attachmate Group, einem Private-Equity-Konsortium mit Unterstützung unter anderem von Microsoft, übernommen wurde, wechselte SUSE erneut den Eigentümer. Der Firmensitz wurde in diesem Zuge wieder nach Deutschland verlagert.
2014 ging SUSE im Zuge der Übernahme der Attachmate-Gruppe in den britischen Softwarekonzern Micro Focus über. Dieser verkaufte das Unternehmen 2019 für rund 2,5 Milliarden US-Dollar an den schwedischen Finanzinvestor EQT Partners. Zwei Jahre später brachte EQT SUSE an die Börse in Frankfurt. Bereits 2023 zog der Investor das Unternehmen jedoch wieder vom Kapitalmarkt zurück und übernahm sämtliche Anteile.
Die Offerte an die Minderheitsaktionäre lag bei 16 EUR je Aktie und bewertete SUSE mit rund 2,72 Mrd. Euro. Sollte ein Verkauf im Bereich der anvisierten 6 Mrd. USD zustande kommen, wäre dies eine Verdopplung des Marktwerts in rund drei Jahren.
KI belebt das Geschäft
Der mögliche Verkauf fällt in eine Phase, in der Infrastruktursoftware im Zuge des KI-Booms verstärkt in den Fokus von Investoren rückt. Distributionen wie SUSE Linux Enterprise Server bilden in vielen Unternehmen die Basis für Rechenzentrums- und Cloud-Infrastrukturen, auf denen auch KI-Workloads laufen.

Die Entwicklungen rund um Suse sind schon erstaunlich. Als eines der führenden Open Source Unternehmen, das in vielen Unternehmen die Basis für Rechenzentrums und Cloud Infrastruktur bildet, wäre es nur logisch, dass es auch von deutschen Investoren gestützt wird. Stattdessen hat es eine bewegte Eigentümergeschichte durchlaufen, von Novell über Attachmate und Micro Focus bis hin zu EQT Partners.
Die Frage, warum deutsche Investoren nicht selbst an Suse festgehalten haben, ist berechtigt. Ein so wichtiges und zuverlässiges Betriebssystem wie Suse Linux Enterprise Server ist für viele Unternehmen unverzichtbar, besonders in Zeiten, in denen KI Workloads an Bedeutung gewinnen. Es scheint, als ob die deutsche Wirtschaft hier eine Chance versäumt hat, ein starkes und innovatives Technologieunternehmen im eigenen Land zu behalten.
Die ständige Unsicherheit durch Verkaufsgerüchte und Besitzerwechsel kann nicht förderlich für die langfristige Entwicklung und Stabilität der Technologie sein. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Beständigkeit in der Führung eines so wichtigen Unternehmens gäbe. Vielleicht wäre es auch ratsam gewesen, die Entscheidungsfindung stärker an den technologischen Bedürfnissen und den wirtschaftlichen Vorteilen für Deutschland auszurichten.
Es ist ein Beispiel, wie die Entscheidung, ein so verlässliches Betriebssystem an ausländische Investoren abzugeben, zu einer unsicheren Zukunft für das Unternehmen führen kann. Besonders in Anbetracht der Parallelen zu Kuka und deren Verkauf an ausländische Unternehmen zeigt es, dass die deutsche Wirtschaft möglicherweise noch an ihrem Ansatz arbeiten muss, wie sie ihre technologischen Schätze bewahrt und entwickelt.
Neben den Mitarbeitern wird hier die Kundschaft verkauft.
Bei dem Preis kann man sich ausrechnen, wer von der Konkurrenz Interesse daran hat, das Marktumfeld zu bereinigen.
Bei Red Hat war es IBM.
Was ist das Ergebnis Deiner Rechnung?
Am Ende kann man nur hoffen, dass es für SuSe und den Mitarbeitern gut ausgeht. Ich befürchte allerdings, dass das Gegenteil passieren wird.
Für mich persönlich verbinde viel Linux Nostalgie mit OpenSuse aber mehr auch heute leider nicht mehr.
Wird nix werden. Einmal in den Faengen der Finanzinvestoren gibt’s kein zurueck.
Außer die Mitarbeiter machen’s wie bei Owncloud…. (da hat es ja schon zweimal “Häutungen” mit anschließenden Neugründungen gegeben).
Aber dazu ist Suse wohl ein bisschen zu groß….
Es wäre schon toll, wenn Suse wieder einen Eigentümer, der sich für die Firma und ihre weitere Entwicklung interessieren würde – und nicht nur ihren Wiederverkaufswert.
Aber das wird wohl eine unerfüllte Hoffnung bleiben.