Sovereign Tech Agency

EU Sovereign Tech Fund gefordert

Wir wissen, dass (nicht nur) Europa auf Open Source angewiesen ist. Wir wissen auch, dass Open-Source-Software allzu oft chronisch unterfinanziert ist. Dabei liegt die Wertschöpfung bei geschätzten 65 Mrd. € im Jahr.

Auf der Webseite des OpenForum Europe (OFE) erschien kürzlich ein Report unter dem Titel »Funding Europe’s Open Digital Infrastructure«. Er enthält ein umfassendes, fundiertes Konzept für die Einrichtung eines EU-Fonds für souveräne Technologien (EU‑STF), um kritische Open-Source-Technologien zu sichern und zu erhalten, die für die digitale Souveränität, die Cybersicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit Europas unerlässlich sind.

Was ist das OpenForum Europe?

Das im Jahr 2002 gegründete OpenForum Europe ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Think Tank mit Sitz in Brüssel, der sich für Offenheit in der IT und insbesondere die Nutzung von Open-Source-Software und offenen Standards in Europa einsetzt.

Ziel von OFE ist es, ein offenes und wettbewerbsfähiges digitales Ökosystem in Europa zu fördern, indem es Politikern und anderen Entscheidungsträgern die Vorteile von Offenheit in der IT erklärt und auf Basis technischer Analysen berät. Die Organisation arbeitet eng mit der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament sowie nationalen und lokalen Regierungen zusammen.

Sovereign Tech Agency als Vorbild

Beauftragt wurde der Report vom GitHub-Team für Entwicklerrichtlinien bei Organisationen wie OpenForum Europe, Fraunhofer ISI und dem Europäischen Hochschulinstitut. Der Bericht befasst sich mit der Frage, wie die Sovereign Tech Agency (früher Sovereign Tech Fund) als eines der international erfolgreichsten Open-Source-Regierungsprogramme erweitert werden kann, um den Bedarf der Förderung von Open Source bei der Europäischen Union zu decken. Die Sovereign Tech Agency ist ein deutsches Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, welches 2022 zur Unterstützung kritischer Open‑Source-Infrastrukturtechnologien gegründet wurde. Wir haben mehrfach berichtet.

EU-Lösung unter Einbeziehung der OSS-Community

Der Report sieht politische Dringlichkeit auf EU‑Ebene. Er plädiert für eine EU-weite Lösung mit transparenten, schlanken Prozessen, politischer Unabhängigkeit und gemeinsamer Finanzierung durch EU, Mitgliedstaaten und die Industrie. Wichtig sei die Mitwirkung der OSS‑Community bei Priorisierung und Entscheidungen. Die EU müsse zudem weniger abhängig vom US-Big-Tech-Konglomerat werden. Der Report fordert für den EU‑STF eine Erstausstattung mit mindestens 350 MIO. Euro für sieben Jahre.

Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

5 Kommentare

  1. Es ist schon ziemlich dreist vom Steuerzahler zu erbitten den finanzstarken Unternehmen abzusichern, dass sie auch in Zukunft Kasse auf Basis von Komponenten machen können, die sie selbst nicht ausreichend unterstützen wollen. Wenn die dann auf bereits finanzierten Open Source Komponenten basierenden Produkte aber sogar gegen erneute dicke Rechnung an die Verwaltungen des Öffentlichen Diensts verkauft werden würden, den Steuerzahler also nochmal kosten würden, nachdem dieser überhaupt erst die Verfügbarkeit zugrunde liegender Open Source Komponenten abgesichert hätte, ohne welche die Produkte gar nicht mehr vermarktet werden könnten, dann würde das von einer kapitalistischen Skrupellosigkeit zeugen die kaum noch zu übertreffen wäre.

    Da ich nun nicht daran glauben kann, dass Microsoft tatsächlich bereit wäre dem Öffentlichen Dienst seine Produkte kostenlos zur Verfügung zu stellen, wenn der Steuerzahler Grundbausteine der Produkte finanzieren würde, finde ich alleine die Tatsache eine solche öffentliche Finanzierung von kommerziellen Produkten aussereuropäischer Firmen durch europäische Steuergelder in Erwägung gezogen zu haben eine erschreckend widerwärtige Mentalität in den Köpfen der beteiligten Finanzchefs.

    0
    1. Sie sind auch auf LinkedIn ebenfalls eine Microsoft Plattform, wenn Du da immer eine Abhängkeit ableitest wird es schwierig (auch wenn wir beide diese Plattformen kritisch sehen). Microsoft (und auch keine prominente Tochterfirma des Konzerns) ist nicht unter “Supporters and partners” gelistet: https://openforumeurope.org/supporters-and-partners/

      Bei den Fellows müsste man recherchieren, scheinen aber ein paar interessante Persönlichkeiten dabei zu sein.

      0
  2. Ja, das Sovereign Tech Ding … da hat man mal was gutes auf die Beine gestellt muss ich sagen. Mag vielleicht nicht perfekt sein, aber geht schonmal in die richtige Richtung. Die Idee das auf EU-Ebene auch zu machen, halte ich für gut. Nur: Die EU kann ja durchaus ein bürokratisches Monster sein; da müsste man halt sehen, wie man das einfach und schlank hält. Die Fragen Zuständigkeit und Verwaltung wären auch noch Punkte. Irgendjemand muss das ja übernehmen.

    0
    1. “… Die EU kann ja durchaus ein bürokratisches Monster sein…”
      Kann? Nicht Dein Ernst.

      “…Die Sovereign Tech Agency ist ein deutsches Förderprogramm…”
      Gut, wenn man des Englischen mächtig ist, dann kann man auch die Bezeichnungen deutscher Förderprogramme verstehen.

      0

Kommentar hinterlassen