Tails steht für »The Amnesic Incognito Live System« und bedient sich zur Anonymisierung des Tor-Netzwerks, durch dessen Knotenrechner der Netzwerkverkehr geleitet wird. Es basiert auf Debian, ist als Live-System für die Verwendung auf USB-Sticks oder DVDs ausgelegt und spezialisiert sich auf Anonymität und die Wahrung der Privatsphäre seiner Anwender.
Nur zwei Wochen nach Tails 7.10 schiebt das Projekt mit Version 7.10.1 ein Notfall-Release nach. Grund sind zwei kritische Sicherheitslücken, die Angreifern potenziell Root-Rechte auf einem System verschaffen könnten und damit im schlimmsten Fall deren Anonymität aushebeln.
Schwachstelle im Linux-Kernel
Im Zentrum steht CVE-2026-64560, eine Schwachstelle im Linux-Kernel, über die der in Tails laufende Tor Browser Administratorrechte erlangen könnte. Laut den Entwicklern reicht theoretisch der Besuch einer präparierten Webseite, damit ein Angreifer die volle Kontrolle über Tails übernimmt und den Anwender deanonymisiert. Das Team stuft einen solchen Angriff als sehr unwahrscheinlich ein und typischerweise als Werkzeug starker Angreifer wie Geheimdienste und andere staatliche Stellen. Bislang seien keine Fälle in freier Wildbahn bekannt. Behoben wird die Lücke durch ein Update des Kernels auf Version 6.12.100.
XML-Bibliothek Expat
Ein zweiter Fix betrifft die XML-Bibliothek Expat, die auf 2.8.2 angehoben wird und damit die in DSA-6404-1 gesammelten Schwachstellen schließt. Betroffen sind Programme wie LibreOffice, Audacity oder Git: Wird dort eine bösartige Datei geöffnet, könnte das ebenfalls zur Rechteausweitung führen.
Nebenbei bringt 7.10.1 zwei kleinere Verbesserungen: Automatische Upgrades werden jetzt mit Zstd komprimiert, was den Start beschleunigt, und durch das Entfernen ungenutzter Firmware schrumpfen USB-Images und Updates um bis zu 70 MB.
Weitere Einzelheiten bietet das Changelog. Automatische Upgrades auf Tails 7.10 stehen für Bestandsanwender mit mindestens Tails 7.0 bereit. Manuelle Upgrades von älteren Versionsständen sind ebenfalls möglich.
