Red Hat und IBM

Liebes Red Hat, brennt euch eigentlich der Hut?

Zugegeben, die Überschrift ist falsch, eigentlich heißt es Helm statt Hut, passend ist es dennoch. Die »IBMisation« von Red Hat geht (leider) weiter. Mehr Geld für Aktionäre, weniger Community. Doch was war passiert?

Source Code

Red Hat teilt mit, dass man künftig die SRPM-Pakete oder auch den Quellcode nicht mehr auf git.centos.org ablegen möchte. Dies ist problematisch, da sowohl AlmaLinux als auch Rocky Linux von dort ihre Sources beziehen, um die eigenen Distributionen zu bauen. Da dies nun aufhört, müssen neue Wege gefunden werden.

Durch die Beschränkung der öffentlichen RHEL-Quellen auf CentOS Stream wird es für Community-/Ableger-Linux-Distributionen wie Alma Linux, Rocky Linux, Oracle Linux usw. schwieriger, 1:1 kompatible Binärdateien für bestimmte RHEL-Versionen bereitzustellen.

Nicht das erste Mal

Bereits 2020 zog man das erste Mal den Stecker, CentOS 8 wurde Knall auf Fall eingestellt und als End of Life erklärt. Das kommerzielle RHEL 8 ist nach wie vor unterstützt. Bereits Anfang Dezember degradierte man das klassische CentOS zum alten Eisen, der Fokus soll nun auf CentOS Stream liegen. Objektiv betrachtet ergab das durchaus Sinn, RHEL künftig nicht mehr von einer schnellen Fedora-Basis zu bauen, sondern eine entschleunigte Zwischenform ins Leben zu rufen. Längeres Testen in Stream, erhöht die Stabilität der Pakete für das spätere Red Hat Enterprise Linux.

DON’T PANIC

Sowohl AlmaLinux als auch Rocky Linux haben bereits Artikel zu der Thematik veröffentlicht. Während sich Rocky Linux ziemlich bedeckt hält, kommuniziert AlmaLinux ganz offen ihre nächsten Schritte. Eine Mischung der Updates aus CentOS Stream und von Oracle Linux sollen künftig für das Bereitstellen von Updates hinzugezogen werden, um die Lizenzbestimmungen von RHEL nicht zu verletzen. Genaueres gibt es hierzu aber noch nicht.

Kapitalinteressen und etwas Spekulation

IBM ist kein Wohlfahrtsverband, ganz im Gegenteil. Ein Unternehmen wird auch nicht einfach so ein anderes Kaufen, logischerweise stehen hier finanzielle Interessen dahinter. Doch mit mehreren Entscheidungen, ohne Taktgefühl für Open Source und die Community, schießt Big Blue Red Hat immer mehr ins Aus. Man kündigt CentOS 8 ab, man fokussiert sich nur noch auf Stream, man paketiert LibreOffice nicht mehr, man entlässt Fedora Leute, man veröffentlicht den Quellcode nicht mehr – all das sind gute Indizien für: Hauptsache gekauft, verstehen tu ich’s nicht. Ich will Geld, was interessiert mich das Geschwätz von gestern. Ein IBM typisches Verhalten, wie die Unternehmensgeschichte eindrucksvoll zeigt.

Beigeschmack bleibt

Eine lesenswerte Zusammenfassung gibt es drüben bei Michael Kofler mit dem netten Titel Red Hat und die Parasiten. Zusammengefasst (TL;DR) trifft Michael hier genau unsere Gedanken: Firma nimmt offene Projekte (NGINX, MariaDB, Apache, Postfix uvm.), bündelt daraus ein Produkt und verkauft es teuer. Ohne sich in eklatanter finanzieller Notlage zu befinden, wird zum Dank der Zugang zum Quellcode eingeschränkt. Man nimmt sich also aus dieser offenen Welt aus, von der man aber fleißig nimmt und profitiert.

Eine weitere Befürchtung, die mir auf den Schirm kommt, sind Parallelen zu den Übernahmen durch Broadcom. Kunden, die zu groß sind, um das Produkt zu wechseln, werden gemolken. An anderem hat man kein Interesse mehr. Es wäre schade, wenn das der von IBM eingeschlagene Weg wäre.

Auswirkungen auf LinuxNews und mein berufliches Umfeld

Für uns hat das ganze keinerlei Auswirkungen. Im Spätjahr 2022 war eine Überlegung meinerseits, den Blog auf ein AlmaLinux basierten Server zu legen. Nach reichlicher Diskussion mit Ferdinand, verblieb der Blog auf Debian – das wird auch künftig so bleiben. Ein Host mit Debian 12 ist für den Blog gerade im Aufbau, die Migration steht demnächst ins Haus.

Kritischer ist es im Job: Aktuell plane ich neue Cloud Services, diese sollten eigentlich auf OpenStack basieren. Mit der aktuellen Ungewissheit und der Bereitschaft Produkte von heute auf morgen einzustellen, ist OpenStack von Red Hat wohl die falsche Wahl. Für ein langfristiges Produkt wie eine Private Cloud benötige ich allerdings etwas Langlebiges, optimalerweise mit Support. VMware ist aus diversen Gründen raus, Proxmox wird das Rennen machen. Falls jemand Alternativen kennt, gerne ab damit in die Kommentare!

Abschließende Gedanken

Wenn sich Red Hat künftig immer mehr verschließt und die Mitarbeit an vielen tollen Open-Source-Projekten einstellt (monetär wie auch durch Entwickler), wie wird das die Open-Source-Landschaft verändern? Allein auf OpenCollective sind über 25.000 € Spenden an tolle Projekte verteilt worden. Fedoras Hauptsponsor ist Red Hat, welche Auswirkungen hätte es, wenn hier die Unterstützung von dem einen auf den anderen Tag gekappt wird? Fragen, bei denen man hofft, nie die Antwort kennenlernen zu müssen.

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