Der Linux-Kernel-Betreuer Greg Kroah-Hartman als die Nummer 2 hinter Linus Torvalds kündigte eine Richtlinie für das Subsystem drivers/staging/ an, wonach von Large Language Models (LLM) generierte Patches automatisch abgelehnt werden. Es gibt nur eine eng umrissene Ausnahme für echte Sicherheitskorrekturen, die nachweislich auf echter Hardware getestet wurden. Anlass war ein regelrechter Ansturm an LLM-generierten Einsendungen für dieses Verzeichnis.
Subsystem zum Lernen für neue Entwickler
Kroah-Hartman erinnert daran, wofür drivers/staging/ eigentlich da ist: als geschützter Lernraum für neue Kernel-Entwickler, in dem Code mit bewusst niedriger Einstiegshürde liegt, der es nie in einen produktiven Baum schaffen soll. Dafür sorgt unter anderem das TAINT_CRAP-Flag. Es weist darauf hin, dass die Codequalität unbekannt ist und Kernel-Entwickler Probleme in der Regel nicht beheben, wenn dieses Flag aktiv ist. Wer diesen Bereich per KI-Tool »aufräumt«, untergräbt genau diesen Zweck. Deshalb weist er ab sofort automatisiert generierte Patches für drivers/staging/ zurück.
Eng umrissene Ausnahme
Vermeintliche Sicherheitsprobleme, die ein LLM aufgespürt hat, dürfen weiterhin eingereicht werden. Voraussetzung: Der Einsender muss den Fix auf echter Hardware getestet und diesen Test dokumentiert haben. Grund dafür ist laut Kroah-Hartman, dass mindestens ein Drittel solcher KI-Funde schlicht falsch oder sogar schädlich sei. Wer es dennoch mit undeklarierten LLM-Patches versucht, sei gewarnt: Man erkenne sie ohnehin fast immer. Als Leseempfehlung verlinkt er einen Essay von Bruce Schneier zur Frage, wann KI-Einsatz bei einer Aufgabe sinnvoll ist.
Kein Widerspruch
Die Regel wirkt strenger, als es Linus Torvalds’ vielzitierte Aussage von Mitte Juli vermuten lässt, wonach Linux »kein Anti-KI-Projekt« sei und Kritiker forken oder verschwinden sollten. Ein Widerspruch ist es aber nicht: Kroah-Hartmans Ansage betrifft gezielt den Lernbereich des Kernels, nicht den Einsatz von KI-Werkzeugen generell. Die Linie beider Maintainer bleibt damit deckungsgleich: KI ist Werkzeug, kein Ersatz für Verantwortung.
