Manchmal reicht ein einziger Satz, um wochenlange Debatten zu beenden. Das gilt zumindest dann, wenn er von Linus Torvalds kommt. Auf der Linux-Kernel-Mailingliste hat der Kernel-Chef kürzlich klargestellt, dass Linux kein Anti-KI-Projekt ist und das auch nicht werden wird.
Sashiko als Auslöser
Auslöser war eine Diskussion über den Umgang mit KI-gestützten Beiträgen, befeuert unter anderem durch Empfehlungen der Software Freedom Conservancy zum Einsatz von LLM-basierten Systemen bei FOSS-Beiträgen sowie durch den zunehmenden Einsatz von Sashiko, einem KI-gestützten Tool zur automatisierten Code-Review im Kernel. Einige Entwickler äußerten sich in dem Zusammenhang deutlich ablehnend gegenüber KI-Werkzeugen.
Kein Social-Warrior-Projekt
Torvalds widersprach in gewohnt undiplomatischer Deutlichkeit: Wer ein Problem damit habe, könne den Kernel forken oder das Projekt verlassen. KI sei ein Werkzeug wie jedes andere und ein nützliches obendrein. Das vor einem Jahr noch strittig gewesen, stehe heute jedoch nicht mehr zur Debatte. Zugleich betonte er, dass Linux nie ein Social-Warrior-Projekt gewesen sei: Man betreibe Open Source, weil es zu besserer Technik führe, nicht aus ideologischen Gründen. Entscheidungen fielen nach technischen Kriterien, nicht aus Angst vor neuen Werkzeugen.
Technik, nicht Ideologie
Ganz unkritisch sieht Torvalds die Entwicklung aber nicht. Bereits mehrfach hat er öffentlich seinem Ärger Luft gemacht, wenn jemand ungetesteten KI-generierten Schrott einreichte und den Maintainern die Nacharbeit überließ. Genau das habe ihn bislang eher in die Nähe der KI-Kritiker gerückt, obwohl sein eigentliches Problem die Schlamperei sei, nicht die KI selbst. Die Botschaft an die Kernel-Community ist damit unmissverständlich: Technik entscheidet, nicht Ideologie.

Oh man, immer dieses Schwarz-Weiß-Denken auch bei Linus. Ich selbst bin zwar nur indirekt AOSP Nutzer ohne Google Konto aber die Position der Graphene OS Community zu KI finde ich bspw. recht ausgewogen. Beispiel: https://github.com/mx37/grapheneos-ai
Ich glaube auch nicht an Naivität von H. Torvalds, der sicher sieht was Google mit dem eigenen Android Kernel hinsichtlich KI treibt.
Könnte es sein, dass hier einige Kommentatoren schon zur religiösen Verehrung ihres Tech Gurus neigen?
Für so unmissverständlich halte ich Linus Torwald Äußerung nicht.
Denn selbst wenn man der Meinung ist, dass KI Technik ist und Technik nicht grundsätzlich abgelehnt werden solle, bleiben die Fragen nach der Qualität und dem Umfang ihres Einsatzes bei der Kerneilentwicklung zunächst einmal offen.
Wobei sich die Kritik an KI ja nicht nur auf die Ergebnisse bezieht und dieses Problem vielleicht noch am einfachsten zu lösen ist, solange irgendein Mensch die Resultate verantworten muss.
Um den Inhalt ging es den Kommentatoren hier aber wohl sowieso nicht, sondern nur darum dass Torwalds erklärt hat, dass Linux kein “social warrior” project wäre. Alles andere wurde vermutlich nicht mal mehr wahrgenommen, Hauptsache man kann über “idologisch-moralisch Verirrte” herziehen.
“Die Botschaft an die Kernel-Community ist damit unmissverständlich: Technik entscheidet, nicht Ideologie.”
Dann haben die pösen, pösen russischen Maintainer damals also was Grundlegendes falsch gemacht….
oder vielleicht doch nichts technisches, sondern… hm, k.A.
Linus Torwald sagt was er für richtig hält – unverblümt, klar und ummißverständlich.
In dieser völlig verqueren Zeit genau der Ton, der zwingend notwendig ist, den aber viele idologisch-moralisch Verirrte schon im Ansatz mißverstehen (wollen).
Dazu nicht in spätestens jedem 2.Wort ein unsinniges “Bitte”, wenn es doch um eine strikte Anweisung oder gar Befehl handelt
(Erschießungskommande bitte aufgepaßt! Bitte jetzt schießen!)
Linus ist einer der wenigen Aufrichtigen; ich bin so, so froh, daß es solcher Art Menschen nocht gibt.
Ja, da gebe ich Dir völlig recht! Auf der anderen Seite habe ich neulich nette Menschen getroffen und das war auch eine interessante Erfahrung. Ungewohnt.
Diese konsequente Unmissverständlichkeit gefällt mir. Sollen sich doch die ganzen Social Warriors in die Bedeutungslosigkeit forken. Denn das ist der wahre Grund, warum Software frei sein sollte. Wenn einem etwas nicht passt, kann er gehen und es versuchen auf seine Art zu machen. Ideologisch reinzureden, wie Software XYZ zu sein hat, ist das Gegenteil von frei.
Frei ist auch, reinreden zu dürfen, also über Dinge zu diskutieren. Man muss nur wissen, wann man aufhören sollte.