Der Urlaub ist zu Ende, LinuxNews macht mit frischen Kräften weiter mit einem subjektiven Rückblick auf die News der vergangenen zwei Wochen, die ich spannend fand.
Fangen wir doch gleich beim Kernel an. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI-/LLM-Modellen, die den umfangreichen Quellcode des Linux-Kernels analysieren, ist die Anzahl der CVEs pro Kernel-Release stark angestiegen und hat sich laut Greg Kroah-Hartman von rund 500 pro Release mittlerweile auf 2000 CVEs angenähert. Das entspricht auch dem, was Torvalds als »the new normal« bezeichnet hat.
Kernel-Entwickler Konstantin Ryabitsev hat in einem Blogbeitrag über die zusätzliche Systemlast berichtet, die durch KI‑Crawler entsteht, die auf git.kernel.org Git-Commits ineffizient als HTML-Seiten abrufen, um Trainingsdaten abzugreifen.
Debian goes »all in«
Im Zusammenhang dazu steht auch der Ausgang der General Resolution zur Verwendung von LLMs in Debian. Bei der Abstimmung gewann Option 5, die mit »Responsible Use of Generative AI« überschrieben war. Ein striktes Verbot von KI-Inhalten im Projekt, wie es einige Vorschläge forderten, wurde abgelehnt. Es gibt weder spezielle Einschränkungen noch eine generelle Kennzeichnungspflicht für KI-assistierte Beiträge. Eine Offenlegung wie etwa durch Git-Trailer wird zwar als gute Praxis begrüßt und empfohlen, bleibt jedoch gänzlich freiwillig. Verpflichtend ist lediglich der Grundsatz, dass der einreichende Mensch die volle Verantwortung für die technische Qualität und die Lizenzkonformität im Sinne der DFSG trägt.
Debian schwenkt damit auf eine mit dem Kernel vergleichbare Richtlinie ein. Die Gegner der Entscheidung befürchten neben einem Qualitätsverlust, dass Debian damit einen gefährlichen Präzedenzfall für die gesamte Open-Source-Welt geschaffen hat.
Ungebremste KDE-Entwicklung
Im Rahmen der Entwicklung hin zu Plasma 6.8 lag zunächst die Veröffentlichung von Plasma 6.7.5 als fünftes Wartungsupdate der KDE‑Plasma-6.7-Serie. Die Aktualisierung optimiert unter anderem die Darstellung von HDR-Inhalten, beschleunigt Screenshots mit Spectacle und behebt diverse Probleme im Software-Center Discover.
Vor zwei Tagen wurde zudem die Beta zu Plasma 6.8 freigegeben, die unter anderem die zweite Hälfte des neuen Union-Themings ausliefert. Zum Beta-Release wird es in den nächsten Tagen einen eigenen Beitrag geben.
Vergangene Woche wurde in KWin gerade noch rechtzeitig vor der Beta die Unterstützung für das Wayland Commit-Timing Protocol gemerged. Entwickler Xaver Hugl schrieb dazu in seiner Commit-Message: »Dieses Protokoll ermöglicht es Anwendungen, den frühestmöglichen Zeitpunkt festzulegen, zu dem der Compositor den Commit anwenden soll. Es kann beispielsweise von Videoplayern genutzt werden, um Frames im Voraus zu planen oder die Bildwiederholfrequenz mithilfe von Adaptive Sync besser zu steuern.« Dies ist ein großer Fortschritt sowohl für die Videowiedergabe als auch für Gamer, die auf die Unterstützung von Adaptive-Sync/FreeSync angewiesen sind.
KIO-Snapshots
Bereits Ende August stellte Nate Graham im Monatsüberblick eine wegweisende Neuerung für Nutzer des noch in Entwicklung befindlichen KDE Linux vor. Es wird automatische Btrfs-Snapshots für Benutzer-Home-Verzeichnisse bieten, die eine nahtlose Dateiwiederherstellung direkt im Dateimanager Dolphin ermöglichen. Diese Funktion nutzt Snapper für die Verwaltung von Snapshots im Hintergrund in Kombination mit KIO-Snapshot, um den Versionsverlauf von Dateien in die Desktop-Umgebung zu integrieren. Das ist Teil einer umfassenderen Initiative bei KDE Linux zur Verbesserung der Datensicherungs- und -wiederherstellungssysteme, in deren Rahmen auch an anderer Stelle Verbesserungen vorgenommen wurden, wie etwa bei Kup-Backup.

Nach ein wenig Konfiguration funktioniert die Darstellung von Snapshots in Dolphin im aktuellen KDE-Linux bereits recht ordentlich.
Photos als möglicher Nachfolger für Gwenview
Gwenview ist seit 25 Jahren die Standard-Anwendung für die Anzeige und Manipulation von Bildern bei KDE und macht einen guten Job. Mittlerweile erweist sich die Codebasis als nicht mehr zeitgemäß. Neue Funktionen wie etwa ein besseres Handling großer Bildbestände lassen sich kaum integrieren, ohne den halben Code zu erneuern. Demzufolge konstatierte Nate Graham kürzlich eine abnehmende Commit-Aktivität für die Anwendung.
Deshalb wird in einem aktuellen Blogpost die Anwendung Photos als möglicher Nachfolger vorgestellt, die 2017 erstmals unter dem Namen Koko für Plasma Mobile veröffentlicht wurde. Photos wurde bei Tech Paladin insbesondere für den Umgang mit großen Bildersammlungen und die Darstellung auf HiDPI-Bildschirmen optimiert. Photos kann zudem auf das Annotationssystem von Spectacle zugreifen.

Mehr Geld für Flatpak
Die Sovereign Tech Agency wird in den nächsten zwei Jahren über 500.000 Euro bereitstellen, um das Sandboxing und die generelle Sicherheit bei Flatpak zu erhöhen. In einem Blogbeitrag schreiben die Entwickler, das Sandboxing von Flatpak liege weiterhin hinter dem Sandboxing finanzstarker proprietärer Plattformen wie Android und iOS zurück. Zudem verfügen Netzwerke und VPNs nach wie vor nicht über eigene Portale.
Und sonst noch…
Sowohl Jellyfin als auch Immich haben Updates erhalten, die in den nächsten Tagen in eigenen Beiträgen vorgestellt werden. Weitere Apps, die Updates erhielten, sind unter anderem der RSS-Feed-Reader Liferea 2.0, der jetzt auf GTK4 und Libadwaita aufbaut, sowie der Open-Source Video-Editor Kdenlive 2026.08, der jetzt die Neuanordnung der Spuren per Drag & Drop sowie die automatische Erstellung von Audiospuren beim Ablegen eines Clips mit mehr Audiokanälen als verfügbaren Spuren unterstützt. Audacity 4.0 liegt derweil als Beta 4 vor. Aufgrund von Nutzer-Feedback wurden Verbesserungen an der Clip-Bearbeitung vorgenommen, darunter die Erweiterung der Funktion des Teilungswerkzeugs auf Clip-Kopfzeilen und die Spectrogram-Ansicht. Außerdem wurden die Optionen Clips zusammenfügen und Clip an Pausen teilen wieder in das Kontextmenü der rechten Maustaste aufgenommen.
Chris Mason geht
Chris Mason, Langzeit-Kernel-Entwickler und Initiator von Btrfs, hat seinen Job bei Meta (ehemals Facebook) am 28. August verlassen und gleichzeitig das Co-Maintaining von Btrfs im Kernel formal abgegeben. Er wird für Btrfs weiterhin als Code-Reviewer aktiv sein. Während seiner Zeit bei Facebook konnte er anhand der massiven Deployments von Btrfs in der Infrastruktur des Konzerns Btrfs in vielerlei Hinsicht erweitern und verbessern. Wohin es Mason beruflich als Nächstes zieht, hat er bei seinem Abschied noch nicht öffentlich bekanntgegeben. In der jüngeren Vergangenheit widmete er sich neben Btrfs intensiv KI-gestützten Code-Review-Werkzeugen sowie Scheduling-Metriken im Kernel, wie etwa dem Tool rsched.
Ikey taucht auf
Ikey Doherty, der Macher von Solus und AerynOS, taucht aus der Versenkung auf. Das geschieht als Reaktion auf die Finanzierung von DHHs Distro Omarchy, die er als absurd bezeichnet. Sein Gegenentwurf heißt Barney: ein in Rust geschriebenes Tool, mit dem sich Linux-Distributionen komplett aus dem Quellcode bauen lassen. Barney soll dabei ausdrücklich keine fertige Distribution werden, sondern zeigen, wie eine Distribution entsteht. Doherty begleitet sein Tool mit einer YouTube-Serie, deren erste Folge bereits online ist. Doherty, der Angehöriger der Irish Travellers ist, reagierte zudem scharf auf frühere, umstrittene Äußerungen von DHH über Sinti und Roma.
