Mozilla treibt seine Strategie für offene KI derzeit gleich an mehreren Stellen voran. Einerseits soll eine neue Partnerschaft mit dem französischen KI-Unternehmen Mistral mehr Auswahl bei KI-Funktionen in Firefox schaffen, andererseits arbeitet Mozilla gemeinsam mit dem kanadischen Forschungsinstitut Mila an einer offenen Infrastruktur, mit der Unternehmen und öffentliche Einrichtungen KI-Systeme auf eigener Hardware betreiben können.
Mistral Small 4 für Firefox
Im Rahmen der Partnerschaft mit Mistral soll das unter Apache 2.0 veröffentlichte Modell Mistral Small 4 in die Beta von Firefox Smart Window integriert werden. Smart Window ist Mozillas derzeit am weitesten gehende KI-Integration für Firefox. Sie soll dabei helfen, umfangreiche Recherchen nachzuvollziehen, zuvor besuchte Inhalte wiederzufinden und Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen.
Mistral Small 4 wird zunächst Anwendern der Smart-Window-Beta in den USA und Kanada zur Verfügung stehen. Gleichzeitig weitet Mozilla den Test von Smart Window auf Frankreich aus. Weitere europäische Länder sollen zeitnah folgen.
Mozilla begründet die Wahl von Mistral unter anderem mit der Apache-2.0-Lizenz, wodurch sich das Modell selbst betreiben und anpassen lässt. Mistral Small 4 kombiniert Funktionen für klassische Chat-Anwendungen, schrittweises Schlussfolgern, Programmierung und die Verarbeitung von Text und Bildern.
Dabei soll Mistral nicht zum alleinigen KI-Anbieter in Firefox werden. Mozilla hebt ausdrücklich hervor, dass Anwender weiterhin zwischen mehreren Modellen beziehungsweise Diensten wählen können. Zudem können Nutzer die KI-Funktionen des Browsers vollständig abschalten.
Damit geht Mozilla einen anderen Weg als die meisten großen Browserhersteller, die ihre Produkte eng mit einem eigenen KI-Modell oder einem einzelnen Anbieter verzahnen. Nach Ansicht von Mozilla droht damit eine Konzentration, bei der wenige Unternehmen gleichzeitig Browser, Suchmaschine, KI-Modell und die zugehörige Infrastruktur kontrollieren.
KI unter eigener Kontrolle
Noch grundsätzlicher ist eine zweite Initiative, die Mozilla gemeinsam mit dem kanadischen KI-Forschungsinstitut Mila gestartet hat. Ziel ist eine quelloffene Basis, auf deren Grundlage Organisationen komplette KI-Systeme selbst betreiben können. Statt lediglich ein offenes Modell bereitzustellen, soll damit auch die bislang oft aufwendige Infrastruktur für den produktiven Einsatz abgedeckt werden.
Mila übernimmt die technische Leitung und Koordination des Projekts, Mozilla bringt seine Erfahrung mit offener Infrastruktur ein und finanziert den Start mit fünf Millionen US‑Dollar. Der kanadische Hardwareanbieter Hypertec steuert für das erste Jahr eine weitere Million Dollar bei, während die kanadische Regierung das Vorhaben ebenfalls unterstützt.
Die geplante Plattform soll deshalb aus zwei Teilen bestehen. Offene Schnittstellen sollen zunächst festlegen, wie die einzelnen Komponenten eines KI-Stacks zusammenarbeiten. Dadurch sollen sich etwa Modelle oder andere Bestandteile austauschen lassen. Zusätzlich entsteht eine Referenzimplementierung, die Organisationen auf eigener oder selbst gewählter Hardware installieren können. Modelle, Daten und Zugriffskontrollen sollen dabei gänzlich unter der Kontrolle des Betreibers bleiben.
Als Beispiel nennt Mozilla ein Unternehmen, das einen internen KI-Assistenten mit Handbüchern, Projektdaten oder anderen Dokumenten betreibt. Die Daten würden in diesem Fall nicht an einen externen KI-Dienst übertragen. Gleichzeitig entfielen zumindest teilweise die nutzungsabhängigen Gebühren kommerzieller KI-Anbieter.
Erste funktionsfähige Referenzimplementierungen für Unternehmen, Behörden und gemeinnützige Organisationen sollen innerhalb der kommenden sechs Monate erscheinen. Innerhalb von zwei Jahren wollen Mozilla und Mila die Infrastruktur so weit entwickeln, dass sich offene KI-Systeme deutlich einfacher produktiv einsetzen lassen.
Beide Projekte folgen damit derselben Linie: Mozilla versucht, bei der zunehmenden Integration von KI Alternativen zu geschlossenen Plattformen zu etablieren. Bei Firefox bedeutet das die Wahl zwischen verschiedenen KI-Anbietern einschließlich offener Modelle wie Mistral Small 4. Mit Mila setzt Mozilla eine Ebene tiefer an und will die technischen Voraussetzungen dafür schaffen, dass Organisationen KI-Infrastruktur vollständig selbst kontrollieren können.
